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Wollmarer Erfindung ordnet das Chaos

Rapido Schubladensystem Wollmarer Erfindung ordnet das Chaos

Ordnung durch Schubladen in jedem Schrank: Schreiner Ralf Hofmann hat ein System erfunden, mit dem sich die Helfer nachträglich ganz leicht einbauen lassen.

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Schreiner und Erfinder Ralf Hofmann zeigt, wie leicht sein „Rapido Schubladensystem“ einzubauen ist.

Quelle: Andreas Schmidt

Wollmar. Ralf Hofmann war es leid: Er hatte ein Haus gekauft, in dem eine Küche war. Doch da gab es ein Problem: „Ich koche sehr gerne, aber in der Einbauküche gab es nur einen einzigen Schubladenunterschrank.“ Die Folge: Häufig musste er die Töpfe, die er benötigte, aus den Schränken hervorkramen, „auch aus dem letzten Winkel“.

Das war dem Schreiner zu mühselig – doch ein kompletter Umbau der Küche war ihm zu aufwendig. Es musste also eine andere Lösung her. Und so kam Hofmann die Idee, nachträglich die Schränke mit Schubladen zu versehen. Und zwar mit einem modularen „Schrank-in-Schrank“-System. „Die Idee kam mir einfach so“, sagt der Erfinder.

Am Design des Schranks ändert sich nichts

Das war die Geburtsstunde seines „Rapido Schubladensystems“. Hofmann erläutert: „Ich habe einen Einsatz konstruiert, der nachträglich in jeden Schrank eingebaut werden kann.“ Und in diesen Einsätzen, die einfach mit zwei Schrauben befestigt werden, befinden sich die Schubladenschienen.

In der Praxis funktioniert das Ganze so: Bodenbretter des vorhandenen Schranks herausnehmen, Korpus in den Schrank einschieben, festschrauben und Schubladen einhängen – fertig. Am Design des bisherigen Schranks ändert sich nichts, die Türen bleiben erhalten.„Es gehen auch nur wenige Zentimeter Fläche verloren. Aber mit dem System hat die Sucherei ein Ende“, sagt Hofmann.

Und: Die Schubladen, die sich dank Vollauszug bis zum letzten Zentimeter aus dem Schrank ziehen lassen, sind mit einem Gewicht von bis zu 50 Kilogramm belastbar. Mittlerweile hat nicht nur Hofmann selbst seine Erfindung in der Küche montiert. Vielmehr besteht eine bundesweite Nachfrage. Denn auch das Erfindermagazin „Einfach genial“ des Mitteldeutschen Rundfunks hat über das System bereits berichtet.

Und der Wollmarer Schreiner hat das System weiterentwickelt: Mittlerweile rüstet er nicht nur Küchenschränke um. „Es lässt sich nahezu jeder Schrank mit Schubladen versehen“, weiß er. Selbst alte Möbel gewinnen so an Funktionalität – behalten aber ihr Äußeres.

CNC-Fertigung ermöglicht günstige Maßanfertigung

„Das ist genau das, was ich gesucht habe“, sagt auch Karl Dersch, der sich in der Schreinerei über das System informieren will. Der Amönauer habe den Fernsehbeitrag gesehen – und suchte genau eine solche Lösung für den heimischen Kleiderschrank.  „Schon als wir den Schrank gekauft haben, hat man uns Schubladen angeboten. Aber die waren viel zu teuer“, erzählt er. Doch nun vermisse er den zusätzlichen Komfort doch – da sei der Fernsehbeitrag gerade recht gekommen.

Jedes „Rapido“-System ist eine Maßanfertigung – dennoch kostet es kein Vermögen: Das Standard-Element mit bis zu drei Schubladen verkauft der Schreiner für 199 Euro. Möglich macht dies die moderne CNC-Fertigung, durch die eine weitestgehende Automatisierung der Produktion erfolgt. Einen sechsstelligen Betrag hat er laut eigenen Angaben investiert. So müssen Hofmann und sein Mitarbeiter Benjamin Müller lediglich die Endmontage vornehmen und können eine große Stückzahl produzieren. Danach werden die Systeme kommissioniert und versendet – größtenteils vormontiert.

Doch für Kunden, die die laut Hofmann „kinderleichte Montage“ scheuen, bietet er durch Partnerfirmen diesen Service an. Die Idee dazu sei ihm gekommen, weil es mittlerweile auch einen großen Anteil körperlich eingeschränkter Kunden gebe.

Pflegekassen bestätigen den Nutzen

Denn: Das Schubladensystem vereinfacht auch Hilfebedürftigen den Alltag. Durch die Vollauszüge der Schubladen erreichen auch sie die Gegenstände im hintersten Winkel. Das ermögliche etwa Blinden das Abtasten des gesamten Schubladeninhalts, ohne den Schrank komplett ausräumen zu müssen.

Dies haben auch die Pflegekassen erkannt: So hat etwa das Pflegebüro Marburg Ralf Hofmanns Erfindung als Option zur Verbesserung des Wohnumfelds aufgenommen. Auch die Hessische Fachstelle für Wohnberatung der Arbeiterwohlfahrt empfiehlt das System ebenso wie die Conterganstiftung oder der Verein „Barrierefrei Leben“.

Für Verbesserungen des Wohnumfelds können Kosten von bis zu 4000 Euro ohne Zuzahlung von der Pflegeversicherung übernommen werden – das letzte Wort hat aber immer der Leistungsträger, mit dem solche Umbauten zuvor abzuklären sind.

von Salome Fischer 
und Andreas Schmidt

 
Ralf Hofmann und sein Mitarbeiter Benjamin Müller an der CNC-Maschine. Foto: Andreas Schmidt
 
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