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17 Hippies verwandeln KFZ in Sauna

Volles Haus 17 Hippies verwandeln KFZ in Sauna

Proppenvoll war der Kulturladen KFZ am Donnerstagabend: Dort gaben „17 Hippies“ ihre musikalische Visitenkarte ab.

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Viel los war am Donnerstag vor aber auch auf der Bühne des KFZ: Dort gastierten „17 Hippies“ aus Berlin.Foto: Jan Bosch

Marburg. Ihr Name klingt verheißungsvoll, steht aber für nichts. Ihr Stil ist unverkennbar, der Altersdurchschnitt so um die Mitte 40. 17 sind es nicht ganz, aber ganz schön viele. Aus Berlin sind sie angereist, vor zehn Jahren haben sie im Marburger KFZ das erste Mal gastiert.

Am Donnerstagabend drängt sich in der Hitze des kleinen Saals schwitzend die Menschenmasse, kaum jünger als die Band.

Der Name 17 Hippies steht seit 16 Jahren für eine Gruppe von Musikern mit mehr als zehn Gesichtern. Für einen unverkennbaren Stil, für unterschiedliche Einflüsse und mitreißende Live-Konzerte. Sie kommen aus ganz Deutschland und haben sich in Berlin getroffen, um Volksmusik zu machen. Ihr Sound schwebt irgendwo zwischen französischen Chansons, osteuropäischem Klezmer und amerikanischem Folk.

Die zwölf Musiker spielen verschiedene Instrumente, wie Gitarre, Cello, Geige, Banjo oder kurbeln ein indisches Harmonium. Oft springt auch einer mit der Ukulele durch die Gegend. Ihre Songs komponieren sie zusammen und das in vielen Sprachen, darunter auch Hessisch.

2003 spielten sie das erste Mal im KFZ, danach tourten sie (nach eigener Aussage) durch gefühlte 56 Länder und spielten tausende Konzerte. „Wenn wir Auftritte unter besonders schwierigen Bedingungen haben, es hagelt, der Strom ausgefallen ist oder der Saal vor Hitze schmilzt, und wenn die Stimmung dann gut ist, dann spielen wir meistens in Hessen“, scherzte Sänger Dirk Trageser, der selber ein Hesse ist. „Das ist keine angeborene Euphorie, wie beim Rheinländer, ja, das ist eher so ein Euphorieschub aus Notwendigkeit,“ nahm er seine Landsleute aufs Korn und legte unter großem Befall mit der Klampfe los.

Das Publikum ist vom ersten Ton begeistert, feiert ausgiebig jeden Song, der aus Richtung Bühne kommt. Die saunaartigen Temperaturen werden ignoriert, wenn die Hippies auf unzähligen Instrumenten ein Quietschen und Klimpern zu mitreißenden Melodien machen.

Sie sind immer in Bewegung, wie ihr Publikum. Stetig wechseln sie die Positionen, eine ständige Reise nach Jerusalem, bei der niemand ausscheiden muss.

„Phantom Songs“ ist das zehnte Album der „17 Hippies“, ihr viertes Studioalbum. Erneut schlägt die Neugier der Band durch, sich mit bisher ungewohnten musikalischen Formen auseinanderzusetzen. Bisher ungehörte Klänge und griffige Grooves ergeben im Zusammenspiel mit dem bewährten akustischen Instrumentarium eine weitere Facette des bandtypischen Songschreibens. 13 Geschichten darüber, was sie bewegt, umtreibt, amüsiert. Die schöne krude Wahrheit über die Liebe - ohne Umschweife bloßgestellt. Ein Blick nach vorn mit Leichtigkeit - die dunkle Vergangenheit verblasst.

Lange anhaltender Beifall ringt ihnen eine ausgedehnte Zugabe ab. Ihre Konzerte sind ein Erlebnis der Extraklasse, bei denen man garantiert auch im tiefsten Winter in Schwitzen kommt.

von Jan Bosch

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