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Zeitunglesen macht Azubis kritischer

Projekt "Zeitung und Ausbildung" Zeitunglesen macht Azubis kritischer

Mitmachen lohnt sich: Wer Zeitung liest, ist nicht nur gut informiert, sondern auch selbstbewusster und hinterfragt mehr, sagte Medien-Experte Gregor Daschmann vor rund 200 Auszubildenden.

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Rund 200 Auszubildende waren Gäste im Gießener „Kinopolis“ und nahmen an der Abschlussveranstaltung des Projekts „Zeitung und Ausbildung in Hessen“ teil.Fotos: Schepp

Quelle: Michael Schepp D-35423 Lich

Marburg. „Gut informiert zu sein, ist die Grundlage jeder Meinungsbildung“, sagte die Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Dies schütze vor Vorurteilen, wie etwa der „üblen Propaganda der ewig Gestrigen“, die in den vergangenen Monaten gegen die auch in Gießen zu Tausenden untergebrachten Flüchtlinge „durchs Netz geisterte“. In diesem Moment dürfte bei der Abschlussveranstaltung zum Projekt „Zeitung und Ausbildung in Hessen“ auch dem Letzten der Auszubildenden unter den rund 200 Gästen im proppenvollen Saal des „Kinopolis“ klar geworden sein, was ihnen die zurückliegenden zwölf Monate bringen sollten.

Sechsmal die Woche hatten sie einen von 25 Zeitungstiteln, darunter die Oberhessische Presse erhalten. Wie Dr. Steffen Ehrmann, Mitglied der Arbeitsgruppe „Zeitung und Ausbildung in Hessen“ und OP-Vertriebschef, ausführte, hatten sich knapp 200 Azubis von mehr als 70 Unternehmen an dieser dritten Projektauflage - die vierte ist bereits Anfang September gestartet - beteiligt. Die vorrangigen Ziele durch regelmäßige Zeitungslektüre: Verbesserung von Allgemeinbildung, Wortschatz, Rechtschreibung und auch kommunikativer Fähigkeiten.

Laut Dirk Glock, Geschäftsführer des Verbandes Hessischer Zeitungsverleger, bedeutete dies für die jungen Leute, die heutzutage die Informationsbeschaffung über Internet und soziale Medien bevorzugten, gleichzeitig eine große Umstellung. Und so sollten sie auch erfahren, dass die Medien „die Aufgabe der Vierten Gewalt im Staat“ erfüllen und „Überblick geben über das, was in Gesellschaft und Politik passiert“. Aus Sicht von Ehrmann habe die Teilnahme „die Auszubildenden zu wertvollen Mitarbeitern der Unternehmen gemacht“. Denn: „Zeitungsleser sind Besserwisser, und das im ganz positiven Sinne.“

Weiterbildung durch Lesen

Wissenschaftlich belegen konnte das in gleich mehrfacher Hinsicht Professor Gregor Daschmann vom Institut für Publizistik der Universität Mainz, der mit seinem Team für die wissenschaftliche Konzeption und Auswertung verantwortlich ist. Anhand zahlreicher Grafiken zeigte er, dass die Azubis zum einen mit durchschnittlich 20 Minuten Zeitungsstudium täglich „doppelt so viel gelesen haben“ wie sonst 14- bis 19-Jährige. Gegenüber einer Kontrollgruppe im selben Zeitraum von nicht-zeitungslesenden Auszubildenden konnte er zudem im Vergleich „deutliche Steigerungen bei intellektuellen Fähigkeiten“ dokumentieren, sei es nun in puncto Wortschatz, Grammatik, Textverständnis oder Konzentrationsfähigkeit.

Besonders interessant sei laut Daschmann der Vergleich der Online-Tests von Projektbeginn und -ende, zwischen denen monatliche Abfragungen von angelesenem Wissen stattfanden. Demnach habe sich der Anteil der Teilnehmer, der sich „durch Zeitunglesen gut informiert fühlt“, deutlich stärker erhöht als in der Kontrollgruppe. Dass zudem am Projektende nun weniger junge Leute der Aussage zustimmten, dass sich „unsere Demokratie als politisches System bewährt hat“, zeigt aus Sicht des Wissenschaftlers: „Durch das Zeitunglesen werden sie kritischer und stellen mehr infrage.“ Dies spreche gleichzeitig für ihre bessere Informiertheit. „Sie treten jetzt selbstbewusster auf“, folgerte Daschmann und wertete dies als „Gewinn für den Arbeitgeber“.

Ehrmann sieht daher das Projekt, dessen Schirmherr erneut Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ist, als kostengünstige Weiterbildungsmaßnahme. Erst recht angesichts immer größer werdender Probleme von Unternehmen, für Ausbildungsplätze „Bewerber zu finden, die alle Auflagen erfüllen“. Und so dankte er allen beteiligten Azubis und Unternehmen für das gezeigte „Durchhaltevermögen“. Auch die übrigen Redner übermittelten ihren Dank, wobei Daschmann an die Azubis gewandt hinzufügte: „Lesen Sie weiter Zeitung, das nutzt Ihnen und auch allen anderen um Sie herum.“ Nach einem kleinen Imbiss gab es für die Gäste noch ein besonderes Geschenk: Sie alle durften sich den neuen Film „Fack ju Göhte 2“ anschauen.

von Frank Oliver Docter

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