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Marburg 19-Jähriger droht Kontrolleuren mit dem Tod
Marburg 19-Jähriger droht Kontrolleuren mit dem Tod
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19:45 14.03.2018
Symbolbild: Vor dem Amtsgericht wurde der Fall verhandelt. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der Angeklagte, seine Freundin und seine Nichte fuhren im Juni 2017 mit dem Bus vom Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt. An der Haltestelle Bahnhofstraße bemerkte er zwei Fahrkartenkontrolleure­ und verließ den Bus zusammen mit seinen Begleiterinnen, die Kontrolleure fuhren weiter bis zum Erwin-Piscator-Haus. Dort stiegen sie aus und warteten auf die Linie 1 in Richtung Pommernweg. Als sie die aussteigenden Fahrgäste kontrollieren wollten, bemerkten sie den Angeklagten und seine Begleiterinnen, die den Bus verlassen wollten. Als die Kontrolleure ihn aufforderten, seine Fahrkarte vorzuzeigen, ging der Angeklagte einfach weiter. Daraufhin hielt einer der Kontrolleure ihn an der Schulter fest und forderte ihn auf, sich auszuweisen.

Der Angeklagte riss sich los und drohte den beiden Kontrolleuren, er werde seinen „Bruder rufen und dann klären wir das“. Seine Freundin und die Nichte forderte er auf, weiter zu gehen. Der Angeklagte beleidigte die Kontrolleure und drohte ihnen schließlich, er würde eine Pistole holen und ihnen in den Kopf schießen. Daraufhin ließen die Kontrolleure von ihm ab, verständigten die Polizei und folgten dem Angeklagten bis zu den Lahnterrassen, an denen zwei Streifenpolizisten sie einholten und die Anzeige aufnahmen.

Angeklagter verteidigte sein Verhalten

Der Angeklagte gab in seiner Aussage zu, ohne Fahrschein gefahren zu sein und die Kontrolleure beleidigt zu haben. Er bestritt aber, sie bedroht zu haben und verteidigte sein Verhalten: „Die haben mich aggressiv angepackt“, sagte er. Seine Nichte hätte dabei Angst bekommen und sich hinter der Freundin versteckt. Das habe ihn aufgeregt.

Die beiden Kontrolleure beschrieben das gesamte Verhalten des Angeklagten als sehr aggressiv und bestätigten seine Drohung, ihnen in den Kopf zu schießen. Einem der beiden war der Angeklagte bekannt, da dieser mehrfach ohne Fahrschein gefahren war und als aggressiv bekannt ist. „Mir hat mal ein Polizist gesagt: Sei vorsichtig, der schlägt zuerst und redet danach“, sagte er.

Der Angeklagte, der mit seinen Geschwistern bei seinen Eltern lebt, war bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Im Jahr 2013 war er für einen gemeinschaftlichen Diebstahl zu einer Woche Dauerarrest verurteilt worden. Seit 2015 ist er dazu bis Dezember 2018 auf Bewährung. Das Amtsgericht hatte ihn wegen einer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Kurs zur Bewältigung von Aggressionen angeordnet

Die Staatsanwaltschaft sah in ihrem Plädoyer die Tatvorwürfe durch die glaubhaften Zeugenaussagen bestätigt. Zwar sei der Angeklagte zum Teil geständig gewesen und hatte sich entschuldigt, allerdings sprächen seine Vorstrafen und seine Uneinsichtigkeit gegen ihn. „Es sind immer die anderen schuld. Sie würden provoziert und hätten keine Wahl,“ führte die Staatsanwältin aus. Sie forderte eine Freiheitsstrafe unter Einbeziehung der Vorstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Der Verteidiger bestritt die Tatvorwürfe nicht. Er bat das Gericht darum, seinen Mandanten mit einer Verlängerung der Bewährung, Arbeitsauflagen und einem Arrest zu bestrafen. Der Angeklagte wiederholte anschließend seine Ansicht, nur aus Sorge um seine verängstigte Nichte gehandelt zu haben.

Das Gericht entschied auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Dazu kommen ein vierwöchiger Dauerarrest, ein sozialer Trainingskurs zur Aggressionsbewältigung und 100 Arbeitsstunden.

von Michael Noll