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Ziel: Spitzenregion rund um die Bildung

DGB Mittelhessen legt strukturpolitisches Papier vor Ziel: Spitzenregion rund um die Bildung

Mit einem strukturpolitischen Papier will der DGB die Debatte um die Wirtschaftspolitik wieder anstoßen – und auch seine Forderungen zum Thema „Gute Arbeit – gutes Leben“ verdeutlichen.

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„Industrie 4.0“ war ein Stichwort auf der Industriemesse in Hannover des Jahres 2014. Der DGB Mittelhessen will dafür sorgen, dass die Region auch den Herausforderungen industrieller Umwälzungen gewachsen ist.

Quelle: Christoph Schmidt

Marburg. „Wir müssen dafür sorgen, dass Mittelhessen den Anschluss behält und in manchen Bereichen seine Position auch ausbaut – dabei dürfen wir aber den Hintergrund guter Arbeitsbedingungen nicht ausblenden“, sagt Matthias Körner, DGB-Regionsgeschäftsführer Mittelhessen.

Daher habe man ein Papier erarbeitet, in dem man zunächst das DGB-Verständnis der Strukturpolitik erörtert. Gewerkschaften und Beschäftigte müssten demnach aus DGB-Sicht stärker in die strukturpolitische Entscheidungsbildung einbezogen werden. Die Region müsse zudem ihre Chance beim Ausbau der erneuerbaren Energien nutzen und eine umweltschonende und bedarfsgerechte Verkehrsinfrastruktur erstellen. Gleichzeitig benötige man dazu auch Kraft und Mittel zur Umsetzung von Großprojekten – wie etwa der Überbauung der Stadtautobahn in Marburg.

Gleichzeitig dürfe dabei die „gute Arbeit“ nicht aus den Augen verloren werden – diese stehe „im Zentrum der regionalen Strukturpolitik“. Dazu gehörten unbefristete Beschäftigung und die Einhaltung von Tarifverträgen ebenso, wie die Reduzierung von Leiharbeit, Minijobs und Werkverträgen. Vor diesem Hintergrund sei die Novellierung des Tariftreue- und Vergabegesetzes „zwingend notwendig“.

Regionale Bildungspolitik muss angestrebt werden

„Dann haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob es einen von dieser Region zu beanspruchenden Spitzenplatz gibt“, erläutert Körner. Die habe man gefunden: Mittelhessen habe mit seinen zahlreichen Schul- und Hochschulstandorten eine ausgezeichnete Ausgangsposition, um sich auf den Weg zur europäischen Spitzenregion in Sachen Aus- und Weiterbildung sowie Qualifizierung zu machen – man könne so „in den nächsten zehn Jahren Antworten auf bestimmte Technologieherausforderungen, wie zum Beispiel Industrie 4.0“, geben.

Die Rolle der Gewerkschaften sei dabei, die Perspektive der Beschäftigten zu stärken und Einfluss auf Gestaltung und Entwicklung neuer Konzepte zu nehmen. Es müsse eine „regionale Bildungspolitik angestrebt werden, die alle Menschen in allen Lebensphasen Wege zur Aus- und Weiterbildung eröffnet“. Denn wer Fachkräfte benötige, müsse auch Möglichkeiten zur – mitunter auch späten – Umorientierung eröffnen. Notwendig sei eine Strategie, die innovative Bildungsgänge biete, die Übergänge zwischen schulischem, hochschulischem und beruflichem Lernen schaffe und das Wissen auf allen Ebenen aktuell halte.

Schnittstelle zwischen Industrie und Hochschule

„Die Schnittmenge zwischen akademischer und nicht akademischer Arbeit werden immer größer“, betont Körner. „Daher wird das Einbauen von akademischen Anteilen in berufliche Weiterbildung in den kommenden Jahren eine alltägliche Normalität sein müssen – denn die Arbeitswelt wird immer komplexer“, ist er sich
sicher.

Denn auf Industrie und Gewerbe kämen umwälzende Neuerungen zu – unter dem Stichwort „Industrie 4.0“. Produktzyklen verkürzten sich, dadurch werde sich die Bedeutung von Innovationshöhe und -geschwindigkeit nochmals verstärken. Doch dieser Prozess werde mit reiner Technologieorientierung nicht funktionieren – vielmehr sei auch das Personal entscheidend. Da Mittelhessen über zahlreiche „global Player“ verfüge, die in ihrem Gebiet Spitzenplätze einnähmen und gleichzeitig mit den Hochschulen eine Basis für gute Ideenentwicklung gegeben sei, müsste an der Schnittstelle zwischen Industrie und Hochschulen nach Ansätzen gesucht werden, „wie mit den neuen  Produktionsverfahren neue Wege des Innovationstransfers gefunden werden können“.

Dabei solle von Anfang an die Auswirkung der Konzepte auf die Arbeitnehmer beleuchtet werden. „Anders als bei den bisherigen Forschungsvorhaben zu Industrie 4.0 schlagen wir eine Konzentration auf den Aspekt der Notwendigkeit von Veränderungen innerhalb der beruflichen Bildung vor“, heißt es im Strukturpapier. Der DGB fordere daher eine Investition des Landes in eine entsprechende Forschungseinrichtung.

Zudem wolle der DGB die Errichtung einer Kooperationsstelle Hochschule-Arbeitswelt aus den Mitteln der Hans-Böckler-Stiftung vorantreiben, um „gute Arbeit“ in Forschung und Wirtschaft ebenso zu verankern, wie das Thema „technologische Innovation“.

Verkaufsoffene Sonntage sind nicht die Lösung

Auch den Einzelhandel beleuchtet der DGB in dem Papier und sieht einen immer schärferen Wettbewerb mit dem Internet. „Die Antwort kann jedoch nicht sein, immer mehr verkaufsoffene Sonntage anzubieten. Denn die Kaufkraft ist nur bedingt in der Region vorhanden“, sagt Körner.

Entscheidend sei vielmehr die Frage, ob es gelinge, die Stärken des stationären Einzelhandels mit den Vorteilen des Internethandels zu verbinden. Das Projekt „E-Business-Lotse Mittelhessen“, das Geschäftsleute bei der Entwicklung von E-Business-Strategien unterstütze, sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Aus DGB-Sicht müsse eine Strategie entwickelt werden, die E-Business, Stadtmarketing, Innenstadtlogistik und die Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte im Einzelhandel miteinander verknüpfe. Der Gewerkschaftsbund fordert darüber hinaus, dass die öffentliche Infrastruktur ausgebaut werden müsse – durch die Einführung der Schuldenbremse würden die Kommunen indes „kaputtgespart“. Dadurch würden die Kommunen im Standortwettbewerb an Boden verlieren.

Und auch die Landkommunen müssten lebenswert bleiben, dazu sei beispielsweise der Ausbau des ÖPNV wichtig. Auch müsse man einer Verschlechterung der Gesundheitsvorsorge entgegentreten. Und wie soll das finanziert werden? Dazu müssten verstärkt „übergroße Privatvermögen genutzt werden“, heißt es in dem Papier.

von Andreas Schmidt

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