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Zeugin belastet die beiden Kläger

Arbeitsgerichtsverhandlung Zeugin belastet die beiden Kläger

Zwei ehemalige Mitarbeiter einer Schrottverwertung wehren sich vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung. Bis das Gericht beurteilen kann, ob diese gerechtfertigt war, werden noch einige Zeugen zu hören sein.

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Tatort Schrottplatz: Zwei ehemalige Mitarbeiter einer Schrottverwertung wehren sich vor dem Arbeitsgericht gegen ihre fristlose Entlassung.

Quelle: Thomas breme

Gießen. Weil sie ihrer Firma einen Gesamtschaden von nahezu vier Millionen Euro zugefügt haben sollen, wurden der ehemalige Geschäftsführer einer Schrottverwertungsfirma und seine beiden Söhne 2011 fristlos entlassen. Die Söhne wehren sich vor dem Gießener Arbeitsgericht gegen ihre Kündigungen.

Während die Staatsanwaltschaft noch ermittelt - es stehen weitere Vergehen wie Steuerhinterziehung im Raum - hatte vor dem Arbeitsgericht Gießen bereits im April ein erster Kammertermin stattgefunden. Ein schnelles Ende ist hier allerdings nicht in Sicht, zahlreiche Zeugen sollen Klarheit bringen, die ersten wurden nun am Freitag vernommen.

Wie Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle zusammenfasste, sei das Unternehmen im Juni 2010 verkauft worden. Der Geschäftsführer habe seine Arbeit aber auch danach noch ausgeführt. Er soll ein Teilgeständnis abgelegt haben. Auch seine beiden Söhne und die Ehefrau waren noch in dem Betrieb angestellt, alle vier wurden im September vergangenen Jahres fristlos entlassen. Die 28 und 24 Jahre alten Söhne wehren sich nun gegen die Kündigung - sie bestreiten die Vorwürfe. Die Kündigung gegen die Mutter hat der neue Eigentümer inzwischen zurückgezogen, weil sie seiner Ansicht nach nichts mit den Straftaten zu tun hatte.

Laut Rühle wird den drei Männern vorgeworfen, Schrott „schwarz“ an mehrere Unternehmen verkauft zu haben. Die Fahrten seien vorwiegend abends und an den Wochenenden durchgeführt worden. Fahrer seien Mitarbeiter gewesen, aber auch einzelne Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Auch der ehemalige Geschäftsführer und einer seiner Söhne sollen Fahrten unternommen haben. Um diese zu vertuschen, hätten die Fahrer wegen der Mautzahlungen Autobahnen gemieden, zudem seien Tachoscheiben vernichtet worden. Laut Auskunft des neuen Geschäftsführers habe eine Inventur ergeben, dass insgesamt 8759 Tonnen Schrott fehlten. Um den Kunden die Umsatzsteuer zu ersparen, habe man in mehreren Fällen vorgegaukelt, die Ware stamme aus Italien.

Eine belastende Aussage kam nun von einer kaufmännischen Angestellten, die nach eigener Auskunft zeitweise die Waage bedient hatte, auf der anfahrende Schrott-Lkw gewogen werden. Sie habe vom Vater und dem jüngeren Sohn die Anweisung erhalten, einzelne Fahrzeuge doppelt zu verwiegen. Nach der Einfahrt seien diese, so weit sie Wertmetalle an Bord hatten, in die Halle geschickt worden, wo diese einzeln verwogen worden seien, was auf einem Laufzettel zur späteren Auszahlung vermerkt worden sei. Die Zettel aus den Zweitverwiegungen hätten ihre Chefs abgeholt und später zurückgebracht, damit sie von ihr ausbezahlt werden konnten. Wie der neue Geschäftsführer beim ersten Kammertermin berichtet hatte, wurden seit 2006 etwa 500000 Euro veruntreut. Zur Vertuschung seien fiktive Belege, teilweise mit Namen und Adressen aus dem Telefonbuch, angefertigt worden.

Auf den Vorwurf des Klägervertreters, sie habe sich, wenn es denn so gewesen sei, selbst strafbar gemacht, entgegnete die Zeugin, sie habe die Anweisungen befolgt, um ihren Arbeitsplatz zu behalten. Die Kläger behaupten, sie und andere Mitarbeiterinnen hätten die Doppelwiegungen selbstständig veranlasst.

Die Frage, ob sie für die Doppelwiegungen Geld bekommen habe, verneinte die Frau. Sie habe allerdings, so viel räumte sie ein, weil sie einen weiten Arbeitsweg habe, ein- oder zweimal eine Tankquittung ausgezahlt bekommen. Das habe sie jedoch nicht mit dem Wiegen in Zusammenhang gebracht, „vielleicht gibt es einfach nette Menschen“, sagte sie zum Klägervertreter. Im Übrigen habe sie aufgehört und die Anweisungen nicht mehr ausgeführt, nachdem sie auf den Belegen den Namen ihres eigenen Elektroinstallateurs gelesen habe, den sie aber nie auf dem Betriebsgelände gesehen hatte.

von Heiko Krause

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