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Vom Produktionshelfer zur Fachkraft

Weiterbildung im Programm „Wegebau“ Vom Produktionshelfer zur Fachkraft

Arthur Jung und Maurice Momberg arbeiten Vollzeit bei der Firma Seidel. Parallel dazu absolvieren sie eine Qualifizierung zum Anlagen- und Maschinenführer. Gefördert wird die Weiterbildung durch die Arbeitsagentur.

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Maurice Momberg (links) und Arthur Jung stehen vor einer 
Maschine in der Produktionshalle der Firma Seidel.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. „Man lernt ja niemals aus“, besagt ein Sprichwort. Ein Credo, das für den Arbeitsmarkt zutreffender ist denn je. „Weiterbildung ist heute ein ganz zentraler Bestandteil“, erklärt Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg.

Einmal eine Ausbildung machen, dann bis zur Rente immer das selbe tun – solche Karrierewege werden immer seltener. Für die Agentur ist die berufliche Weiterbildung daher ein großes Anliegen. „Die Schere geht auseinander: Einerseits gibt es wenig qualifizierte Fachkräfte, anderseits aber einen immer höheren Bedarf danach bei den Unternehmen“, so Breustedt. Daher investiere die Agentur „inzwischen viel Geld in die Fortbildung“.

Vielen sei gar nicht bewusst, dass auch Menschen gefördert werden, die bereits in einer Beschäftigung sind. So zum Beispiel Arthur Jung und Maurice 
Momberg von der Marburger 
Firma Seidel. Über das Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Arbeitnehmer“ (Wegebau) erhalten sie eine Förderung zur beruflichen Qualifizierung neben dem Job. Übernommen werden die Lehrgangskosten sowie Zuschüsse zu den Lohn­kosten für den Betrieb.

Drei Tage Schicht-Arbeit, zwei Tage Lernen

„Ich habe hier 2012 bei Null angefangen“, sagt der 32-jährige Momberg, der vor seiner Anstellung bei Seidel eine Ausbildung als Rettungssanitäter bei der Bundeswehr machte. Bei dem Metallverarbeitungsunternehmen begann er als Produktionshelfer. In der 15 Monate dauernden Qualifizierung zum Anlagen- und Maschinenführer sieht er eine willkommene Chance, innerhalb der Firma 
neue Aufgaben angehen zu 
 können.

Auch Arthur Jung drängte auf diese Möglichkeit. „Er stand bei mir in der Tür und hat gefragt, wie es mit einer Weiterbildung aussieht“, berichtet Holger zum Egen, Personalverantwortlicher bei Seidel.

Auch Jung fing 2013 als Produktionshelfer an, wurde seitdem schon in vielen Abteilungen eingesetzt. Eine Ausbildung konnte er bisher aber nicht nachweisen. „Ich wollte etwas vorzuweisen haben. Das macht das Arbeitsleben für mich sicherer“, erklärt der 24-Jährige. Die Qualifizierung der beiden endet 
im Januar 2018 mit einer externen Prüfung durch die IHK 
Kassel-Marburg.

Probleme damit, in ihrem Alter noch einmal die Schulbank zu drücken, haben die beiden 
nicht. Drei Tage in der Woche arbeiten sie weiter im Drei-Schicht-Betrieb bei Seidel, je 
einen Tag lernen sie Theorie beziehungsweise Praxis im Berufs- und Bildungszentrum (BBZ). Zu der normalen 40-Stunden-
Woche komme aber – je nach Thema des Unterrichts – auch mal die ein oder andere Lern-Stunde zuhause, berichtet Momberg. „Da muss man schon die Motivation haben, sich auch mal außerhalb der Arbeitszeiten hinzusetzen.“

Egen: Weiterbilden statt entlassen

„Wir als Unternehmen finden es toll, das Beschäftigte bei uns das auf sich nehmen“, sagt zum Egen. Weiterbildung sei aus Firmensicht „auch notwendig, weil die Arbeitsplätze sich ebenfalls entwickeln“. Die Tätig­
keiten in einzelnen Berufsfeldern seien heute ganz andere 
als noch vor einigen Jahren.

„Die Anforderungen haben sich in den vergangenen 30, 40 Jahren enorm verändert. Wir haben deshalb aber noch nie jemanden entlassen, sondern die Mitarbeiter weitergebildet“, so zum Egen. Angesichts voller Auftragbücher sei es für den Arbeitgeber zwar „nicht immer so einfach, wenn die Leute zwei Tage in der Woche fehlen“, letztlich lohne es sich aber, später „zwei super gut ausgebildete Mitarbeiter zu haben“. Nur so könne man am Markt wettbewerbsfähig bleiben.

Das sei eine Einstellung, die noch nicht bei allen Unter­nehmen so angekommen sei, berichtet Breustedt. Damit es eine erfolgreiche Weiterbildung geben könne, sei es aber nötig, 
„dass der Betrieb auch mitmacht.“ Im Endeffekt profitierten davon alle Seiten.

Über die Möglichkeiten zur Förderung durch das Programm „Wegebau“ informiert der
Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit.Telefon: 0800/4555520 oder E-Mail an 
marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de

von Peter Gassner

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