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Zwischen Trauer und Glück

25 Jahre "Zweithaar Kujus" Zwischen Trauer und Glück

Kürzlich bekam Beate Kujus die Urkunde zu ihrem 25-jährigen Geschäftsjubiläum überreicht. In ihrem Zweithaargeschäft im Uniklinikum leistet die Friseurmeisterin geradezu therapeutische Arbeit.

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Obermeister Rolph Limbacher dankte Beate Kujus (Mitte) und
ihrer Mitarbeiterin Angela Franzen für deren täglichen Einsatz
für Krebspatienten.

Quelle: Marie Rentergent

Marburg. Es ist ein wenig, als würde man das Uniklinikum verlassen und sich in einem kleinen, modernen Friseursalon wiederfinden, wenn man „Zweithaar Kujus“ betritt. Das hat natürlich seinen Grund, denn Beate Kujus ist Friseurmeisterin und keine Medizinerin - in ihrem Berufsalltag hat sie trotzdem hauptsächlich mit Patienten zu tun.

Sie hilft Krebspatienten, die vor ihrer Chemotherapie und somit vor dem Verlust ihrer Haare stehen, eine Perücke zu finden. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan, denn ihre Kundinnen befinden sich in einer extremen Lebenslage und haben häufig den ersten Schock ihrer Diagnose noch gar nicht richtig überwunden.

Zunächst Friseursalon in der Oberstadt

„Es kann durchaus eine Stunde des guten Zuredens mit vielen Tränen dauern, bis eine Kundin bereit ist, überhaupt die erste Perücke auszuprobieren“, sagt Beate Kujus. Der Haarausfall wird allgemein wohl eher als nebensächliche Begleiterscheinung einer Chemotherapie betrachtet, doch die Friseurmeisterin weiß, mit wie viel Trauer diese Aussicht verbunden ist: „Viele stellen erst wenn sie hier sitzen, fest, wie viel ihnen der Verlust der eigenen Haare tatsächlich ausmacht.“

Angefangen hat Kujus vor 25 Jahren mit einem Friseurgeschäft in der Oberstadt, in dem sie einen großen Kundenstamm betreute. Schon damals kam sie immer wieder mit dem Problem des Haarausfalls in Berührung und entwickelte ein Interesse an dem Thema.

Nachdem sie ihr Perückengeschäft im Uniklinikum in Angriff nahm, gab sie ihr altes Geschäft in der Barfüßerstraße vor neun Jahren schließlich ganz auf, weil „der Spagat zwischen der Patientenbetreuung und dem Bedienen normaler Kunden zu groß war“, wie sie sagt. Der Laden laufe aber unter anderer Leitung bis heute erfolgreich weiter.

Belastende Momente weichen meist dem Glück

Diesen Schritt hat sie nicht bereut: „Die in den vergangenen neun Jahren erworbene breite Zustimmung in großen Teilen der Klinik, aber auch in der Öffentlichkeit und vor allem bei betroffenen und nicht betroffenen Patienten ist für mich und meine Mitarbeiterin Angela Franzen die Motivation, diese nicht immer leichte Arbeit einfühlsam, mit viel Freude und großem Engagement zu leisten“, sagt Kujus.

Die vielen belastenden Augenblicke der Trauer zahlen sich aus: „Wenn die Kundin schließlich lächeln kann und sich traut, mit der Perücke hinauszugehen - das ist jedes Mal ein unendlich glücklicher Moment für mich.“

Rolph Limbacher, Obermeister der Friseurinnung, überreichte Beate Kujus die Jubiläumsurkunde im Namen der Handwerkskammer Kassel und dankte seiner Kollegin für „all die Patienten, die Sie glücklich gemacht oder deren Schicksal Sie zumindest erleichtert haben“.

von Marie Rentergent

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