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Zoo-Dabsch schließt nach 34 Jahren

Firmengründer schwer erkrankt Zoo-Dabsch schließt nach 34 Jahren

Zum Ende des Monats wird eine Marburger Institution Vergangenheit sein: Zoo-Dabsch, Marburgs letztes Zoofachgeschäft, schließt zum 30. September.

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Irene Dabsch mit einem Zwergkaninchen: Sie hofft, bis 26. September alle Tiere verkauft zu haben – denn dann schließt das Zoohaus.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Irene Dabsch steht hinter dem Tresen des Ladengeschäfts von Zoo-Dabsch in der Wilhelmstraße. Ein Kunde möchte eine Vogel-Leiter bezahlen. „Ich habe gehört, Sie sind Papa geworden“, sagt die 62-Jährige. Der Mann strahlt und beginnt von seinen „Vaterfreuden“ zu erzählen – denn er hat Wellensittich-Nachwuchs bekommen.

Dieser persönliche Service, das Kennen der Kunden – das macht zu einem großen Teil das Zoofachgeschäft Dabsch aus. Doch damit ist nun Schluss: Nach 34 Jahren schließt das Fachgeschäft – letzter Verkaufstag ist am 26. September. 1981 wurde Zoo-Dabsch gegründet. „Das ist schon eine lange Zeit – damals hat mein Mann sein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Irene Dabsch. Otto Williams Dabsch – das Williams stammt von einem amerikanischen Paten – hatte schon immer ein Faible für die Zucht von Fischen und Vögeln.

Angefangen hat das Ehepaar am Richtsberg mit einem nur etwa 60 Quadratmeter großen Ladengeschäft. „Wir haben ganz schnell gemerkt, dass das viel zu klein ist, um auch ein ansprechendes Sortiment anzubieten“, erinnert sich Irene Dabsch. Schon 1983 erfolgte der Umzug an den jetzigen Standort in die Wilhelmstraße. „Und seitdem sind wir hier – ein halbes Leben lang.“

„Große Märkte machen kleine immer schmaler“

Anfangs hatte das Ehepaar rund 500 Vögel, meist Sittiche, aus eigener Zucht hinter der jetzigen Zoohandlung – dort, wo sich jetzt Parkplätze befinden, standen damals Volieren. „Damals gab es vier oder fünf Zoohändler in Marburg – und alle haben davon gelebt. Aber nach und nach machen die großen Märkte die kleinen immer schmaler, das ist einfach so“, sagt Irene Dabsch.

Viel ist passiert in den vergangenen Jahrzehnten. „Es gab beispielsweise Katzenausstellungen im Laden“, erzählt Irene Dabsch. „Da wohnten die kleinen Baby-Miezen stundenweise mit ihren Mamas in den Schaufenstern.“ Auch Meerschweinchen und Zwergkaninchen habe man damals in den Schaufenstern halten dürfen, „denn die Fenster sind sehr groß, die Tiere hatten genug Platz zum Laufen und Springen“.

Auch Mäuse-Ausstellungen habe man organisiert, mit 15 verschiedenen Arten „bis hin zur Stachelmaus“. Afrikanische Barsche seien immer ein Thema für die Kunden gewesen „und so vieles mehr – das kann man gar nicht alles aufzählen“.

Katzenhotel wird ausgebaut

Im Umkreis ist Dabsch die letzte verbleibende „echte“ Zoohandlung. Und Irene Dabsch betont, dass es nicht der wirtschaftliche Druck sei, wegen dem man schließe. Denn vor fünf Jahren ist Otto Dabsch schwer erkrankt, musste operiert werden, „danach war nichts mehr wie vorher“.

Irene Dabsch betreibt in Argenstein noch ein Katzenhotel. „Laden und Katzenhotel gleichzeitig zu führen ist zu aufwändig – man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen“, sagt die 62-Jährige. Daher werde sie den Fokus nun auf das Katzenhotel legen. „Dort werden wir umbauen und dann auch Kleintiere versorgen – das haben wir vorher hier im Laden gemacht“, sagt sie.

Den Laden aufzugeben – das falle ihr schon sehr schwer. „Und das, obwohl ich als gelernte Hotelfachfrau mit dem Thema Zoohandlung zunächst nichts zu tun hatte. Aber dann hat mich das Virus infiziert“, sagt sie lachend. Den Tieren die Lebensräume zu schaffen, die sie benötigten – „das war absolut spannend und faszinierend“.

von Andreas Schmidt

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