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Zu Gast bei freundlichen Profis

Projekt zu Sozialekompetenz für Azubis Zu Gast bei freundlichen Profis

Mit einem neuen Angebot will die Juko Marburg für Belebung in der Gastronomie-Ausbildung sorgen – und so Jugendliche für die Arbeit in der anspruchsvollen Branche begeistern.

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Zahlreiche Akteure sind an dem neuen Projekt der Juko für die Auszubildenden im Gastronomie gewerbe beteiligt, das am 31. August startet.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Kaum Bewerber und eine hohe Abbrecherquote: Das scheinen die Kennzeichen für eine Ausbildung in einem Gastronomieberuf zu sein. Viele Jugendliche würden von den langen und teils auch unregelmäßigen Arbeitszeiten abgeschreckt, weiß auch Dehoga-Geschäftsführer Julius Wagner.

Daher möchte die Juko nun mit einem Zusatzprogramm den Auszubildenden den Beruf schmackhaft machen. „Der Name ist zugegebenermaßen noch etwas kompliziert, ein kurzer, griffiger Name, der die Jugendlichen anspricht, muss noch gefunden werden“, sagt Maria Flohrschütz, Geschäftsführerin der Juko.

In der Tat, „Entwicklung und Erprobung von Zusatzqualifikationen in den gastgewerblichen Ausbildungsberufen“ ist sperrig. Dahinter verbergen sich jedoch sechs Seminare für Gastro-Azubis, die diesen Spaß am Job vermitteln sollen: Vom Konfliktmanagement bis zu Social Media.

Gemeinsam mit der Dehoga Hessen und der IHK Kassel-Marburg haben die Juko-Verantwortlichen das Programm entwickelt, gefördert wird es vom Hessischen Wirtschaftsministerium und der Stadt Marburg. „Wir wollen die Ausbildungsqualität in der Gastronomie ebenso verbessern wie die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Betriebe“, erläutert Flohrschütz.

Module sind kostenlos

Fünf Module werden dabei geschult. So setzt beispielsweise das „Konfliktmanagement“ darauf, unter anderem Kritik anzunehmen und zu verarbeiten oder auch mit Gesprächsführungstechniken zu einer gelingenden Kommunikation beizutragen – eben alles, was im Umgang mit Gästen vonnöten ist. Dabei werden beispielsweise auch mit Rollenspielen knifflige Konfliktsituationen erprobt, in denen die Azubis lernen können, wie sie etwa mit Beschwerden von Gästen umgehen können.

Das Modul „Fit für die Ausbildung“ soll neben Lernfreude und Motivation auch die Beseitigung individueller Ausbildungshemmnisse angehen. Mit „Etikette und Regeln“ steht neben berufsspezifischen Umgangsregeln unter anderem auch die gastorientierte Vermittlung regionaler Gastfreundschaft auf dem Lehrplan.

„Erfolgreich im Team“ vermittelt, wie wichtig die Teamarbeit ist, und das Modul „Social Media“ zeigt den verantwortungsvollen Umgang mit Facebook und Co. auf. „Die Seminare sind kostenlos und werden an verschiedenen Zeitpunkten im Jahr angeboten“, erläutert Flohrschütz. So könnten die Betriebe diese ganz nach Bedarf individuell buchen.

Für Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) ist klar: „Das urbane Leben in Marburg funktioniert“, das sei aber nicht nur Gebäuden, Ambiente, Essen und Trinken geschuldet. „Das alles funktioniert nur, wenn wir Servicepersonal haben, das die Kundschaft so bedient, dass man eine hohe Qualifikation und Freundlichkeit erkennt und sich zuhause fühlt.“

Wagner: Gastro-Gewerbe hat schlechtes Image

Das sei einer der schwierigsten Jobs, so Vaupel. Es könnten zahlreiche Konflikte auf das Personal zukommen, „denn man hat ja mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun – und darauf müssen wir die Auszubildenden vorbereiten“, ist sich das Stadtoberhaupt sicher. Dafür biete das Projekt eine hervorragende Chance. Dies sei auch vor den steigenden Übernachtungszahlen wichtig – diese seien in den vergangenen zehn Jahren von 150.000 auf mehr als 300.000 gestiegen. „Dieser Erfolg wird nur weitergehen, wenn wir qualifizierte Arbeitskräfte haben“, sagte Vaupel.

Julius Wagner von der Dehoga betonte, dass das Projekt auf den Fachkräftemangel und vor allem auf die Fachkräftesicherung im Gaststättengewerbe abziele. „Das Berufsbild ist attraktiv, aber wir leiden massiv an einem schwierigen Image“, betonte er. Hinzu käme eine „sich in rasanter Zeit vollkommen geänderte Generation“, die man für die Gastro-Berufe erschließen müsse.

Den Anforderungen an die jüngere Generation, die das Gastgewerbe benötige, nähere sich das Projekt „sehr strukturiert“, es sei auch sehr gut, dass es in die Ausbildung integriert werden könne. Denn: „Die Betriebe ächzen wegen mangelnder Qualifikation – aber nicht wegen der schulischen Vermittlung, sondern wegen mangelnder sozialen Kompetenzen, die in unserer Branche extrem wichtig sind.“ Daher eine alle Akteure die Erkenntnis, dass man etwas tun müsse – „ohne dabei das duale Ausbildungssystem infrage zu stellen. Das steht für uns fest in Stein gemeißelt“, betonte Wagner.

von Andreas Schmidt

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