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Zwei Genüsse miteinander verknüpfen

Weinwanderung Zwei Genüsse miteinander verknüpfen

Wenn große Lebensmittel-Discounter in das Geschäft mit Delikatessen einsteigen, müssen sich die Feinkosthändler etwas einfallen lassen. Zum Beispiel die Kunden zum Wandern mitnehmen.

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Die beiden Weinwanderer Heinrich Rühl (links) und Alexander Markus stoßen an.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Als die knapp 30 Wanderer am Ziel in Weidenhausen ankommen, machen sie einen zufriedenen, leicht geschafften Eindruck. „Wir sind gut vier Stunden gewandert, es ging mal ein bisschen bergauf, dann wieder runter, so wie das in Marburg eben so ist“, erzählt Christian Rhode von Velociped-Radreisen, der die Gruppe an diesem Tag begleitet hat.

Die Wanderung führte die Gruppe vom Südviertel über Stationen an Ortenberg und Galgenberg, wo dann auch die jeweiligen Weinproben und Verkostungen stattfanden. Für die Verpflegung und den Wein sorgte Pietro D‘Alto, Inhaber der Weinbar Vinopolio.

Konsortium aus Sizilien zu Gast in Marburg

D‘Alto hatte Besuch mitgebracht. Sieben Vertreter des Konsortiums Gal Elimos aus Sizilien lernten Marburg bei ihrem ersten Besuch gleich von einer schönen Seite kennen. Der Verein hilft den Winzern und Landwirten aus der Provinz Trapani bei der Vermarktung ihrer Produkte, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit D‘Alto. Nadia Passalacqua hat die Wanderung genossen, auch wenn es nach der Anreise anstrengend war: „Die schöne Natur und das leckere Essen zwischendurch haben viel zurückgegeben.“

Selbst alteingesessene Marburger konnten auf der Route noch Neues entdecken. „Ich kenne Marburg seit 50 Jahren, aber ich denke rund 80 Prozent der Strecke habe ich so bewusst noch nicht gekannt“, berichtet Heinrich Rühl aus Wohratal. Auch André Haschker kennt die Stadt eine Weile: „Aber so kann man Marburg ganz anders kennen lernen. Und auch das Wandern bekommt mit Weinglas in der Hand einen anderen Reiz.“

Als Vorspeise gab es in der Feuerwehrscheune eine vietnamesische Pho-Suppe, gekocht von Aylette Villemain. „Pietro hat den passenden Weißwein zur Suppe gefunden, die man in Vietnam eigentlich zum Frühstück isst“, erklärt Villemain die ungewöhnliche Kooperation und Geschmackskombination.

Authentisch italienisch

Den Hauptgang kocht D‘Alto im Anschluss live aus Zutaten von Gal Elimos: Pasta aus einer alten Getreidesorte, typisch für die Region Trapani mit Pistazienpesto und Garnelen vom Grill. Beim Essen senkt sich der Geräuschpegel ein wenig, es scheint den ansonsten so kommunikativen Wanderern zu schmecken.

Der nette Austausch mache für Alexander Markus aus Frankenberg den Reiz der Wanderung aus – er war schon öfter dabei: „Man kommt einfach ganz anders mit den Leuten ins Gespräch. Und es ist einfach authentisch italienisch.“ Sein Grinsen macht deutlich, dass er damit auch auf die Organisation im Hintergrund anspielt. Die wirkt zwar etwas hektisch, gehört aber anscheinend zum Programm dazu. D‘Altos Angestellter Markus Johnen zieht das treffende Fazit: „Das ist kein Chaos, eher italienisch strukturiert.“

Die Weinwanderung ist ein Event, das ankommt. Es führt die Teilnehmer im Vordergrund und Unternehmer im Hintergrund zusammen. So kann das Geschäft mit dem Genuss funktionieren.

von Philipp Lauer

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