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Expo Real in München

Nachfrage übersteigt Angebot deutlich

23 kommunale und 
privatwirtschaftliche ­Aussteller – darunter 6 
aus dem Marburger Land – beteiligen sich am mittelhessischen Gemeinschaftsstand auf der Immobilienmesse „Expo Real“.
Zahlreiche Aussteller aus Mittelhessen präsentierten sich mit einem Gemeinschaftsstand auf der Expo Real. Foto: Tim Lochmüller

Zahlreiche Aussteller aus Mittelhessen präsentierten sich mit einem Gemeinschaftsstand auf der Expo Real.

© Tim Lochmüller

München. „Ich habe so viele Leute getroffen, mit denen ich schon länger hätte reden müssen, weil sie nützlich für die Stadt sind“ – mit diesem Satz spricht Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister der Stadt Marburg, den meisten Ausstellern am Mittelhessen-Stand aus der Seele.

Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen, stimmt zu: „Die Expo Real ist für die Region ein superwichtiger Anschluss an die überregionalen Märkte. Wir können uns hier präsentieren, wir Mittelhessen finden Beachtung und erschließen uns Kreise, die wir sonst – bilateral jeder für sich genommen – niemals in der Form erreichen würden.“

23 private und kommunale Mitaussteller bilden bis diesen Donnerstag gemeinsam mit dem Regionalmanagement Mittelhessen zum zwölften Mal den mittelhessischen Gemeinschaftsstand auf dem Messegelände und erfahren viel Zuspruch.

Spies: Wollen Wohnmöglichkeiten in Kernstadt schaffen

Hanker erläutert: „Es gibt einen riesigen Nachfrageüberhang. Alle Menschen wollen kaufen, alle Investoren wollen investieren, die Banken wollen finanzieren, aber es gibt wenig Angebote.“ Dies treffe gerade auf Marburg zu: „Die Stadt ist dadurch gekennzeichnet, dass das Flächenangebot und damit die Möglichkeit, Objekte zu entwickeln, noch geringer ist.“

OB Spies formuliert es so: „Hier gibt es nicht so viel Platz, weder für zu viele Autos, noch für zu viele Gebäude“ – insgesamt eine große Herausforderung. Er freue sich jedoch über neue Initiativen im Parlament: Es werde versucht, „alle Flächen, die wir in Marburg sinnvollerweise für den Wohnungsbau nutzen können, auch dafür zu nutzen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, in der Kernstadt zu wohnen“.

Karsten Schreyer von S + S Immobilien arbeitet beispielsweise derzeit in Marburg an Projekten mit etwa 350 Wohneinheiten, von denen rund 200 im Bau sind. Er berichtet von Verfahren, die „gute zwei bis drei Jahre an Vorarbeit benötigen. Von daher muss ich schon jetzt wissen, was in drei Jahren gefragt ist“.

Die aktuell in Marburg diskutierte Sozialquote von 20 bis 30 Prozent lehnt er in dieser Form ab: „Das ist nicht die richtige Richtung. Man sollte das besser standortabhängig machen, zwischen 15 und 20 Prozent und projektbezogen. 30 Prozent sind der Anfang vom Ende des privaten Wohnungsbaus.“

Nachfrage ist derzeit 
nicht zu befriedigen

Stattdessen schlägt er vor, gemeinsame Projekte umzusetzen. „Dass man sich mit einem Privatprojektentwickler in ein Boot setzt und neue Entwicklungen vorantreibt, dass man gemeinsam dem Druck entgegenwirkt, das wäre ein wünschenswertes Ziel.“

Das befürwortet im Grundsatz auch OB Spies: Die Zusammenarbeit mit Projektentwicklern gehe in Marburg ihren geordneten, erfolgreichen Gang. „Für uns hat klaren Vorrang die städtebauliche Entwicklung, die soziale Struktur, auch, dass Menschen aller Schichten, Herkünfte, Einkommensgruppen zusammen wohnen und dass wir keine Ghettos entwickeln“, sagt er.

An vielen Stellen sei zu beobachten, dass solche Aktivitäten spürbar zur Verbesserung der Quartierstruktur beitrügen. „Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg, weil man in Marburg immer weiß, dass die soziale Komponente mindestens so wichtig ist wie der Beton“, betont der OB.

Anfragen aus unterschiedlichen Bereichen

Auch im Landkreis ist die Nachfrage klassisch nicht mehr zu befriedigen, berichtet Dr. Frank Hüttemann von der Kreis-Wirtschaftsförderung, wobei die Präferenz auf den Mittelzentren bestehe. Seine Herausforderung bestehe darin, Anfragen über den Kreis zu verteilen.

Dabei spiele nicht nur der Standort, sondern auch die qualitative Dimension eine gewichtige Rolle: „Man muss schauen, wie die Realität mit den Erwartungen des Investors zusammenpasst.“ Er habe Anfragen aus Handel und Logistik erhalten, von Systemgastronomie und Hotellerie sowie von Pflegeheimen und ebenfalls rund ums Wohnen.

„Wir sind hier aber auch mit Projekten vertreten, die wir exklusiv auf der Expo Real vorstellen, wie die Liegenschaft Justus Oranier in Gladenbach-Weidenhausen.“ Das seien teilweise umfassende Vorhaben wie das Amöneburger Projekt „Atmen“.

Er befürworte es jedoch, groß zu denken und mit Selbstbewusstsein aufzutreten. So wie Karsten Schreyer: „Ich bin hier immer alle drei Tage von morgens bis abends und kam die letzten Jahre immer mit positiven Ergebnissen raus.“


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