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„Der Mittelstand kann nicht flüchten“

Deutschland sollte Vorreiter sein im Ausbau von Technologien, die Energiekosten sparen und damit auch Arbeitsplätze in heimischen Betrieben sichern, forderten Experten beim Kamingespräch der Wirtschaftsjunioren.
Der Vorstandssprecher der Wirtschaftsjunioren, Christopher Althaus (Dritter von links), mit den Teilnehmern des Kamingesprächs (von links): Dr. Gerold Kreuter, Peter Jabobs, Dr. Heinrich-Hermann Schulte, Ullrich Eitel, Dr. Norbert Clement und Michael Gude.

Der Vorstandssprecher der Wirtschaftsjunioren Christopher Althaus (Dritter von links) mit den Teilnehmern des Kamingesprächs (von links) Dr. Gerold Kreuter, Peter Jabobs, Dr. Heinrich-Hermann Schulte, Ullrich Eitel, Dr. Norbert Clement und Michael Gude.

Marburg. Die Energiewende ist derzeit die größte Herausforderung für die Unternehmer, erklärte Christopher Althaus, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Marburg. Daher wählten die Wirtschaftsjunioren dieses Thema für ihr Kamingespräch aus. Experten aus der Praxis diskutierten vor fast 50 Zuhörern über Chancen und Risiken der Energiewende und die Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Die Moderation übernahm Michael F. Guder, Geschäftsführer von Guder & Partner in Marburg.

Zwar waren die Podiumsteilnehmer alle der Meinung, dass erneuerbare Energien ausgebaut werden sollten, doch gab es unterschiedliche Positionen über die Auswirkungen und Bedeutung der Energiewende. Oberste Priorität sollte der Erhalt der Arbeitsplätze sein, sagte Dr. Heinrich-Hermann Schulte, ehemaliger Generalbevollmächtigter der Bosch Thermotechnik und jetziger Leiter der Arbeitsgruppe Energiekonzepte des Wirtschaftsrates Hessen. Zudem dürften die Energiepreise nicht weiter steigen. Die Energiepreise seien in Deutschland an einem Punkt angelangt, der nicht mehr zu vertreten sein. Konzerne könnten ihre Produktion angesichts steigender Preise schnell ins günstigere Ausland verlagern, aber „der Mittelstand kann nicht flüchten“, so Schulte. „Wenn der Mittelstand nicht international wettbewerbsfähig ist, muss er entlassen“, erklärte Schulte. Er plädierte daher für eine Übergangsphase zur Energiewende. „Wir lassen die fossilen Energien auslaufen und bauen mit Volldampf erneuerbare Energien aus“. Wichtig sei, dass Deutschland Vorreiter in der Entwicklung von Technologien werde, die Energiekosten senken können. Und besser sei es, abzuwarten, bis diese Technologie gefunden werde.

Auch Ullrich Eitel, Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik, forderte mehrmals, dass mehr in die Entwicklung von Speichertechnologien investiert werde müsse.

Sein Unternehmen habe 100000 Euro für ein sinnvolles Energiemanagementsystem ausgegeben. Aber wenn kein Wind wehe und keine Sonne scheine, nutze der ganze Ausbau von erneuerbaren Energien nicht viel. Energiemanagementsysteme sind für Unternehmen hilfreich, um über Energieeinkäufe zur richtigen Zeit, Preise zu dämpfen, erklärte Dr. Gerold Kreuter von der Industrie- und Handelskammer Kassel. „Der Trend geht dahin, Energie selbst zu erzeugen“.

Die Firma Wagner Solar stelle zu fast 100 Prozent ihren Strom selbst her, erklärte Peter Jacobs, Aufsichtsratsmitglied und Mitbegründer des Cölber Unternehmens, das 1988 die erste kommerzielle Netzeinspeisungsanlage in Deutschland entwickelte. Jacobs beklagte, dass es derzeit keine politische Richtlinie für erneuerbare Energien gibt. „Die Branche ist schwer am Wackeln“, sagte er. Solar Wagner schaue optimistisch in die Zukunft, „aber noch so ein paar Nackenschläge von der Politik und sonst woher können wir nicht gebrauchen“. Er stellte klar: „Am Energiemix führt kein Weg vorbei“. Der Fachdienstleiter Erneuerbare Energien des Landkreis Marburg-Biedenkopf, Dr. Norbert Clement, berichtete vom Ziel des Landkreises, bis 2040 energieautark zu sein - Strom und Wärme soll hier aus erneuerbaren Energien produziert werden. Das Ziel sei unrealistisch, entgegnete Schulte.

Unternehmer Eitel machte auch auf eine andere Herausforderung aufmerksam: Die Finanzkrise in Südeuropa mache ihn skeptisch. Wenn europäische Märkte kollabieren, „brauchen wir uns nicht mehr um die Energiewende kümmern“. Doch keiner der Experten am Podium prognostizierte den wirtschaftlichen Ruin in Europa. „Es war klar, dass wir keine Patentrezepte finden“, sagte Althaus. Es sei aber wichtig, dass die Diskussion um die Energiewende von Fachleuten, die detaillierte Einblicke haben, geführt wird.

von Anna Ntemiris


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