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Ziel: Behinderte im Alter unterstützen

DAK und Lebenshilfe Ziel: Behinderte im Alter unterstützen

Was muss die Gesellschaft für alte Menschen mit Behinderung tun? Mit dem Projekt „Senioren heute“ möchte die Bundesvereinigung Lebenshilfe auf die besonderen Bedürfnisse dieser Personengruppe aufmerksam machen.

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DAK Gesundheit fördert das Lebenshilfe-Projekt „Senioren heute“ mit insgesamt 17.500 Euro.

Quelle: dpa

Marburg. In Würde und ohne Isolation zu altern – diesen Wunsch haben wohl alle Menschen, unabhängig von Einkommen, Bildung, Geschlecht oder Herkunft.

„Und eben dieses Ziel muss nun auch für die ersten Generationen älterer Menschen mit geistiger Behinderung gelten,“ erklärte Professorin Jeanne Nicklas-Faust, Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe.

Damit ist auch schon erklärt, worum es bei dem Projekt „Senioren heute“ geht, das von der DAK, vertreten durch den Leiter des Servicezentrums Erhard Gessner, mit einem Scheck über 12.500 Euro gefördert wurde. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Krankenkasse 5000 Euro zur Verfügung gestellt.

Wie die gesetzlichen Krankenkassen dabei solche Projekte fördern ist klar geregelt, der jährliche Förderbetrag beläuft sich pro Versichertem auf 64 Cent. „Aus diesem Pool teilt die Verwaltung in Hamburg dann die jeweiligen Förderbeträge zu, wobei sie aus mehreren Antragstellern auswählen,“ so Gessner.

Teilhabe am Leben auch Behinderten ermöglichen

Damit solche Anträge auch durchkommen, dafür sorgt bei der Lebenshilfe Beraterin Ulrike Lorch. „Eine Teilhabe am Leben muss für alle und in jedem Alter möglich sein“, betonte Gessner. Dabei gibt es in Deutschland aufgrund seiner düsteren Vergangenheit auf diesem Gebiet nur wenig Erfahrungswerte. „Nach dem Dritten Reich gab es ja kaum noch Menschen mit Behinderungen in Deutschland, schließlich wurden rund 300.000 jeden Alters ermordet. Deswegen wächst sozusagen jetzt die erste vollständige Generation geistig behinderter Senioren heran“, bemerkte Nicklas-Faust.

Um diesem Problem zu begegnen, braucht es entsprechende Fortbildungen für das betreuende Personal. Die Heil- und Sozialpädagogen müssen sich also vermehrt auf diese neue Kundengruppe einstellen, damit auch diese Menschen so lange wie möglich in ihren Eigenheimen und Wohngruppen verbleiben können.

„Dazu muss man wissen, dass es auch Besonderheiten gibt, wie Betroffene altern. So liegt beispielsweise das Gen für Demenz auf dem 21. Chromosom – und da das bei Menschen mit Down-Syndrom dreimal vorhanden ist, sind diese Menschen auch stärker betroffen. Hier treten erste Anzeichen häufiger schon im Alter von 40 bis 50 Jahren auf“, erklärte Nicklas-Faust.

Fachtagung thematisiert Problem auf Bundesebene

In der Praxis sind die meisten Menschen, die von der Lebenshilfe unterstützt werden, aber mit ähnlichen Veränderungen konfrontiert wie alle anderen auch. „Irgendwann gehen sie nun mal nicht mehr in die Werkstätten, bleiben also zu Hause – und dann droht die Vereinsamung. Da gibt es kaum einen Unterschied, zumal ein Großteil der Menschen bei uns ohnehin unter die Kategorie ,leichte geistige Behinderung‘ fällt,“ ergänzt die Professorin.

Damit sich etwas tut, wird dem Thema auch von höchster Stelle immer mehr Aufmerksamkeit beigemessen. So wird es vom 17. bis 18. September dieses Jahres eine Fachtagung in Berlin unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig geben, um mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen – über Perspektiven eines erfüllten Ruhestands auch für Menschen mit Behinderung.

Bei der Lebenshilfe entstehen derzeit ein Positionspapier mit politischen Forderungen zum Leben behinderter Menschen im Alter und eine Broschüre, die Anregungen für Lebenshilfe-Dienste und -Einrichtungen geben soll.
Illustrierte Beispiele von sogenannten „Leuchtturm-Projekten“ sollen Mut machen, schon jetzt Handlungsspielräume zu nutzen und Lebensqualität für Senioren mit Behinderung zu gewährleisten.

von Marcus Hergenhan

Ein großer Scheck für ein großes Ziel: Erhard Gessner vom Servicezentrum Marburg der DAK (von links) übergab die Förderung an Lebenshilfe-Geschäftsführerin Professorin Jeanne Nicklas-Faust und Beraterin Ulrike Lorch. Foto: Marcus Hergenhan
 
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