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Zahl der Erwerbslosen nimmt saisontypisch zu

Agentur für Arbeit Zahl der Erwerbslosen nimmt saisontypisch zu

Saisonüblich ist die Zahl der Arbeitslosen im Januar gestiegen. „Dennoch ist der Markt weiterhin sehr solide“, betont 
Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Marburger Agentur für Arbeit.

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Die Arbeitslosenquote im Landkreis ist im Vergleich zum Dezember leicht angestiegen.

Quelle: Martin Schutt

Marburg. Laut Zahlen der Arbeitsagentur waren im Januar 
5243 Personen im Landkreis arbeitslos gemeldet – 346 Personen oder 6,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Dezember stieg die Zahl der Arbeitslosen indes um 661 Personen oder 14,4 Prozent.

Wenz bezeichnete diesen Anstieg als „nicht unüblich“: Zahlreiche Firmen im Baugewerbe würden im Winter ihre Kräfte freisetzen, „außerdem gab es saisonal bedingte Freisetzungen bei einem Lebensmittelhersteller. Die Region kann sich aber weiterhin sehen lassen“, sagte Wenz. Die Arbeitslosenquote lag im Januar bei 4,0 Prozent – leicht besser als im Januar 2015 und um 0,5 Prozent höher als im Vormonat.

Deutlich angestiegen ist in den vergangenen beiden Monaten auch die Zahl der arbeitslosen Ausländer: Waren im vergangenen November noch 893 Ausländer arbeitslos gemeldet, stieg deren Zahl im Dezember auf 952.

Im Januar ist die Zahl erneut angestiegen: 1075 Ausländer waren arbeitslos gemeldet. „Darunter befinden sich derzeit 405 Menschen aus den Asylzuzugsländern, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 23 Prozent“, sagte Wenz.

Dies sei nicht überraschend, sondern von der Agentur so vorhergesagt worden – die Flüchtlinge würden sich also sukzessive immer stärker in den Zahlen der Arbeitslosen niederschlagen. „Und das zu 95 Prozent im SGB-II-Bereich“, erläuterte Wenz – also in der Zuständigkeit des Kreisjobcenters.

Situation bei Johnson Controls ist bemerkbar

Gleichzeitig betonte Wenz, dass durch den Zustrom an Flüchtlingen aber auch Arbeitsplätze geschaffen würden – etwa im Segment des Wach- und Sicherheitspersonals. „Auch das Bundesamt für Migration für Flüchtlinge hat uns Stellen gemeldet – etwa für die Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt.“

Deutlich angestiegen ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Dezember auch im Hinterland: Von 967 Personen auf 1147, die Quote stieg von 3,0 auf 3,6 Prozent. Dies habe neben den saisonalen Gründen auch mit der Situation bei Johnson Controls zu tun.

„Es kommen gehäuft Personen zu uns, die das Unternehmen verlassen haben“, bestätigte Wenz auf Nachfrage. Und Pressesprecherin Dr. Heike Beber fügte hinzu, „dass die Lage offenbar für die Beschäftigten sehr unklar ist. Das zieht Prozesse nach sich, dass Mitarbeiter schauen, ob es Alternativen für sie gibt“.

Der kräftige Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Vormonat sei typisch am Anfang eines Jahres. Neu arbeitslos meldeten sich im Januar 2 146 Personen, das waren 68 oder 3,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und 910 oder 73,6 Prozent mehr als im Dezember. Vorher erwerbstätig waren 1278 Personen gewesen.

Parallel dazu hätten sich 1481 Personen aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet, 81 oder rund 6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gegenüber Dezember waren es 370 oder rund ein Drittel mehr. Durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit haben im Januar 763 Personen ihre Arbeitslosigkeit beendet.

Kreisjobcenter meldet 
mehr Langzeitarbeitslose

551 neue Stellen wurden der Arbeitsagentur von Arbeitgebern gemeldet, 50 oder 10 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich zum vergangenen Dezember sank die Zahl der gemeldeten Stellen indes um 198 oder 26,4 Prozent.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist zu Beginn des neuen Jahres deutlich angestiegen. Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises weist für Januar insgesamt 3101 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind.

Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen damit um 269 Personen oder 9,5 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen leicht um 13 Personen – das entspricht 0,4 Prozent.

Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen ist im Kreisgebiet gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent angestiegen und liegt nun bei 2,4 Prozent – wie bereits im Vorjahresmonat.

Qualifizierungen endeten mit Jahreswechsel

„Der Winter und der Jahreswechsel haben die Arbeitslosigkeit ansteigen lassen. Dieser saisonale Effekt hat zwei Ursachen. Zum einen wird wegen des Wetters in den Außenberufen wie dem Baugewerbe weniger gearbeitet. Zum anderen enden zum Jahresende viele befristete Arbeitsverträge oder es werden Kündigungen ausgesprochen. Diese werden im Januar statistisch wirksam“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU).

Ein weiterer Grund für den Anstieg sei, dass zum Jahresende viele Qualifizierungen und Fortbildungen endeten. Somit seien auch diese Personen „statistisch als arbeitslos zu führen. Betrachtet man die Arbeitslosenzahl längerfristig, haben wir aber nach wie vor einen positiven Trend“, so Zachow.

Auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Januar angestiegen, sodass mehr Menschen im Landkreis auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 74 oder 2,2 Prozent auf insgesamt 
6240.

Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 33 Gemeinschaften oder 0,5 Prozent. Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ein Anstieg um 2,2 Prozent auf 8126 Personen zu verzeichnen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 0,8 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 61 Personen.

Saisonbereinigt deutlicher Rückgang

Bundesweit waren insgesamt 2,92 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Das waren zwar wegen des üblichen Stellenabbaus im Winter 239.000 mehr als im Dezember, aber 111.000 weniger als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosenquote stieg im Januar um 0,6 Punkte auf 6,7 Prozent. „Die Erholung des Arbeitsmarktes hat sich zum Jahresbeginn fortgesetzt. Saisonbereinigt gab es erneut einen deutlichen Rückgang“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Denn ohne jahreszeitliche Sondereffekte wäre die Zahl der Erwerbslosen im Januar um 20.000 gesunken.

In Hessen waren im Januar 182.460 Menschen ohne Arbeit. Das waren 7259 Arbeitslose weniger als vor Jahresfrist – im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl um knapp 14.300. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,6 Prozent im Gegensatz zu 5,1 Prozent im Dezember und 5,9 Prozent im Vorjahresmonat.

von Andreas Schmidt und unserer Agentur

 
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