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Zweite Chance wäre „wie Lottogewinn“

OP-Ausbildungsserie Zweite Chance wäre „wie Lottogewinn“

Zum Abschluss der OP-Ausbildungsserie berichtet Bewerberin Jana Vogel von Hindernissen auf dem Ausbildungsmarkt und beruflichen Hürden für Neueinsteiger.

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Berufsberaterin Lena Huth (links) und Juko-Mitarbeiterin Annika Haas (rechts) unterstützen die Bewerberin Jana Vogel – sie sucht noch eine Ausbildungsstelle.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Der offizielle Ausbildungsbeginn 2014 läuft seit Ende September, dies bedeute jedoch noch kein absolutes Aus für alle potenziellen Bewerber. „Es geht immer noch weiter“, sagt Heike Beber von der Arbeitsagentur.

Die Liste der freien Ausbildungsstellen im heimischen Landkreis ist noch lang. Hoffnung auf einen Ausbildungsplatz hat unter anderem Bewerberin Jana Vogel aus Marburg. Wie viele andere noch unvermittelte Bewerber kämpft die 23-Jährige seit Jahren mit den Folgen einer einzigen schlechten Entscheidung, die ihr den Start ins Berufsleben erschwert.

Traumberuf: Kauffrau für Bürokommunikation

Janas Traumberuf war schon immer eine Tätigkeit in einem Büro, ihr größter Wunsch wäre ein Ausbildungsplatz als Kauffrau für Bürokommunikation. „Eine Stelle im Büro wäre fast wie ein Sechser im Lotto für mich“, weiß die 23-Jährige heute sehr genau.

Vor einigen Jahren sah dies noch anders aus. Mit 17 Jahren ergatterte sie einen Ausbildungsplatz als Bürokauffrau, ließ diese Chance für einen guten Start ins Berufsleben jedoch, wie viele andere Jugendliche auch, mit der Zeit schleifen, gab sich nicht die erforderliche Mühe und brach die Ausbildung schließlich nach einem Jahr ab.

„Ich habe die Arbeit damals nicht ernst genug genommen, das war ein Riesenfehler“, weiß sie heute. Ein Jahr später wurde sie zudem schwanger, hat heute eine dreijährige Tochter. Ihre neuen Lebensumstände brachten sie dazu, ihre Situation zu überdenken und zielgerichtet zu verändern. Mit Erfolg. Sie ging zur Abendschule, holte ihren Realschulabschluss nach und besorgte sich Hilfe bei dem Marburger Jugendkompetenznetzwerk (Juko). Dort hat die 23-Jährige mittlerweile mehrere berufsbegleitende und -vorbereitende Kurse wahrgenommen sowie einige Praktika absolviert.

Sie fand eine zuverlässige Betreuung für ihr Kind und ist nun bereit, sich voll auf ihre berufliche Zukunft zu konzentrieren, erzählt sie und betont: „Geht nicht gibt es heute für mich nicht mehr. Ich hoffe darauf, dass jemand über die Vergangenheit hinwegsehen kann und mir eine zweite Chance gibt.“

Hohe Erwartungen am Arbeitsmarkt machen einen Neubeginn jedoch schwer. Abbrecher haben es auf dem Ausbildungsmarkt nicht leicht, alleinerziehende Mütter erst recht nicht, weiß auch Lena Huth von der Arbeitsagentur.

Jedem Jugendlichen oder Neueinsteiger rät die Berufsberaterin daher zu einem Praktikum. Einerseits können die Absolventen sich auf diese Art beweisen, etwa Engagement und Zuverlässigkeit zeigen, andererseits macht sich ein Arbeitszeugnis nach einem abgeschlossenen Praktikum gut im Lebenslauf. „Es macht einen guten Eindruck, zeigt Überzeugung und schafft Vertrauen“, weiß die Arbeitsvermittlerin.

Bewerberin Jana hat bereits mehrere Praktika absolviert, konnte jahrelang jede Menge praktische Erfahrung sammeln, kennt sich in PC- und Bürotätigkeiten aus. „Mein Herz hängt einfach am Büro“, erzählt die 23-Jährige.

Ein Problem bei der Vermittlung sind wie bei vielen Berufseinsteigern ihre Schulnoten, die teilweise von regulären, betrieblichen Voraussetzungen abweichen. Im Fach Deutsch bestand sie mit einer glatten Eins, in Mathematik schnitt sie mit Fünf ab. „Ihre Erfahrung steht den Noten allerdings entgegen. Sie zeigt eine hohe Eigeninitiative und ist ein Organisationstalent“, betont indes Juko-Mitarbeiterin Annika Haas. Noten sagten bei weitem nicht alles über eine berufliche Qualifizierung aus.

Darüber hinaus seien sich viele Betriebe nicht bewusst, dass es im Ausbildungsbereich verschiedene Fördermöglichkeiten über die Bildungsträger gebe, verdeutlicht die Arbeitsagentur. Diese sowie das Kreisjobcenter bieten kostenlose, ausbildungsbegleitende Hilfen an, die schulische Defizite ausgleichen.

Förderprogramme sollen den Einstieg erleichtern

Um den Einstieg in das Berufsleben für Bewerber und Betriebe zu erleichtern, bieten etwa Förderprogramme wie die „Betriebliche Einstiegsqualifizierung“ eine „Brücke in die Berufsausbildung“. Die Programme sollen Menschen mit Vermittlungshemmnissen oder Benachteiligungen auf den Arbeitsalltag vorbereiten und beinhalten ein bezahltes, betriebliches Langzeitpraktikum von sechs bis maximal zwölf Monaten.

Dadurch sollen den Bewerbern „Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeiten“ vermittelt werden sowie eventuell noch fehlende Ausbildungsbefähigungen nachgeholt werden. Die Unternehmen haben gleichzeitig die Möglichkeit, eventuelle zukünftige Auszubildende und deren Leistungsfähigkeit besser beurteilen und einarbeiten zu können beziehungsweise den Einstieg in die Ausbildung zu testen.

Weitere Informationen sowie Beratung für Bewerber, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, gibt es beim Arbeitgeberservice unter der Nummer 06421/605212. Kontakt zu Bewerberin Jana Vogel unter 06421/999740 oder über die Juko unter office@juko-marburg.de.

von Ina Tannert

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