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Ziegert setzt auf Bier mit herber Note

Elisabeth-Brauerei Ziegert setzt auf Bier mit herber Note

Nachdem Eckart Oehring im Juli verstarb, gab es viele Gerüchte um die Elisabeth-Brauerei – unter anderem, dass man nicht mehr selbst braue. „Alles Quatsch“, sagt Braumeister Dominique-Sebastian Ziegert.

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Dominique-Sebastian Ziegert ist neuer Geschäftsführer und Braumeister in der Marburger „Elisabeth-Brauerei“.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Als Eckart Oehring 2007 in seinem ehemaligen Elternhaus die Elisabeth-Brauerei eröffnete, war das schon eine kleine Sensation: Allerorten schlossen kleine Brauereien oder wurden von den Branchenriesen „geschluckt“, doch Oehring wurde nach einem anspruchsvollen Berufsleben mit 65 Jahren noch einmal quasi „Existenzgründer“. Er entwickelte – zunächst alleine und dann mit drei Partnern – eine eigene Brau-Anlage, woraus später das Unternehmen „Elisabeth Brauanlagen Marburg“ (Elbram) erwuchs.

Außerdem braute er im Keller des Hauses am Fuße des Steinwegs, direkt gegenüber der Elisabethkirche, Bier, das er in der „Elisabeth Gasthausbrauerei“, seinem kleinen Gasthaus, ausschenkte. „In Marburg gab es keine Brauerei mehr, deshalb war es auch aus Marketinggründen eine gute Idee“, sagte Oehring damals.

Doch im Juli der große Schock: Nach schwerer Krankheit verstarb Oehring im Alter von 72 Jahren. Schnell kamen Gerüchte auf in Marburg: Das Gasthaus würde schließen, hieß es zunächst. Doch es blieb geöffnet.

Anstrengende Übergangsphase

Dann war zu hören, dass im „Elisabeth“ gar nicht mehr selbst gebraut würde. „Alles Quatsch“, sagt Dominique-Sebastian Ziegert. Der 31-Jährige ist gelernter Koch, war demzufolge eigentlich für die Speisen im „Elisabeth“ zuständig. Allerdings hatte Oehring sein „Brauwissen“, das er sich selbst in Franken angeeignet hatte, noch vor seinem Tod an Ziegert weitergegeben.

„Die letzten Monate waren extrem anstrengend“, sagt Ziegert rückblickend. Denn er ist mittlerweile angestellter Geschäftsführer im Elisabeth – und kümmert sich neben dem Brauen auch um die Küche und „den Papierkram“, wie er sagt.

Wer die Gerüchte streut, das weiß er nicht, und es widerstrebt ihm auch, zu spekulieren. „Meine Art wäre es nicht. Ich würde hingehen und fragen: ,Braut ihr noch selbst oder nicht.‘ Aber das, was läuft, kann uns schaden.“

Hier misst Dominique-Sebastian Ziegert mit dem Refraktometer die Stammwürze des Biers. Foto: Schmidt

Hier misst Dominique-Sebastian Ziegert mit dem Refraktometer die Stammwürze des Biers. Foto: Schmidt

Quelle: Hier misst Dominique-Sebastian Ziegert mit dem Refraktometer die Stammwürze des Biers. Foto: Schmidt

Er gibt zu, dass das „Elisabeth Hell“, eine der beiden Sorten, die in der Brauerei hergestellt werden, etwas herber schmecke als zuvor. „Aber das ist nur deshalb so, weil es mir so besser schmeckt“, sagt Ziegert. Ihm falle es selbstverständlich leichter ein Bier zu brauen, das er persönlich gerne trinken würde. Und auch bei den Gästen käme der etwas herbere Geschmack gut an.

Ziegert gibt auch zu, dass er momentan kein „Elisabeth Dunkel“ braue – schlichtweg, weil ihm die Zeit fehle. „Ich suche händeringend einen Koch, aber es ist niemand zu finden“, sagt er. Also müsse er umorganisieren, die Küche umstellen – etwa mit verkleinerter Speisekarte – und im Januar die zweite Biersorte ansetzen.

Und für die Zukunft hat der neue Braumeister auch schon Pläne: „Wenn wir einen Teil des Biers in der Ernst-Giller-Straße bei Elbram brauen, hätten wir hier Kapazitäten für ein drittes Bier. Ich würde unglaublich gerne ein Weizen brauen“, sagt er. „Oder ein ,Pale Ale‘, das wäre etwas ganz Besonderes, das es so in Marburg bisher noch nicht gibt.“

von Andreas Schmidt

 

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