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„Zimmermann Formenbau ist gerettet“

Prange-Gruppe übernimmt Erdhäuser Unternehmen „Zimmermann Formenbau ist gerettet“

Das Traditionsunter­nehmen Zimmermann Formenbau hat ein unruhiges Jahr mit langanhaltender Unsicherheit hinter sich. Nun gibt es Hoffnung: Neue Inhaber wollen den Werkzeugbauer in die Zukunft führen.

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Matthias Schneider (von links) wird als neuer Geschäftsführer den technischen Bereich verantworten. Er ist ebenso wie Ingenieur Dr. Michael Neumann am Unternehmen mit 15 Prozent beteiligt. Dietmar Rohleder von der Prange-Gruppe, die Mehrheitsgesellschafter ist, wird kaufmännischer Geschäftsführer der Zimmermann Formen- und Werkzeugbau GmbH.

Quelle: Anna Ntemiris

Erdhausen. Matthias Schneider ist ein „echter Zimmermann“. 1979 begann er seine Lehre als Stahlformbauer in dem Erdhäuser Unternehmen, machte dann Karriere, zuletzt war er Abteilungsleiter und führte dann das Werk in Portugal.

Vor einem Jahr musste Schneider zurück nach Erdhausen: Das Unternehmen meldete Insolvenz an. Zuvor hatte es mehrere Inhaber- und Geschäftsführerwechsel gegeben. Die Strategie, große Spritzgießwerkzeuge im europäischen und außereuropäischen Markt verkaufen zu wollen und Standorte in Russland oder in den USA zu eröffnen, ging nicht auf, sagt Schneider rückblickend.

Der Insolvenzverwalter brachte Schneider mit Ingenieur Dr. Michael Neumann zusammen, der eine Zukunft des Unternehmens sah. „Ich kannte Zimmermann Formenbau aus meiner Studienzeit. Hier wurde die erste Werkzeugmaschine für die Telefonzelle gebaut. Das Unternehmen war Weltmarktführer“, erklärt Neumann. Während Schneider, Neumann und weitere potenzielle Investoren nach Lösungen suchten, mussten immer mehr Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, einige gingen aufgrund der langanhaltenden Unsicherheit freiwillig.

Neue Inhaber wollen 
kein Auslandsgeschäft

Inzwischen arbeiten nur noch 73 Mitarbeiter in der Firma im Gladenbacher Stadtteil Erdhausen. Vor einem Jahr waren es noch 140, zu Spitzenzeiten dreimal so viele. „Es werden wieder mehr Menschen hier arbeiten“, sagt Neumann. Er ist einer der vier Investoren, die das Unternehmen gekauft haben und ab 1. Januar unter dem Namen Zimmermann Formen- und Werkzeugbau GmbH führen wollen.

Hauptgesellschafter ist die Prange-Gruppe aus Plettenberg mit einem Anteil von 55 Prozent. „Zimmermann ist gerettet“, sagt Schneider.
Jeweils 15 Prozent haben Neumann, Schneider und Ingenieur Axel Matthei übernommen. Schneider und Dietmar Rohleder, Vorstand der MVB Beteiligungen AG, sind die neuen Geschäftsführer. Die MBV AG, die zur Prange-Gruppe gehört, sei in der Branche bereits durch ­Beteiligungen im deutschen Mittelstand bekannt.

Die Produkte, die in Erdhausen erzeugt werden, haben Zukunft, sagen die Investoren. „Trotzdem war es auch eine Bauchentscheidung. Wir glauben daran“, sagt Neumann. Ein siebenstelliger Betrag sei investiert worden, über den Kaufpreis wollen die neuen Inhaber aber keine genaueren Angaben machen. „Wir haben echtes Geld für den Kauf in die Hand genommen. Aber als ich gefragt wurde, ob ich mich beteilige, habe ich nicht darüber nachdenken müssen. Ich wollte das sofort“, erklärt Schneider.

Die neuen Inhaber sehen Zimmermann nicht mehr als Weltmarktführer, sondern wollen es als mittelständisches Unternehmen führen. Die Zukunft sei nicht in ausländischen Märkten, sondern in der Region. Schließlich hätten die Kunden aus der Region Zimmermann die Treue gehalten, auch während der Insolvenz. „Das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Auftragslage ist auch jetzt gut“, sagt Rohleder. 80 Prozent der Kunden sind für die Automobilbranche tätig.

So bauen die Erdhäuser zum Beispiel Formen und Werkzeuge für Stoßfänger, die Zulieferer von großen Automarken wie BMW in Auftrag geben. Bisher setzte das Unternehmen einen Schwerpunkt auf große Maschinen, die 16 bis 200 Tonnen wogen. Künftig sollen auch Werkzeuge, die 10 bis 15 Tonnen wiegen, hergestellt werden, erläutert Neumann. Zudem wollen die Erdhäuser verstärkt den Service für andere Unternehmen, so zum Beispiel die Wartung von gebrauchten Werkzeugen, vorantreiben. Derzeit laufe diese Lohnarbeit gut, heißt es.

von Anna Ntemiris

Das Firmenlogo bleibt, der Name wird geringfügig in Zimmermann Formen- und Werkzeugbau GmbH geändert. Foto: Anna Ntemiris
 
 
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