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Ziel ist die „Mobilität für jedermann“

Meisterbetrieb "Rad am Grün" Ziel ist die „Mobilität für jedermann“

Christian Wongel von „Rad am Grün“ kann auch „Fahrräder von der Stange“. Doch vor allem mit dem Individualbau möchte er Menschen wieder Mobilität ermöglichen.

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Christian Wongel (vorne) und sein Schwager Mathias Gimpel demonstrieren ein Lasten-Tandem mit Motorunterstützung. Es kann mit zwei Tretgarnituren ebenso betrieben werden, wie mit einem Liegesitz vorne – oder auch einem Lastensack.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Eigentlich hat Christian Wongel Architektur studiert. Doch neben dem Studium arbeitete er dreieinhalb Jahre lang im „Radwerk“, „ich bin also in die Fahrradbranche reingeschlüpft und habe meine Leidenschaft für das Metier entdeckt“, sagt er. Dass er diesen Laden einmal selbst übernehmen würde, das hätte er nicht gedacht. Doch vor wenigen Wochen hat Wongel „Rad am Grün“ eröffnet.

Rahmen werden für Kunden „maßgeschneidert“

Davor lag jedoch viel Arbeit. Denn die Leidenschaft für Fahrräder war entfacht: Wongel arbeitete in anderen Geschäften, sammelte Erfahrungen und ging dann nach Frankfurt, um Zweiradmechanikermeister in der Fachrichtung Fahrradtechnik zu werden. „Zur Ausbildung gehörte auch der Rahmenbau. Als Meisterstück habe ich aus einer Kiste mit Rohren zunächst die Geometrie des Rahmens erstellt und ihn dann von Grund auf gelötet“, sagt Wongel.

Und genau dies wurde eine weitere, spezielle Leidenschaft des Meisters: Der individuelle Fahrradbau. In seinem damaligen Job „habe ich damals für Menschen, die nicht mehr mobil waren, nach Feierabend Lösungen gesucht und auch gefunden“. Mit viel Empathie habe er sich in die Lage der Menschen hineinversetzt, um deren Probleme zu verstehen und dann geeignete Vorschläge zu machen.

Dann stand „sein“ ehemaliger Laden leer, denn das „Radwerk“ war umgezogen. Wongel ließ den Laden umbauen, inklusive Dämmung und neuer Heizung - rund 100.000 Euro investierte er, „für meinen Lebenstraum“, wie er sagt.

Spezialisiert hat sich Wongel, der den Laden mit weiteren drei Mitarbeitern und einem Auszubildenden betreibt, unter anderem auf Maßrahmenbau. „Dabei geht es nicht darum, dass sich der Kunde eine Farbe und einen Sattel aussucht. Sondern darum, dass er einen Nutzen bekommt, den er von einem Fahrrad von der Stange nicht bekommen könnte.“

Dazu hat Christian Wongel einen „Fahrrad-Konfigurator“, auf den sich der Kunde setzt - dann wird der Rahmen ganz individuell an dessen Bedürfnisse angepasst, „von der Geometrie über die Länge des Rads bis hin zu Sattelhöhe, Kniewinkel und Knielot.“ Dabei stehen die Bedürfnisse im Vordergrund: Soll das Rad auf Komfort oder Geschwindigkeit ausgelegt sein, „durch die Anpassung werden Fehlhaltungen vermieden, die auf lange Sicht zu Schäden führen können“, weiß der Fahrrad-Meister.

Gemeinsam Zeit auf dem Fahrrad verbringen

Doch die Leistungen von Wongel und seinem Team gehen darüber hinaus: Er will auch Menschen die Mobilität wieder ermöglichen, die nicht mehr Fahrrad fahren können. „Dreiräder, Handbikes oder Liegeräder schaffen dazu die Möglichkeiten“, erklärt er. Auch Menschen, die etwa nur noch einen Arm haben, könne Wongel Lösungen anbieten, „indem man Schaltung und Bremse auf eine Seite baut“. Das sei eine Arbeit, die „sehr erfüllend ist“.

„Durch diese Individualisierung bekommen Kunden etwas, von dem sie dachten, dass es nicht mehr möglich sei“, sagt Christian Wongel. Und selbst, wenn beispielsweise ein Partner behindert sei, „kann man mit einem Tandem mit Motor und vorderem Liegesitz dafür sorgen, dass man wieder gemeinsam beim Radfahren Zeit verbringen kann. Das bringt auch wieder viel Lebensqualität zurück“, ist sich Christian Wongel sicher.

von Andreas Schmidt

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