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Ziel: gleicher Lohn für gleiche Arbeit

„Equal Pay Day“ am 20. März Ziel: gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen im Schnitt rund 22 Prozent weniger als Männer – bei gleicher Arbeit. Dafür soll der „Equal Pay Day“ am 20. März sensibilisieren.

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Christine Amend-Wegmann vom Gleichberechtigungsreferat (von links), Stadtmarketingkoordinator Jan-Bernd Röllmann, Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Fünfter von links) und Christa Winter, Leiterin des Gleichberechtigungsreferats (Dritte von rechts) stellten mit Geschäftsleuten und Studierenden das Programm zum „Equal Pay Day“ vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen – das sollte heute eigentlich selbstverständlich sein. Doch die Realität sieht anders aus: Frauen verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer. Um auf diesen Missstand hinzuweisen, gibt es den „Equal Pay Day“, der am 20. März stattfindet.

Der Termin steht für 79 Tage, die Frauen im Jahr mehr als Männer arbeiten müssen, um rein rechnerisch auf das durchschnittliche Gehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. ­Angenommen, Männer und Frauen bekämen den gleichen Stundenlohn: Dann wäre der „Equal Pay Day“ der Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.

Rabattaktion für Frauen

Für Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) steht fest: „Es ist eine nicht nachvollziehbare und nicht gerechte Differenz zwischen dem Einkommen von Männern und Frauen – auch in unserer Gesellschaft mit dem Selbstanspruch, gerecht zu sein. Darüber wollen wir am 20. März auch hier in Marburg aufklären.“

Dass Frauen in exakt dem gleichen Beruf bei exakt der gleichen Ausbildung weniger verdienten zeige, „dass wir in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Arbeit nach wie vor eine Differenzierung und nach wie vor eine Diskriminierung haben“.

Aus diesem Grund beteiligt sich die Stadt mit einer besonderen Idee an dem Aktionstag: In Marburg findet am Equal Pay Day eine Rabattaktion statt. Frauen erhalten in einigen Geschäften und bei einigen öffentlichen Dienstleistern auf ausgewählte Produkte einen Preisnachlass.

„Mehr, als nur eine Fahne aus dem Rathaus hängen“

Das Ziel sei, an diesem Tag Frauen symbolisch günstiger einkaufen zu lassen. Dabei solle nicht der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund stehen – vielmehr solle der Rabatt ein starkes Symbol für die Ungleichbehandlung sein, wie Kahle sagt.

Christa Winter, Leiterin des Gleichberechtigungsreferats der Stadt, verdeutlichte, dass man schon seit Jahren am „Equal Pay Day“ informiere. „Aber in diesem Jahr hat die Aktion eine andere Qualität, das ist was anderes, als eine Fahne aus dem Rathaus zu hängen“, ist sie von der Symbolkraft überzeugt. 20 Unternehmen habe man für den Aktionstag gewinnen können, die alle am 20. März einen individuellen Rabatt für Frauen gewähren werden.

„Ein wichtiger Grund für die Lohnungleichheit ist, dass Frauen in bestimmten Berufen, Branchen sowie in Führungspositionen fehlen. Auch unterbrechen Frauen ihre Erwerbstätigkeit häufiger als Männer, um sich um die Familie zu kümmern“, erläutert Christa Winter einige der Gründe für die ungleiche Bezahlung. Auch gebe es traditionell eine schlechtere Bezahlung von sozialen Berufen, die überwiegend von Frauen ausgeübt würden.

Doch selbst in diesen Berufen ist die Bezahlung zwischen Männern und Frauen unterschiedlich, wie Christine Amend-Wegmann vom Gleichstellungsreferat verdeutlicht: Demnach verdient eine Erzieherin im Jahr rund 2000 Euro weniger, als ihr männliches Pendant. Und eine Krankenpflegerin verdient im Jahresdurchschnitt 30 788 Euro – ein Pfleger indes 33 324 Euro.

Amend-Wegmann: Zustand nicht hinnehmbar

Es sei also wichtig, über die Ungleichheit zu informieren. „Bei der Ansprache der Gewerbetreibenden waren die Diskussionen, die wir hatten, sehr intensiv“, sagt sie. „Es ist schon ein Erfolg, dass wir dieses Thema zu den Leuten hinbringen, die es betrifft“, ist sie sich sicher.

Aus ihrer Sicht sei es sehr ungerecht, wie Frauen in Deutschland bezahlt würden – und man werde hier von Europa abgehängt, denn EU-weit betrage der Durchschnitt 16 Prozent. „Wir liegen deutlich schlechter. Und das kann in einem Land, das sich mit wirtschaftlichem Fortschritt und mit demokratischen Werten rühmt, auf Dauer nicht angehen und auch nicht hingenommen werden“, sagt Christine Amend-Wegmann. Auch auf politischer Ebene müsse es neue Denkprozesse und Veränderungen geben.

So arbeiteten in Deutschland 69,1 Prozent der Mütter in Teilzeit – aber nur 5,5 Prozent der Väter. Ähnlich sehe es bei der Elternzeit aus: Zwar nähmen einige Männer „Ein bis zwei Papamonate, was ein kleiner, wichtiger Schritt ist. Aber im Vergleich zu Müttern ist das natürlich nicht besonders viel.“

  • Einen aktuellen Filmbeitrag von Marburger Studierenden zum Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen gibt es unter www.youtube.com, die teilnehmenden Geschäfte und mehr zur ­Aktion am 20. März in Marburg unter www.marburg.de.

von Andreas Schmidt

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