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„Machen weiter, bis es ein Ergebnis gibt“

Streik am UKGM „Machen weiter, bis es ein Ergebnis gibt“

Genau drei Wochen nach dem jüngsten Warnstreik traten die Beschäftigten des UKGM erneut in den Ausstand, um nun zwei Tage lang vehement mehr Personal einzufordern.

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Am Marburger Standort des UKGM verliehen die Beschäftigten ihren Forderungen am Dienstag lauthals Nachdruck.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Etwa 200 Streikende waren es am Dienstagmorgen, die sich vor dem Haupteingang des Marburger Klinikums versammelt hatten. „Seit letztem Mal hat sich gar nichts getan“, verdeutlicht Stefan Röhrhoff, Verhandlungsführer von Verdi. Das sei auch der Grund, warum die Beschäftigten erneut zum Warnstreik aufgerufen wurden: „Wir wollen zunächst mehr Personal an den beiden Standorten, um die Beschäftigten zu entlasten“, so Röhrhoff. Aber auch bundesweit würden Krankenhäuser bestreikt – für Personalmindeststandards.

Der Arbeitgeber habe bisher kein Angebot vorgelegt. Sollte es zu Gesprächen kommen, „dann verhandeln wir selbstverständlich und unterbrechen den Streik für die Zeit. Aber ich gehe nicht davon aus, dass heute oder morgen etwas passiert.“

Die Geschäftsführung des UKGM hatte im Vorfeld mehrfach darauf hingewiesen, dass man bereits in „konstruktiven Gesprächen“ stecke. Dem wollte Röhrhoff nicht widersprechen, doch gehe es bei den Gesprächen nicht um Personal. „Wir reden über Gesundheitsschutz, Ausfallmanagement – aber bisher hat der Arbeitgeber sich geweigert, über mehr Personal zu sprechen.“

Mit der Streikbeteiligung zeigte sich Röhrhoff „sehr zufrieden“. Die Personaldecke sei sehr dünn, viele Kollegen seien krank – „daher ist die Beteiligung sehr gut. Es sind nur 
6 OP-Tische von 16 oder 18 offen, somit haben wir heute schon einiges erreicht“, so Röhrhoff, „das wird für den Arbeitgeber richtig teuer.“ Diese Zahl wollte die UKGM-Führung am Dienstag auf Anfrage der OP nicht kommentieren.

Röhrhoff bekräftigte: Sollte der Warnstreik, der diesen Mittwoch fortgesetzt wird, nicht zu einem Gesprächsangebot der Arbeitgeber führen, „dann werden wir wieder streiken müssen – wir machen so lange weiter, bis es ein Ergebnis gibt“.

Er wünsche sich, dass die Kollegen auch am zweiten Tag des Warnstreiks „dem Druck durch die Geschäftsführung, der aufgebaut wurde, standhalten und rausgehen und streiken“.

Auszubildendenvertretung: Brauchen mehr Personal

Monika Biebusch vom „Aktionsbündnis gemeinsam für unser Klinikum“ sagte: „Der Personalabbau muss endlich aufhören – auf jeder Station müssen so viele Menschen sein, dass ihr gut arbeiten könnt. Deshalb kämpfen wir mit euch für einen Tarifvertrag Gesundheitsschutz und Entlastung.“ UKGM-Mitarbeiter Frank Eggers hat vergangenes Jahr die Perspektive gewechselt – denn er war plötzlich selbst Patient. Da habe er gemerkt, dass es mit Dia‑
gnose und Behandlung nicht getan sei. „Ich habe festgestellt: Ich brauche Menschen, die mich in der Krankheit begleiten und die mich unterstützen.“ Daher sei es „nicht mehr als richtig, dass wir hier für vernünftige Rahmenbedingungen im Krankenhaus streiken“. Das Geld sei mittlerweile in den Vordergrund getreten – dort gehöre aber der Mensch hin: der Beschäftigte ebenso wie der Patient.

Auch für Jula Wolf, Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung, ist klar: „Wenn wir qualifiziertes Personal wollen, das uns über Jahre erhalten bleibt und nicht Bandscheibenvorfälle und Burn-out bekommt, dann kann es so nicht weitergehen. Wir brauchen mehr Personal an diesem Standort.“

Unterstützung bekamen die Streikenden von den Landtagsabgeordneten Handan Özgüven (SPD) und Jan Schalauske (Linke). Özgüven kritisierte, dass die Landesregierung wegschaue, wenn es um Probleme am UKGM geht. „Die Klinik ist zu einem Spielplatz für Aktionäre geworden“, monierte sie.

UKGM: Streik hat teilweise zu Ausfällen geführt

Schalauske betonte, dass die Forderung nach mehr Personal „nicht unrealistisch ist – es müsste vielmehr etwas Selbstverständliches sein“. Das Beispiel der Berliner Charité, an der durch Streiks ein Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz durchgesetzt wurde, „zeigt, dass sich das Kämpfen lohnt“.

Die UKGM-Leitung gab in einer Stellungnahme zu, dass der Streik durchaus Wirkung gezeigt habe: Er habe „zu Leistungseinschränkungen und teilweise auch Ausfällen an beiden Standorten geführt. Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung, Dr. Gunther K. Weiß, sei die wichtigste Botschaft jedoch, dass die Mitarbeiter „die Versorgung unserer Patienten immer gesichert und wie auch die Vertreter von Verdi mit viel Augenmaß und Umsicht gehandelt haben“.

Geschäftsführung und Gewerkschaft haben – auch für den Streiktag am Mittwoch – eine Notdienstvereinbarung getroffen, die die medizinische und pflegerische Versorgung von Notfällen und stationären und ambulanten Patienten gewährleistet. Die Verzögerungen und Ausfälle, die nicht zu vermeiden gewesen waren, bedauere das Klinikum, wie die beiden Ärztlichen Geschäftsführer Professor Harald Renz für Marburg und Professor Werner Seeger für Gießen mitteilten.

Weiß appellierte erneut an alle Beschäftigten, dem Streikaufruf für Mittwoch nicht zu folgen. Vielmehr rufe man die Gewerkschaft dazu auf, sich gemeinsam für bundesweite Personalmindeststandards einzusetzen. „Wir unterstützen die Initiative der Bundesregierung für einen allgemeinen Standard, lehnen aber eine 100 Millionen schwere Sonderregelung nur für unser UKGM eindeutig ab“, so Weiß.

  • Der Warnstreik wird diesen Mittwoch, 11. Oktober, fortgesetzt. Das UKGM versichert, dass Patienten ebenso versorgt würden, wie auch Notfälle behandelt werden, es könne bei planbaren Behandlungen zu Verzögerungen kommen. Bestreikt werden erneut beide Standorte, in Gießen gibt es eine gemeinsame Demonstration der Beschäftigten. Die Kundgebung findet ab 11 Uhr auf dem Kirchenplatz statt.

von Andreas Schmidt

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