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Zahl der Langzeitarbeitslosen sinkt

Arbeitsmarkt Zahl der Langzeitarbeitslosen sinkt

Auf ein erfolgreiches Jahr kann die Arbeitsagentur Marburg zurückblicken: Im Jahresdurchschnitt ist die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken.

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Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen ist deutlich gestiegen.

Quelle: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Marburg. Im Dezember waren 4918 Menschen arbeitslos gemeldet, 352 Personen oder 6,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zwar stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum November um 153 Personen oder 3,2 Prozent an – jedoch weniger drastisch, als sonst im Dezember üblich. Der Jahresdurchschnitt lag bei 5396 Arbeitslosen – in 2013 waren neun Prozent mehr Menschen arbeitslos gemeldet, also 5928 Personen.

„Die Zahlen sehen gut aus und korrespondieren auch mit dem Aufbau von Beschäftigung“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Arbeitsagentur Marburg. So habe es mit Stand 30. Juni vergangenen Jahres 86 577 Beschäftigte im Landkreis gegeben. „Das ist ein Plus von 1582 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr“, verdeutlicht Breustedt. Dabei seien die neuen Stellen durchaus nicht nur geringfügige Beschäftigungsverhältnisse: Lediglich 29,5 Prozent entfielen auf Teilzeit-Stellen, der Rest seien neue Vollzeit-Stellen.

Zudem seien im Vergleich zum Vorjahr 592 mehr Ausländer in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gekommen, was einem Zuwachs von knapp 10 Prozent entspreche. „So viel zum Thema ,Ausländer gehen alle nicht schaffen‘, das ist alles Quatsch“, kommentierte Breustedt die Vorurteile der Pegida-Bewegung.

Entwicklung konträr zu Hartz-IV-Kritik

„Wir haben eine Top-Arbeitsmarktentwicklung mit einem Minus von 6,7 Prozent im Bestand gegenüber dem Vorjahr und haben immer noch einen deutlichen Anstieg an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung“, fasst der Agenturleiter zusammen. Vor allem in der Produktion würden immer noch Menschen gesucht – ebenso wie Fachkräfte.

Auch bei den jungen Leuten unter 25 Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen um 11,5 Prozent deutlich gesunken. „Es ist gerade in diesem Bereich extrem wichtig, dass das Berufsleben nicht gleich mit einem schlechten Erlebnis beginnt“, so Breustedt.

Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen bezeichnete Breustedt ebenfalls als positiv: Sie sank im Jahresvergleich um 16,8 Prozent, „das ist eigentlich konträr zu der derzeitigen Diskussion, die um zehn Jahre ,Hartz IV‘ geführt wird“, sagt der Agenturleiter. „Das können wir hier nicht bestätigen.“

Doch es gebe auch noch „ein wenig Wasser im Wein“ – nämlich bei den Zugängen aus Erwerb in die Arbeitslosigkeit. Die lag im Vergleich zum November bei 127 Personen oder 10 Prozent. „Gleichzeitig sind die Abgänge in Erwerb um 13,1 Prozent gefallen. Es tut sich also in vielen Bereichen etwas, aber das Geschäft ist sehr kleinteilig“, so Breustedt.

Breustedt: Landkreis hat von allen ein bisschen

Insgesamt wurden vonseiten der Betriebe deutlich weniger Arbeitsstellen gemeldet: Im Dezember waren es nur 450, was im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 72 oder rund 14 Prozent entspricht. Im Vergleich zum November waren es sogar 106 oder 19,1 Prozent weniger Stellen.

Der Arbeitsmarkt im Landkreis sei allerdings dennoch sehr robust. Dies liege vor allem auch daran, dass der Markt infrastrukturell sehr gut aufgestellt sei, „es gibt eine sehr gute Mischung von Produktion, Gesundheitswesen, Dienstleistung – wir haben von allem ein bisschen, mit der Folge, dass sich auch Ausgleichsprozesse zwischen den Bereichen ständig weiter positiv auswirken“, sagt Breustedt.

Zwar könne eine Verbesserung der Verkehrsanbindung sich noch positiver auswirken, aber: „Alleine das schafft noch keinen Arbeitsplatz, sondern sorgt nur dafür, dass bestehende Arbeitsplätze besser besetzt werden“, konstatiert der Agenturleiter.

Das Kreisjobcenter (KJC) weist für den Monat Dezember 2014 insgesamt 2915 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 51 Personen oder 1,8 Prozent mehr als im November. Gegenüber dem Vorjahresmonat Dezember 2013 ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 168 Personen oder 5,4 Prozent gesunken.

Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger im Kreisgebiet liegt aktuell bei 2,3 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,4 Prozent. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist diesen Monat ebenfalls leicht angestiegen.

Prognose: Im Februar wird‘s wieder schlechter

„Trotz des üblichen Anstieges der Arbeitslosigkeit zum Jahresende blicken wir auf ein sehr gutes Jahr für den hiesigen Arbeitsmarkt zurück. Das Jahr 2014 brachte eine stabile konjunkturelle Entwicklung mit sich“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Marian Zachow. Für die kommenden Wintermonate müsse laut Zachow mit einem weiteren Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit gerechnet werden.

„Wir gehen davon aus, dass im Januar oder Februar die Arbeitslosigkeit wieder über der Marke von 3000 liegen wird. Das Auslaufen der Saisonbeschäftigungen im Handel, der Entlassungstermin zum Jahresende, witterungsbedingte Arbeitsausfälle und die Abschlüsse bei den zwei- und dreieinhalbjährigen Ausbildungen im Januar lassen die Arbeitslosigkeit vorübergehend ansteigen.“

Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 33 auf insgesamt 6133 – ein Anstieg um 0,5 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahrsmonat bedeutet dies einen Anstieg um 220 oder 3,7 Prozent. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stieg im Vergleich zum November um 50 oder 0,6 Prozent auf 7952 Personen an. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um vier Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 304 Personen.

von Andreas Schmidt

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