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Wunsch nach „abgefedertem Übergang“

Renten-Regelung Wunsch nach „abgefedertem Übergang“

Knapp die Hälfte der Beschäftigten wünscht sich laut einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) für den Übergang in die Rente eine schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit.

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Pit Metz (links) und Dr. Ulf Immelt stellten die Ergebnisse zum Thema „Schrittweise in die Rente“ aus dem „DGB-Index Gute Arbeit“ vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Befragung „Schrittweise in die Rente“ zum „DGB-Index Gute Arbeit“. Besonders stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einem flexiblen Übergang demnach vor allem bei den Beschäftigten, deren Arbeitsalltag von schlechten Arbeitsbedingungen, Überstunden oder der Angst vor einer Kündigung geprägt ist.

Pit Metz und Dr. Ulf Immelt vom DGB Mittelhessen stellten die Ergebnisse der Befragung gestern vor. Für den DGB-Index seien repräsentativ und bundesweit 5823 Beschäftigte quer durch alle Branchen und Regionen befragt worden. „Für die Frage nach den flexiblen Übergängen wurde eine Teilmenge aus der Befragung ausgewählt:

Beschäftigte, die älter als 55 sind und mindestens 30 Wochenstunden arbeiten - das waren 379“, erläutert Immelt.

Als zentrale Aussage sei herausgekommen, „dass bei vielen Beschäftigten der Wunsch nach flexiblen Übergängen in die Rente da ist“, so Immelt. Auf der anderen Seite „gibt es aber für die, die den Wunsch nach einem flexibleren Übergang haben, nur für 25 Prozent vonseiten der Betriebe auch die Möglichkeiten“, so Immelt weiter.

Besonders schwierig aus der Sicht des DGB: Vor allem in Berufen des produzierenden Gewerbes und in Pflegeberufen sei der Anteil der Menschen, die gerne schrittweise ihre Arbeitszeit reduzieren wollten, besonders hoch. „Aber gleichzeitig wird dort besonders selten ein Modell angeboten“, weiß Immelt. Wesentlich besser sei die Situation im Bildungsbereich.

Pit Metz verdeutlichte: „Beim vorzeitigen Übergang in die Rente denkt man immer an die schweren körperlichen Belastungen. Aber jenseits davon gibt es auch Branchen mit psychischen Belastungen, die mindestens genauso schwer wiegen“, sagt er.

Schlechte Bedingungen führen zum Ausstiegswunsch

Die Befragung zeige auch, dass ungute Arbeitsbedingungen vermehrt zu Ausstiegswünschen führten: Demnach würden 77 Prozent gerne vorzeitig in den Ruhestand gehen, die sich häufig Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen, aber auch 62 Prozent der Angestellten, deren Vorgesetzte die Arbeit nur in geringem Maß oder gar nicht gut planen.

Auch wer sich stark bei der Arbeit hetzen muss oder eine Arbeitsverdichtung erlebt, würde gerne einen schrittweisen Übergang in die Rente in Anspruch nehmen. „Angesichts der demografischen Entwicklung einerseits die Erfahrung und Kompetenz im Betrieb zu halten und andererseits dieser Altersgruppe einen sozial abgefederten, schrittweisen Übergang in das Rentendasein zu ermöglichen - dafür reichen die bisherigen Instrumente nicht sinnvoll aus“, sagt Metz.

Diese seien flexible Übergänge in die Altersteilzeit, ein Alters-Flexigeld oder auch eine Teilrente. „Somit wäre eine altersgerechte Arbeit, von der Wissenschaftler mittlerweile reden, möglich“, so Metz.

Arbeitsgruppe im Bund berät über Modelle

Bis Ende des Jahres berate laut DGB nun eine Arbeitsgruppe der großen Koalition über den möglichen Umgang mit der „Teilrente“. „Sperrfeuer gegen eine Teilrente ab 60 kommt dabei vor allem aus dem Lager von Union und Arbeitgebern“, teilt der DGB mit. „Flexibilisieren ja - aber bitteschön nur nach oben. Soll heißen, nur für das Arbeiten über die Altersgrenze hinaus sollen die Rahmenbedingungen verbessert werden“, so der DGB. Dafür sollten die Arbeitgeber von Rentenbeiträgen für ältere Arbeitnehmer befreit werden. Positive Signale gebe es hingegen von der SPD: Sie könne sich die Teilrente ab 60 vorstellen. Zunächst wolle man die verschiedenen Modelle aber durchrechnen.

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