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„Zeitung hat bei Wahlentscheidung geholfen“

Zeitung und Ausbildung in Hessen „Zeitung hat bei Wahlentscheidung geholfen“

Die Auswertung des ­Projekts zeigt: Die Teilnehmer haben an Wissen und Sicherheit bei vielen Themen gewonnen.

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Der wissenschaftliche Leiter des Azubi-Projekts: Professor Gregor Daschmann von der Universität Mainz.

Quelle: Katrina Friese

Gießen. Für die wissenschaftlichen Köpfe hinter dem „Azubi-Projekt“ war bei der anfänglichen Konzeption schnell klar, welches Thema sie 2016/2017 am meisten interessierte: Die politische und staatsbürgerliche Bildung der jungen Leute. Steht doch 2017 ganz im Zeichen der Bundestagswahl und die teilnehmenden Auszubildenden sind größtenteils Jungwähler.

Tatsächlich hat die Auswertung einige erstaunliche Erkenntnisse zutage gefördert, wie Professor Gregor Daschmann (Universität Mainz, forum! GmbH), wissenschaftlicher Leiter des Projekts, im Gespräch berichtet. Interessant ist vor allem der Blick auf die Frage, ob die Zeitungslektüre über die zwölf Monate die Wahlentscheidung verändert hat. Hier geben nun 19 Prozent an, dass ihre Sicherheit der Parteiwahl von „Nein“ zu „Ja“ umgeschlagen ist.

„Die Tageszeitung hat bei der Kristallisierung der Wahlentscheidung geholfen“, stellt Daschmann fest. Dies gelte auch für Azubis aus zeitungsfernen Haushalten und solchen mit Migrationshintergrund.

Nur 15 Prozent hatten dagegen zwischen Projektstart und Testfinale mit „Ja“ auf die Frage geantwortet, ob sie schon wüssten, welche Partei sie wählen. Zwar würden diese wenigen Prozent Unterschied nicht nach viel klingen, sie könnten aber auf die gesamte Stimmenzahl hochgerechnet angesichts der engen Verhältnisse, etwa bei der Bildung einer Koalition, „das entscheidende Zünglein an der Waage sein“, betont 
Daschmann.

Gleichzeitig hat sich der Wissensstand über Politik und Staatskunde in dem einen Jahr sichtlich verbessert. Bei acht von zehn Fragen ­– etwa danach, wer den Bundeskanzler wählt – „haben die Zeitungsleser deutlich dazugelernt“, so der Wissenschaftler. „Darin schlägt sich die bessere Informiertheit durch die Tageszeitung nieder.“ Das belegt auch der Vergleich mit der Kontrollgruppe, die allesamt keine Zeitungsleser waren.

Daschmann: Auch die Unternehmen profitieren

Deren Gefühl des Informiertseins über das politische Geschehen hat während der zwölf Monate sogar abgenommen, während die Projektteilnehmer (die sogenannte Experimentalgruppe) in derselben Zeit enorm an Sicherheit zu solchen Themen gewonnen haben. Neben der Politik waren bei den monatlichen Online-Tests unter Zeitdruck auch Fragen zu Wirtschaft, Kultur und Sport gestellt worden.

Von diesem Erkenntnisgewinn würden laut Daschmann ebenso die Unternehmen profitieren. „Ihre Azubis sind durchs Zeitungslesen in ihrem Auftreten selbstsicherer geworden und können sich zum Beispiel bei Diskussionen nun besser ausdrücken. Das wird auch bei Kunden einen guten Eindruck machen“, ist er überzeugt.

Insgesamt hatten 152 Auszubildende aus 53 Unternehmen in ganz Hessen teilgenommen. Dabei lasen sie zusammen 22 verschiedene Zeitungstitel, auch die Oberhessische Presse. 55 Prozent waren Frauen und 45 Prozent Männer, der Altersdurchschnitt lag bei 22 Jahren. Zudem fanden sich 25 Prozent Azubis mit Migrationshintergrund darunter.

von Frank Oliver Docter

Einen weiteren Artikel über diese Veranstaltung lesen Sie hier.
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