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Zahnersatz vom Kaffeeröster

Tchibo-Angebot Zahnersatz vom Kaffeeröster

Kaffeebohnen, Reisen, Stromtarife und jetzt auch noch Zahnersatz: Der Kaffeeröster Tchibo erweitert sein Dienstleistungsangebot - und erntet dafür die Kritik von Zahnärzten.

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Tchibo verspricht, durch hochwertiger Zahnersatz zu günstigen Preisen das Lächeln leicht zu machen. Zahnärzte und -techniker warnen aber vor den Folgen.

Quelle: iStockphoto.com/gradyreese

Marburg. Der Hamburger Kaffeeröster Tchibo hat Deutschlands Zahnärzte und -techniker gegen sich aufgebracht. Ursache ist eine Kooperation des Handelskonzerns mit dem Dentallabor Novadent. Über die Tchibo-Filialen soll von kommender Woche an eine Art Rabattkarte für Zahnersatzprodukte von Novadent verkauft werden, mit der Patienten laut Eigenwerbung bis zu 50 Prozent bei Inlays, Kronen oder Zahnersatz sparen können. Der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) sprach von einer „unverantwortlichen“ Aktion, die „rechtlich bedenklich und in jedem Fall versorgungspolitisch strikt abzulehnen ist“.

Vertrauen steht für Zahnärzte im Vordergrund

Auch die Landeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen äußerte sich skeptisch über Zahnersetz-Card, was sich nicht allein auf die Qualität des Zahnersatzes beziehe. Schließlich lägen belastbare Langzeitstudien zur Haltbarkeit von Zahnersatz aus Asien noch nicht vor. „Unsere Praxis wird aber in Zeiten, in denen regelmäßig Gesundheitsskandale bekannt werden, nicht das geringste Risiko eingehen“, sagte Herbert Köller. Der Stadtallendorfer Zahnarzt wird weiterhin mit regionalen Labors zusammenarbeiten - „und das aus gutem Grund. Genauso wie ein Patient eine Vertrauensbasis zu seinem Zahnarzt hat, hat dieser auch ein oft jahrzehntelanges Vertrauensverhältnis zu den Laboren.“ Schließlich, so Köller, müsse unter dem Strich eine einwandfreie Behandlung stehen.

„Niedrigpreis-Fertigungen aus dem Ausland, wie im aktuellen Fall, wird nicht jeder Zahnarzt anbieten und eingliedern, denn im Falle von Beschwerden ist letzten Endes der Behandler dem Patienten gegenüber in der Verantwortung“, sagte Dr. Michael Frank, Präsident der Landesärztekammer Hessen. Für Köller steht fest, dass seine Praxis nicht mit dem Dentallabor Novadent zusammenarbeiten wird. „Wenn Patienten mit der Zahnersatz-Card zu uns kommen, werden wir ihnen klar die Vor- und Nachteile aufzeigen. Trotzdem werden wir weiter mit den heimischen Labors arbeiten.

Tchibo hat sich schon öfter als Mittler für handelsuntypische Produkte und Dienstleistungen versucht, etwa bei Versicherungen oder Stromtarifen. Dabei dienen die Läden meist nur als Vertriebsplattformen, Tchibo selbst hat mit der Abwicklung der Geschäfte in der Regel nichts zu tun.

Im aktuellen Fall kauft der Kunde beim Kaffeeröster eine so genannte Zahnersatz-Card von Novadent für 24 Euro. Sie gilt für 24 Monate und „kann für beliebig viele Leistungen eingesetzt werden“, wie der Hamburger Handelskonzern mitteilte. Der Kunde müsse seinen Zahnarzt lediglich darüber informieren, dass er Zahnersatz von Novadent wünsche. Dafür verspricht das Dentallabor dann auch, dass etwa ein Vollkeramik-Inlay nur 83 statt 167 Euro kostet, eine Krone nur 120 statt 184 Euro.

Fertigen lässt das Hamburger Unternehmen den Zahnersatz im philippinischen Manila. Dem Karteninhaber werden Fünf-Jahres-Garantie und Null-Prozent-Finanzierung versprochen. Der VDZI kritisiert, dass in die Therapiefreiheit des Zahnarztes eingegriffen wird, wenn er nicht mehr beim Zahntechniker seines Vertrauens bestellen könne. „Man ist geneigt, eine solche Marketingstrategie der Firma Novadent auch als strukturelle Nötigung des Zahnarztes zu bezeichnen“, so der VDZI.

von Andreas Arlt und Lars Ruzic

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