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Marburg 15 706 Tage im Dienst der Sparkasse
Marburg 15 706 Tage im Dienst der Sparkasse
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13:38 28.03.2018
Frank Usbeck (links) war 43 Jahre bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. Am Mittwoch wurde er verabschiedet und sein Nachfolger Sebastian Finck vorgestellt.  Quelle: Katja Peters
Marburg

Als Frank Usbeck 1975 seine Ausbildung bei der Sparkasse in Marburg begann, war Sebastian Finck noch nicht einmal geboren. Jetzt wurde der 62-jährige Lahnstädter in den Ruhestand verabschiedet und der 40-jährige Niedersachse als sein Nachfolger präsentiert.

„Ich wollte schon immer Bankdirektor werden“, sagte Sebastian Finck mit einem Lächeln. Und er ist auf dem besten Weg, seinen Kindheitstraum zu erfüllen. Finck genießt schon jetzt das Vertrauen des Vorstandes. Das
jedenfalls betonte Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch in seiner Rede am Mittwoch mehrfach. „Wir sind uns sicher, Sie werden auch in Ihrer neuen Aufgabe einen tollen Job machen.“

Seit gut einem Jahr leitet der Familienvater die Abteilung Firmenkundenbetreuung und ist auch schon genauso lange der Stellvertreter von Frank Usbeck. Finck weiß also genau, auf was er sich einlässt. Dabei wollte er am Anfang der Karriereleiter gar nicht ins Kreditgeschäft. „Heute rate ich jedem Auszubildenden dazu. Weil es ein interessantes, aber auch verantwortungsvolles Gebiet ist.“

Andreas Bartsch beschreibt ihn als „verlässlichen, vertrauensvollen, kompetenten Ansprechpartner, mit dem man immer zielorientiert und durchaus auch kontrovers diskutieren konnte – und auch musste“. In Zukunft trägt Sebastian Finck Verantwortung von vier Abteilungen mit 40 Mitarbeitern, 7 000 Kunden und einem Kreditvolumen von 850 Millionen Euro.

Für die war in den vergangenen knapp 15 Jahre Frank Usbeck verantwortlich. Sein guter Draht zu den Kunden wurde durch den Besuch von Schweizer Geschäftspartnern zu seiner Verabschiedung mehr als unterstrichen. Auch er wollte ursprünglich gar nicht ins Kreditgeschäft. Aber als „35-jähriger Jungspund“, so Andreas Bartsch, wurde der Marburger ins kalte Wasser geworfen, übernahm diesen Bereich und wurde 2003 Leiter der Abteilung Kreditsachbearbeitung. „Und das ohne Einarbeitung“, erinnert er sich. Zu seiner Frau habe er damals gesagt: „Wenn das so weiter geht, dann höre ich auf.“

Aber er hat durchgehalten. Insgesamt 5 528 Tage, oder einfacher gesagt – 15 Jahre. Seine Kollegen beschreiben Usbeck als „absolut zuverlässig, konstruktiv, verbindlich, besonnen, gerecht – eben einfach menschlich.“ Das kann Sebastian Finck unterstreichen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass er mal ernsthaft geflucht hat.“ Aber er erinnert sich, dass Frank Usbeck sehr sparsam war. „Seine Bleistifte schrieb er bis auf zwei Zentimeter runter, ehe er sie entsorgte“, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Bekannt war der Marburger Musikfan auch für seine Pünktlichkeit. „Er kam immer als Letzter pünktlich um 9.30 Uhr. Wenn er um 9.30 Uhr einen Termin hatte, kam er um 9.29 Uhr“, zitierte Andreas Bartsch einige von Usbecks Kollegen. Die Mittagspause war für ihn immer eine „heilige Zeit“ und Abweichungen waren nur möglich, wenn es unbedingt sein musste. „Der Anblick von seinem alten Käfer-Cabrio und seinem ‚Rumpel-Volvo‘ werden in der Tiefgarage fehlen“, wurde das Vorstandsmitglied dann doch sentimental und richtet noch ein paar persönliche Worte an das Urgestein.

„Nach unseren ersten gemeinsamen Gesprächen vor sechs Jahren war ich mir nicht sicher, ob das mit uns richtig gut funktioniert.“ Frank Usbeck nickte und Andreas Bartsch fügte hinzu: „Aber egal wie, Sie haben sich der Aufgabe und vor allem mir gestellt. Und ich kann wirklich mit einem breiten Grinsen sagen: ‚Sie haben das Klasse gemacht.‘“

Langweilig wird Frank Usbeck in seinem neuen Lebensabschnitt wohl nicht. Endlich kann er seine geliebten Konzerte auch in der Woche besuchen und muss dann nicht übermüdet am nächsten Tag auf der Arbeit erscheinen. Extra für ihn spielten auch die „Eismänner“ bei seiner Verabschiedung. Außerdem hat seine Frau bis Juli schon monatlich eine Reise gebucht. „Skiurlaub, Ibiza, Ostsee“, zählte sie auf. Und dann sind da ja noch die zwei schottischen Collies, die auch beschäftigt werden wollen.

Für Sebastian Finck beginnt dagegen die Zeit, in der er noch mehr Verantwortung übernehmen wird. „Ich kann viel gestalten, weil auch vieles im Umbruch ist“, erklärte er. Und gegen die möglichen grauen Haare gab es vom Vorstand schon mal ein entsprechendes Shampoo.

von Katja Peters