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13 - die Glückszahl des Konzertvereins

Cappella Istropolitana und Gitarrist Frank Bungarten 13 - die Glückszahl des Konzertvereins

Der ursprünglich vorgesehene Solist Friedemann Wuttke hatte kurzfristig abgesagt. Dennoch hätte der Konzertverein nicht glücklicher ins neue Jahr starten können als am Sonntagabend.

Marburg. Die Bilder glichen sich: Wie Ende Oktober bei der Spielzeiteröffnung trat am Ende der Weihnachtspause der Konzertverein-Vorsitzende Dr. Friedemann Nassauer vors Publikum. Und hatte den kurzfristigen Ausfall des Gitarren-Solisten anzukündigen. Nassauer brachte das mit dem Jahr 2013 und dem Konzertdatum 13. Januar in Verbindung. Doch letztlich entpuppte sich die 13 nicht als Unglücks-, sondern als Glückszahl.

Und das kam so: Friedemann Wuttke, der sich weit vor Weihnachten bei einem Treppensturz beide Ellbogen gebrochen hatte, ließ zwar den Konzertverein, so war im Pausengespräch zu erfahren, bis 48 Stunden vor dem Konzert darüber im Unklaren, ob er auftreten kann. Die endgültige Absage aber verknüpfte er damit, dass er Kontakt zu seinem Kollegen Frank Bungarten aufnahm. Das ist in etwa so, als würde Star-Cellist Yo-Yo Ma bei Mischa Maisky anfragen, ob er ihn vertreten könne.

Vor sieben Jahren mit dem „Echo Klassik“ geehrt

Bungarten, der unter anderem 2005 als „Instrumentalist des Jahres“ mit dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet worden ist, sagte zu. Und das Konzertglück für die 550 Marburger Zuhörer nahm seinen Lauf.

Wobei noch einmal die Zahl 13 ins Spiel kam. Denn die Cappella Istropolitana, die Bungarten begleitete, bestand am Sonntagabend aus 13 Streichern. Aber der satte Klang des slowakischen Elite-Kammerorchesters ließ mindestens doppelt so viele Spieler vermuten. Im Zusammenspiel mit dem Solisten nahmen sie sich jedoch ganz zurück, sodass der Klang der Gitarre nur ganz dezent elektronisch verstärkt werden musste, um bis in den letzten Winkel des großen Stadthallensaales zu dringen.

Als Bungarten, ein großer, kahlköpfiger Mann in schweren Stiefeln, die Klampfe, pardon: die Gitarre, in der Rechten ruhigen Schrittes auf die Bühne kam, da meinte man für einen Moment, er habe sich verirrt, suche vielleicht ein Lagerfeuer, um dort ein paar Wanderlieder zum Besten zu geben. Aber man soll ja nie etwas auf den äußeren Eindruck geben. Denn Bungarten erwies sich als ein Sensibilissimus auf seinem Instrument, das nach seiner Aussage das leiseste und intimste aller Konzertinstrumente ist. Der in Hannover lehrende 54 Jahre alte Professor zauberte mit atemberaubender Leichtigkeit auf der Gitarre in Konzerten von Antonio Vivaldi und Joseph Haydn.

Und verzauberte damit das Publikum, sodass der Beifall kein Ende finden wollte - erst recht nicht, nachdem Bungarten die Zuhörer in der Zugabe mit nach Spanien genommen und in „Asturias“ von Isaac Albeniz brillierte hatte.

Auch der Gitarrist war begeistert vom Marburger Publikum, wie er nach dem Konzert am CD-Stand, wo seine Silberscheiben weggingen wie die warmen Semmeln, wiederholt betonte.

In mitreißender, sich von Stück zu Stück steigernder Spiellaune befand sich auch die Cappella Istropolitana. Sie bot dem Publikum einen Querschnitt durch das vorklassische sinfonische Schaffen mit Werken der italienischen Barockmeister Giovanni Battista Sammartini und Tomaso Albinoni, des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel sowie Franz Xaver Richter, der zu den wichtigsten Vertretern der sogenannten Mannheimer Schule zählt, und Wolfgang Amadeus Mozart.

Musiker erwiesen sich zum Schluss als „Wilde 13“

Die 13 Streicher, angeführt von ihrem so einfühlsam wie feurig zu Werke gehenden Konzertmeister Robert Marecek, waren nicht nur in Spiel-, sondern auch in Geberlaune, wie die gleich drei Zugaben zeigten: das wunderbar zart abgetönte „Air“ von Johann Sebastian Bach, der federleicht daherwirbelnde Finalsatz des Mozart-Divertimentos KV 136. Und mit dem Rausschmeißer erwiesen sich die Slowaken dann noch als „wilde 13“: im furios getanzten „Libertango“ von Astor Piazzolla.

von Michael Arndt

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