Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° Regen

Navigation:
Zeitreise durch die Automobilgeschichte

100 Jahre Fahrschule Herbener Zeitreise durch die Automobilgeschichte

Die Fahrschule Herbener feierte ihr 100-jähriges Bestehen. Anne Herbener leitet den Familienbetrieb erfolgreich seit 35 Jahren in dritter Generation.

Voriger Artikel
Begro findet „Shooting Stars“
Nächster Artikel
Aufbau läuft auf Hochtouren

Konrad Herbener mit einem Borgward, der in den 1960er Jahren als Fahrschulauto eingesetzt wurde.

Quelle: Privatfoto

Kirchhain. Ein wenig stolz zeigt Anne Herbener die Genehmigungsurkunde aus dem Jahr 1914. Darin wird ihrem Großvater Konrad Herbener die Lizenz zum Fahrlehrer aller Klassen erteilt. Er gründete die Fahrschule Herbener in der Eisenbahnstraße, die mit seinem Sohn, der ebenfalls Konrad hieß, 1949 in die Niederrheinische Straße umzog, wo Anne Herbener heute noch die Fahrschüler in der Theorie unterweist.

„Angefangen hat mein Großvater vor 100 Jahren mit der Fahrschule für Pferdefuhrwerke“, erzählt Anne Herbener. Die ersten pferdelosen Fahrschulautos seien Autos mit Holzvergaser gewesen. Mit diesen Fahrzeugen hätte auch ihr Vater noch in der Niederrheinischen Straße geschult. Die Autos mit dem großen Kessel im hinteren Teil blieben öfter mal stehen.

Aus Erzählungen weiß die heutige Inhaberin der Fahrschule, dass die Fahrschüler weniger mit Tempolimits zu kämpfen hatten als mit dem Problem, wie sie den Wagen wieder zum Laufen bringen konnten.

„Die Menschen hatten früher ein besseres Verständnis für Technik. Auch in der Fahrschule drehte sich viel mehr um Technik als heute“, betont die Anne Herbener (kleines Foto: Böttcher), die mit der Fahrschule aufgewachsen ist.

Zu der Zeit, als ihr Großvater den Kirchhainern das Fahren beibrachte, waren die Autos viel langsamer – und auf den Straßen war noch nicht so viel Verkehr. „Zu Großvaters Zeiten gab es zwei, drei Fahrstunden. Eine Theorieprüfung gab es nicht. Die Führerscheinprüfung war eine Rundfahrt durch Kirchhain und dauerte vielleicht zehn ­Minuten“, erzählt Anne Herbener.

Weil damals nicht so viele Leute den Führerschein benötigten und es nicht so viele Autos gab, war der Großvater nicht nur Fahrlehrer, sondern reparierte auch Autos und landwirtschaftliche Maschinen. Zudem bot er Taxifahrten an. Auch Vater Konrad Herbener unterhielt neben der Fahrschule noch eine Autowerkstatt und eine Tankstelle sowie einen Autohandel.

„Vaters erstes Fahrschulauto ohne Holzvergaser war ein Adler. Darauf folgte in den 50er Jahre ein Borgward Isabella“, erzählt die Fahrlehrerin und ergänzt, dass damals ein Führerschein etwa 100 Mark gekostet hätte. Nicht alle Familien hätten damals ein Auto gehabt und erst in den 60er Jahren hätten auch Jugendliche ihr eigenes Auto gekauft.

„Ab 1980 stand ich meinem Vater als Fahrlehrerin zur Seite und nach einigen Jahren übergab er die Fahrschule an mich“, erzählt Anne Herbener. Auch in der ältesten Kirchhainer Fahrschule wird heute Theorie nicht mehr mit dem Blick unter die Motorhaube gelehrt, sondern mit modernster Technik im Schulungsraum. Wenngleich dort auch noch ein Modell eines alten Fahrzeugmotors steht, mit der die grundsätzliche Arbeitsweise eines Motors gut zu sehen ist. „Der Umgang mit den Menschen steht bei mir im Mittelpunkt und bereitet mir immer noch sehr viel Freude“, sagt Anne Herbener auch nach 35 Jahren im Fahrschulgeschäft.

von Klaus Böttcher

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr