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Zahl der Arbeitslosen steigt erneut leicht an

Bilanz August 2016 Zahl der Arbeitslosen steigt erneut leicht an

Im Landkreis ist die 
Arbeitslosenquote erneut gestiegen. Dennoch 
 bezeichnet Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur, den Arbeitsmarkt als „sehr aufnahmefähig“.

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Marburgs Agenturleiter Volker Breustedt bereiten die Herausforderungen durch Flüchtlingsarbeitslosigkeit „keine kalten Füße“.

Quelle: Jens Büttner / dpa

Marburg. Trotz der weiter wachsenden Zahl arbeitsloser Flüchtlinge präsentiert sich der deutsche Arbeitsmarkt zum Spätsommer weiter robust.

Mit 2,684 Millionen Jobsuchern registrierte die Bundesagentur für Arbeit die niedrigste August-Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren, wie die Behörde am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Das waren 23.000 Erwerbslose mehr als im Juli, 
aber 111.000 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkte auf 6,1 Prozent. „Der Arbeitsmarkt hat sich weiter gut entwickelt“, kommentierte Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise die Zahlen.

Der hessische Arbeitsmarkt muss eine kleine Sommerflaute überstehen. Zwar waren im August 2644 mehr Menschen arbeitslos gemeldet als noch im Juli, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur Mittwoch berichtete. Dieser Anstieg sei aber saisonüblich, und die Zahlen sind auch deutlich besser ausgefallen als vor einem Jahr. Insgesamt waren im August 175.598 Frauen und Männer in Hessen arbeitslos, die Quote blieb unverändert bei 5,3 Prozent.

Ältere Arbeitslose haben derzeit gute Chancen

Im Landkreis stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Punkte auf 4,1 Prozent – demnach waren im August 5324 Menschen arbeitslos, das waren 3,7 Prozent oder 191 Personen mehr als vor einem Jahr. „Das ist eine relativ drastisch andere Entwicklung, als wir noch in den ersten beiden Quartalen gedacht hätten“, sagt Agenturleiter Volker Breustedt.

Obwohl sich die Arbeitslosenzahl erhöht habe, sei der 
Arbeitsmarkt jedoch in einer guten Verfassung und auch 
weiter aufnahmefähig, betonte 
Breustedt. „Denn bei den 
Arbeitslosen über 50 gibt es 
einen Rückgang.“

In dieser Personengruppe waren im August 1414 Arbeitslose gemeldet, „das sind 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Also sind auch ältere Menschen, die es in der Regel auf dem Arbeitsmarkt schwieriger haben, gut untergekommen.“ Gleiches gelte auch für die Langzeitarbeitslosen; ihre Zahl ging binnen Jahresfrist um 3,3 Prozent auf 1561 zurück.

„Wenn solche Arbeitsmarktgruppen noch eine positive Entwicklung nehmen zeigt sich, dass der Arbeitsmarkt noch nicht gesättigt ist und es positive Bewegung gibt“, konstatierte der Agenturleiter. Ursächlich für den Anstieg der Arbeitslosigkeit sei die Zahl der arbeitslosen Ausländer: 1360 waren im August arbeitslos gemeldet – 403 oder 42,1 Prozent mehr als im August vergangenen Jahres.

„Deswegen bekommen wir aber keine kalten Füße, denn der Arbeitsmarkt ist in der Lage, auch die Flüchtlinge aufzunehmen – aber es dauert“, ist sich Breustedt sicher. Vielmehr zeige sich nach einem Jahr, „dass die Geflüchteten nun bei uns in der Statistik angekommen sind – das zeigt aber auch, dass sie schon beraten wurden. Wir wissen also, was das Arbeitsmarktpotenzial dieser Menschen ist. Nun können wir gezielt qualifizieren und vermitteln.“

Ausbildungsmarkt ist weiter in Bewegung

Neu arbeitslos meldeten sich 1589 Personen, 14 oder rund 1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zuvor erwerbstätig waren 613 Personen gewesen, 31 weniger als vor einem Jahr. Parallel dazu konnten sich 1481 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 92 mehr als im August vergangenen Jahres.

Auch der Ausbildungsmarkt ist weiterhin in Bewegung: Es gibt noch 341 offene Ausbildungsstellen, denen 420 unversorgte Bewerber entgegenstehen. „Wir haben einen drastischen Einbruch von 4,7 Prozent an Bewerbern und ein leichtes Plus von 1,6 Prozent bei den Stellen. Das Minus wäre noch stärker, wenn nicht schon 52 Stellen durch Flüchtlinge besetzt worden wären.“

Die Ausbildungsbetriebe 
müssten leichte Abstriche bei der Besetzung ihrer Stellen 
machen und „nicht nur auf die Noten schauen, sondern sich die Bewerber genauer ansehen, sonst werden ihnen bald die Fachkräfte fehlen“, so Breustedt. Die Entwicklung sei 
„besorgniserregend“.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die das Kreisjobcenter (KJC) betreut, ist im August ebenfalls angestiegen. 3041 erwerbsfähige Leistungsberechtigte sind als arbeitslos registriert – 41 Personen oder 1,4 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 82 oder 2,8 Prozent erhöht. Die Quote der 
arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt bei 2,4 Prozent, zum Stichtag vor einem Jahr lag sie noch bei 2,3 Prozent.

Zachow erwartet Anstieg der Arbeitslosenzahl

„Es handelt sich um eine nicht ungewöhnliche leichte Steigerung in den Sommermonaten. Das ändert nichts an der nach wie vor guten Arbeitsmarktsituation. Dies ist auch eine Chance für die wachsende Anzahl von Flüchtlingen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige 
Dezernent Marian Zachow.

Viele Geflüchtete seien noch nicht beim KJC angekommen, sondern befänden sich in den Anerkennungsverfahren. „Wir gehen davon aus, dass sich ihre Zahl steigern wird und somit in den nächsten Monaten auch ein Anstieg der Arbeitslosenzahl zu erwarten ist“, betonte Zachow.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist im August indes gesunken, so dass weniger Menschen im Landkreis auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 102 oder 1,6 Prozent auf insgesamt 6396. Verglichen mit August vergangenen Jahres bedeutet dies aber einen Anstieg um 131 Bedarfsgemeinschaften oder 2,1 Prozent.

Auch gibt es weniger erwerbsfähige Leistungsberechtigte im Vergleich zum Juli – ihre Zahl sank von 8326 auf 8212. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 0,8 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 65 Personen.

von Andreas Schmidt 
und unserer Agentur

 
 
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