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Warnstreik in Stadtallendorf

„Niedrigstes Angebot aller Zeiten“

Warnstreik in Stadtallendorf: Rund 350 Arbeiter zogen am Dienstag durch die Stadt, um ihren Forderungen in den Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen.
Am Werksgelände der Eisengießerei Fritz Winter setzte sich der Protestzug in Bewegung – danach marschierten die rund 350 Streikenden durch die Innenstadt, um sich auf dem Paradeplatz zu versammeln. Foto: Andreas Schmidt

Am Werksgelände der Eisengießerei Fritz Winter setzte sich der Protestzug in Bewegung – danach marschierten die rund 350 Streikenden durch die Innenstadt, um sich auf dem Paradeplatz zu versammeln.

© Andreas Schmidt

Stadtallendorf. Bereits in der vergangenen Woche waren Mitarbeiter der Eisengießerei Fritz Winter und von Federal Mogul Deva durch die Stadt gezogen, um für das geforderte Lohnplus von fünf Prozent zu demonstrieren (die OP berichtete).

Am Dienstag meinte es der Wettergott jedoch besser mit den Streikenden: Statt im Regen zogen die etwa 350 Streikenden bei bestem Frühlingswetter durch die Straßen. Tobias Götz von der IG Metall Mittelhessen verdeutlichte im Gespräch mit der OP, worum es den Warnstreikenden geht: „Wir sind hier für fünf Prozent mehr Entgelt in der Metall- und Elektro-Industrie.“

Er bezeichnete das bisherige Angebot der Arbeitgeber als eine Frechheit: „Das Erste lag bei 0,9 Prozent für zwölf Monate, das zweite Angebot der Arbeitgeber war 2,1 Prozent auf 24 Monate.“ Daher wolle die Gewerkschaft gemeinsam mit ihren Mitgliedern ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Denn für die Gewerkschaft ist klar: Die Forderungen seien nicht überzogen, man wolle an der wirtschaftlichen Entwicklung, die man ja selbst mit erwirtschafte, auch teilhaben.

„Das Angebot spiegelt in keinster Weise die Entwicklung in Deutschland wider oder die Werte, die auch hier in den Werken und generell in der Metall- und Elektro-Industrie geschaffen werden“, verdeutlichte Tobias Götz.

Aufmerksamkeit mit umgebauter Motorsäge

Daher zogen die Metaller – ausgestattet mit Fahnen, Trillerpfeifen und Papp-Händen mit der Aufschrift „Give me 
five“ durch die Innenstadt und brachten damit auch kurzzeitig den Verkehr zum Erliegen. Die Autofahrer im Stau waren jedoch nur zum Teil von dem Protestzug genervt. „Ich kann die Forderungen verstehen“, sagte 
ein Fahrer. „Wenn man mir ein Gehaltsplus von nur 0,9 Prozent anbieten würde, dann 
würde ich mir wohl einen neuen Job suchen“, sagte er.

Vor allem in der Unterführung zur Stadtmitte war der Lärm, den die Streikenden machten, geradezu ohrenbetäubend – auch, weil ein junger Mann 
eine Motorsäge mit Blechteilen so umgebaut hatte, dass sie gut doppelt so laut röhrte, als normal.

Zum Abschluss sammelten sich die Warnstreikenden auf dem Paradeplatz und stärkten sich bei Würstchen und Getränken. Dort verdeutlichte Katinka Poensgen von der Bezirksleitung der IG Metall Mitte, was die bisherigen Angebote der Arbeitgeberseite für die Metaller bedeuteten.

Poensgen droht mit weiteren Streiks

„In der Gehaltsstufe E1 sind die 2,1 Prozent 23 Euro dieses Jahr, 23 Euro nächstes Jahr – plus 6,60 Euro Einmalzahlung. Davon könnt Ihr vielleicht noch einen Schoppen trinken gehen.“ Für Facharbeiter mit E5 mache das Angebot 27,50 Euro je Jahr aus, die Einmalzahlung betrage 7,80 Euro. „Das ist aber nicht etwa Netto – darauf zahlt ihr auch noch Steuern.“ Die vorher gebotenen 0,9 Prozent bezeichnete sie als „das niedrigste Angebot aller Zeiten“.

Poensgen erläuterte, dass die Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen weiterliefen und man noch diese Woche einen Abschluss erreichen wolle. „Wie das gehen soll weiß ich nicht – aber ich weiß, wie es weitergeht, wenn es keinen gibt: Dann werden wir nächste Woche in vielen Betrieben Warnstreiks organisieren, die auf 24 Stunden ausgedehnt werden.“

von Andreas Schmidt


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