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Servicestelle „Vielfalt im Betrieb“

Hilfe zur Integration von Flüchtlingen

Die Servicestelle „Vielfalt im Betrieb“ des Vereins „Arbeit und Bildung“ ­unterstützt Unternehmen, falls diese unsicher sind, wenn sie einen Asylbewerber einstellen wollen.
Tina Martinson (von links, Servicestelle „Vielfalt im Betrieb“) steht Markus Freiling, Yahya Shwihneh und Christine Heigl von der Firma TTM zur Seite. Privatfoto

Tina Martinson (von links, Servicestelle „Vielfalt im Betrieb“) steht Markus Freiling, Yahya Shwihneh und Christine Heigl von der Firma TTM zur Seite.

© privat

Cölbe. Seit März arbeitet der ­Syrer Yahya Shwihneh bei der Firma Technologie Transfer Marburg – TTM. Er fühlt sich wohl in dem sozialorientierten Betrieb, der weltweit Gesundheitsprojekte ausstattet.
Auch die Firma ist zufrieden mit ihm und möchte ihn gern halten. Als Medizintechniker und früherer Geschäftspartner aus Aleppo passt der Syrer perfekt in das Team von TTM.

Doch es gibt ein Problem: „Allerdings haben wir trotz aller Bemühungen und Unterstützung der Marburger Agentur für Arbeit und anderer Einrichtungen noch keine Planungssicherheit, Shwihnehs Asylverfahren ist noch immer nicht entschieden“, beklagt Christine Heigl von TTM ein Dilemma, das einige Arbeitgeber kennen, die Flüchtlinge beschäftigen.

Deshalb hat sich der Betrieb an die Servicestelle „Vielfalt im Betrieb“ von „Arbeit und Bildung“ gewandt. Dort bekommt er Unterstützung bei der Klärung von Fragen zum Asylverfahren von Yahya Shwihneh.

Gesetzliche Bestimmungen sind im stetigen Wandel

Seit Mai berät das Team um Tina Martinson und Christian Hendrichs von der Servicestelle die Cölber Firma. „Für uns ist das ein wichtiger Baustein, um die teilweise komplizierten und undurchsichtigen Vorgänge zu verstehen“, so Heigl. So wie TTM sind viele kleine und mittlere Unternehmen bereit, Flüchtlinge oder Migranten einzustellen und informieren sich über die Möglichkeiten.

„Auf diese Betriebe wollen wir zugehen, denn trotz der Bereitschaft ist die Unsicherheit groß, was die Einstellung von Flüchtlingen anbelangt, gerade bei kleinen Betrieben“, berichtet Tina Martinson von der Servicestelle, die Teil des bundesweiten Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ ist. Sie verweist auf die sich ständig ändernden gesetzlichen Bestimmungen, den oftmals unklaren Aufenthaltsstatus oder die fehlende Anerkennung beruflicher Qualifikationen.

„Mit dem Angebot der Servicestelle setzen wir in zwei Bereichen an. Wir unterstützen den Einstellungsprozess und helfen beispielsweise bei der Überwindung formaler Hürden“, erläutert Hendrichs. Zudem biete man auch Beratung und interkulturelle Trainings an. Dauer und Inhalt der Trainings und Beratungen werden individuell entsprechend der Bedarfe des Betriebs abgestimmt.

„Arbeit und Bildung“ komme dabei die langjährige Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit zugute. Im Förderprogramm IQ ist das Team um Hendrichs zudem seit 2012 mit dem Schwerpunkt Interkulturelle Kompetenzentwicklung aktiv.

Durch gute Vernetzung 
nah an Flüchtlingen dran

Auf Interesse stößt derzeit auch das Angebot des „vielfaltsorientierten Betriebs“ bei einem Fahrzeugbaubetrieb aus dem Hinterland. „Hier ist ein Vielfalts-Training mit der Belegschaft geplant“, berichtet Martinson. „Dadurch wird Raum gegeben, um Vorbehalte abzubauen. Aber die Geschäftsführung sendet auch ein Signal, dass sie für eine offene Unternehmenskultur steht.“

Auch bei der Beratung von Unternehmen aus der Region, die auf der Suche nach zukünftigen Fachkräften sind, kann die Servicestelle weiterhelfen. „Durch unsere gute Vernetzung in der Region und unsere enge Zusammenarbeit mit dem Beratungsnetzwerk ,Bleib in Hessen II‘ sind wir nah an den Flüchtlingen dran“, erläutert Hendrichs. „Wir kennen die Bedarfe von Betrieben und ,Bleib‘ berät Flüchtlinge auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt. Das ist für ­alle Seiten hilfreich.“

TTM hofft, dass die Hängepartie ihres neuen Mitarbeiters bald beendet sein wird. Ein positiver Ausgang seines Asylverfahrens bedeute für Yahya Shwihneh, dass er seine Arbeit fortsetzen und später auch seine Familie aus der Türkei nachholen könne, die er aktuell bereits mit seinem Einkommen unterstütze. Für ihn würde das eine echte Lebensperspektive in Marburg bedeuten – und für TTM die Chance, einen qualifizierten Mitarbeiter zu behalten.


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