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Ziel: Jugendliche in Ausbildung halten

Qualifizierte Ausbildungsbegleitung Ziel: Jugendliche in Ausbildung halten

Jeder fünfte Azubi in 
Hessen bricht laut einer Studie seine Ausbildung im ersten Lehrjahr ab. Die Initiative „Quabb“ will dies verhindern.

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Ein Auszubildender misst ein Drehteil aus. Mit ihrer Beratung wollen die Ausbildungsbegleiterinnen Anja Volz und Bettina Nik­laus helfen, wenn Azubis Probleme haben.

Quelle: Hendrik Schmidt

Marburg. Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, hat das Land Hessen mit der „Qualifizierten Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule („Quabb“) ein Angebot geschaffen, das Azubis und Unternehmen unterstützen soll.

Seit 2009 wurden mehr als 6000 Lehrlinge, deren Ausbildung vom Abbruch bedroht war, beraten, unterstützt und begleitet. Daher hat die Landesregierung entschieden, „Quabb“ fortzuführen und das Unterstützungssystem auf ganz Hessen auszuweiten.

Im Landkreis ist seit Januar der Verein „Arbeit und Bildung“ für das Angebot verantwortlich. Bettina Niklaus und Anja Volz sind die Ausbildungsbegleiterinnen, die beispielsweise die Azubis begleiten und beraten, wenn es nicht mehr rund läuft. Aber auch für Betriebe und Lehrer sind sie die Ansprechpartnerinnen – und auch für Eltern, „aber nur, wenn es der Auszubildende auch will“, sagt Anja Volz. Denn wichtig sei, dass die jungen Leute den Beraterinnen vertrauen könnten.

Kleinigkeiten können Wende einläuten

„Wir versuchen, ein besonders niedrigschwelliges Angebot zu machen“, sagt Volz. Dazu gehöre, dass sie und ihre Kollegin an den Berufsschulen feste Sprechzeiten hätten. „So muss niemand erst bei einem Lehrer nachfragen, der den Kontakt herstellt, sondern kann einfach zu uns kommen.“

Bettina Niklaus weiß, wie schwer es den Jugendlichen fällt, zur Beratung zu kommen. „Häufig kommen sie erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, beschreibt sie – also dann, wenn die Probleme bereits so groß sind, dass der Ausbildungsabbruch immanent ist. Die Gründe für einen möglichen Abbruch können sehr vielfältig sein: Schlechte Noten, Ärger im Betrieb oder Stress mit Freund oder Freundin sowie im familiären Umfeld könnten sich negativ auf die Ausbildung auswirken.

Dabei genüge es häufig schon, Kleinigkeiten zu verändern, um alles wieder in geordnete Bahnen zu bringen, wissen die Ausbildungsbegleiterinnen. So berichtet Anja Volz von einer Auszubildenden, auf der drei Kolleginnen immer herumgehackt hätten. „Letztendlich hat sie mit jeder einzeln ein persönliches Gespräch außerhalb der Arbeit geführt, die Situation geklärt – und schon waren die Probleme gelöst“, erzählt sie.

Probleme sind so vielfältig wie die Lösungsansätze

Bettina Niklaus erinnert sich an einen Fall, in dem ein Azubi 
seine Lehre in einem Marburger Betrieb machte und der in Stadtallendorf zur Schule ging. „Hauptsitz des Unternehmens war jedoch in Siegen – somit hätte er seine Prüfung auch dort bei der IHK ablegen müssen“, erklärt sie. Da der junge Mann dort aber niemanden kannte, habe er eine enorme Prüfungsangst entwickelt, „obwohl er gut in der Schule ist“, betont Nik­laus. Gemeinsam mit Kammer und Betrieb wolle man also dafür sorgen, dass der Azubi seine Prüfung hier im gewohnten Umfeld ablegen kann.

Die Probleme der jungen Leute sind ebenso vielfältig, wie die Lösungsansätze. „Wir bieten aber keine Lösungen von der Stange“, betonen die Beraterinnen. Vielmehr gehe es auch darum, die Jugendlichen bei der Lösung ihrer Schwierigkeiten zu unterstützen, Möglichkeiten 
aufzuzeigen und gemeinsam Ziele auszuloten und zu definieren.

Auch in Betrieben und den Berufschulen sind die Beraterinnen aktiv. Denn: „Ein Ausbildungsabbruch ist kein plötzliches Ereignis, sondern erste Zeichen sind oft lange vorher schon bemerkbar“, erläutert Bettina Niklaus. Damit nicht erst über Schwierigkeiten gesprochen werde, wenn Konflikte bereits zugespitzt seien oder sogar schon eine Kündigung im Raume stehe, wolle man frühzeitig Kontakt zu den Auszubildenden aufbauen.

Volz: Signale frühzeitig erkennen

„Zu Beginn des Berufsschuljahres erfolgt deshalb etwa ein Gang durch die Klassen, um das Beratungs- und Unterstützungsangebot von ,QuABB‘ vorzustellen“, erläutert sie. Auch biete man Klassenbesuche an, in denen hilfreiche Umgangsweisen mit Konflikten aufgezeigt würden.

„Es ist wichtig, Signale von Ausbildungsabbrüchen frühzeitig zu erkennen und dann einzugreifen“, sagt Anja Volz. Diese könnten zum Beispiel plötzliche Verhaltensänderungen, Reizbarkeit, schlechte Noten, Unpünktlichkeit oder auch Lustlosigkeit sein. „Auch, wenn ein Azubi sich plötzlich abkapselt, kann dies ein Indikator sein“, so Volz. Die Anzeichen müssten nicht zwangsläufig zu einem Abbruch führen, „aber wichtig ist es, frühzeitig zu handeln“, verdeutlichen die Ausbildungsbegleiterinnen.

Kontakt und Info: quabb@arbeit-und-bildung.de, Telefon: 06421/96360. Infos zu „Quabb“: www.quabb-hessen.de. „Quabb“ wird gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, dem Europäischen Sozialfonds sowie den Beruflichen Schulen Biedenkopf, Kaufmännischen Schulen Marburg, Adolf-Reichwein-Schule, Käthe-Kollwitz-Schule. Hessenweit koordiniert wird das Programm durch die Inbas GmbH, Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

von Andreas Schmidt

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