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„Bildung 4.0“ und eine flache Hierarchie

Bildungszentrum Handel und Dienstleistung „Bildung 4.0“ und eine flache Hierarchie

Das Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen koordiniert von ­Marburg aus mit rund 
80 Mitarbeitern Bildungseinrichtungen in Nord- und Mittelhessen. Die neue Geschäftsführerin 
ist erstmals eine Frau.

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Ute Horn vor dem Eingang des BZH, das sich neben dem Oberstadtaufzug mitten in der Innenstadt befindet.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Miteinander, Innovation und Wachstum – für diese Begriffe soll das Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen (BZH) stehen, das von Marburg aus Bildungsangebote für die Dienstleistungsbranche in Nord- und Mittelhessen koordiniert. Ute Horn, seit 1. Januar alleine Geschäftsführerin, hat sich hohe Ziele gesetzt. Nach 25 Jahren im BZH ist sie an die Spitze der Einrichtung aufgerückt.

Die gebürtige Marburgerin ging auf das Gymnasium Philippinum, absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Blista, studierte BWL in Gießen und arbeitete dann zunächst zwei Jahre in Frankfurt. 1992 begann sie ihre Tätigkeit im BZH, als Assistentin der Geschäftsführung. Nach drei Jahren Elternzeit begann sie in Teilzeit als Projektleiterin im Bereich Qualitätsmanagement, E-Learning, Berufsbegleitendes und Seminare. Die Stunden stockte sie später wieder auf. Am 1. September 2015 wurde sie zum Mitglied der Geschäftsführung ernannt, genau ein Jahr später zur Geschäftsführerin befördert. Seit dem 1. Januar 2017 hat sie diese Position nun alleine inne.

Mitarbeiter sollen stärker mit eingebunden werden

Als Nachfolgerin der Doppelspitze aus Karl Michael Opitz und Heiner Dippel, die in Rente gingen, möchte sie nun neue Prioritäten setzen und eine andere Aufgabenverteilung etablieren. Die 80 Mitarbeiter sollen auch nach außen hin stärker eingebunden werden.

„Ich habe ein gutes Unternehmen übernommen, trotzdem ist es an der Zeit, etwas frischen Wind reinzubringen“, sagt sie. Nach vielen Jahren unter den vorherigen Geschäftsführern hätten sich einige Dinge zwangsläufig etwas festgefahren. So seien zuvor nur die Chefs auf Außentermine gegangen, „ich gehe da einen anderen Weg“, erklärt Ute Horn. Sie wolle auch die Mitarbeiter „mit raus nehmen“ und in Kontakt mit den Partnern kommen lassen. Das sei für die Arbeit im BZH sehr wichtig. Schließlich übernehme man „eine Vermittlerrolle zu den Firmen“.

Das BZH hat seinen Hauptverwaltungssitz in Marburg und bietet verschiedene Möglichkeiten zur beruflichen Aus- und Weiterbildung für Dienstleistungsbetriebe und deren Mitarbeiter an. Es arbeitet mit Einzelhandelsunternehmen, Gastronomie- und Servicefirmen zusammen. Aber auch in Industriebetrieben gäbe es viele Mitarbeiter, die in den Aufgabenbereich hineinpassten, etwa in der Verwaltung. Auch die Arbeitsagenturen, Jobcenter und Bildungsträger zählen zu den Partnern, aktuell auch verstärkt der Europäische Sozialfonds (ESF) und das Bundesamt für Migration- und Flüchtlinge (BAMF). Außenstellen befinden sich in Gießen, Friedberg, Kassel, Bad Hersfeld, Eschwege, Bebra, Korbach und Bad Wildungen. Fünf Regionalleiter übernehmen Termine vor Ort.

„Es ist spannend, eigene Ideen umzusetzen“

Dennoch könne man die Bekanntheit des BZH ausbauen. Kaum jemand wisse beispielsweise, dass die Büroräume sich mitten in der Marburger Innenstadt, direkt neben dem Oberstadtaufzug, befinden. Zu Horns Zielen zählt des Weiteren, den E-Learning-Bereich auszubauen, dazu sei bereits ein neues Team gegründet worden. Besonderen Wert legt sie außerdem auf die „Bildung 4.0“. Die Digitalisierung der Arbeitswelt werde auch die Lernmedien und die Prozesse in der beruflichen Aus- und Weiterbildung verändern, sagt sie. Die „Wirtschaft 4.0“ brauche entsprechende Lernangebote, die zukünftig individueller und mobiler werden müssten.

Im berufsbegleitenden Bereich bietet das BZH in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer ab 21. März in Marburg das Seminar „Social Media Manager (IHK)“ an. Gemeinsam mit der studentischen Unternehmensberatung „Phlink“ und der Uni Marburg arbeitet das BZH an der Lernplattform „Ilias“, die im akademischen Lehrbetrieb bereits verwendet wird.

„Es ist spannend, all das zu koordinieren und nun auch mal eigene Ideen umsetzen zu können“, freut sich Ute Horn auf die Herausforderung. Die 51-Jährige ist als Frau eher eine Ausnahme in den Kreisen, in denen sie sich nun bewegen darf. „Es ist wirklich eine Männerwelt“, sagt sie. Dennoch habe sie durch ihr Geschlecht nie Nachteile erfahren. Selbst drei Jahre Pause nach der Geburt ihrer Zwillinge hätten ihr in der Karriere nicht geschadet. „Ich werde ernstgenommen“, berichtet sie. Vielmehr sei es „ein Spagat“, den alten Kollegen nun als Chefin zu begegnen. Auch das funktioniere bisher aber gut– und sei wichtig. Für die Umsetzung ihrer Ideen benötige sie schließlich „motivierte und engagierte Mitarbeiter“.

von Peter Gassner

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