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„Wollen Schulen nicht von oben beglücken“

„Critical Friends“ „Wollen Schulen nicht von oben beglücken“

Wie kann das Konzept der Gesundheitsförderung an Schulen gestaltet werden? Damit beschäftigt sich die internationale Expertenrunde „Critical Friends“, die kürzlich in Marburg zu Gast war.

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Eingebettet war die Tagung in ein Rahmenprogramm, das die angehenden Betriebswirte der Käthe-Kollwitz-Schule organisiert hatten – inklusive Verkleidung.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Die „Critical Friends“ sind rund 30 Experten aus Hessen, der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Südtirol, die gemeinsam grundlegende und zukunftsweisende Ideen und Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung des Konzepts der Gesundheitsförderung an Schulen erarbeiten.

Bereits seit 2009 tagt die Runde in regelmäßigen Abständen und erarbeitet Rückmeldungen zu Konzepten der schulischen Gesundheitsförderung. Bernhard Drude, leitender Schulamtsdirektor in Marburg, lud für das Hessische Kulturministerium die „Critical Friends“ nach Marburg ein, um Ideen zu entwickeln, mit denen es Schulen gelingen kann, das Konzept der Gesundheitsförderung nachhaltig zu gestalten.

Bernhard Drude erläutert die Vorteile der Expertenrunde: „Man kann mit den Ergebnissen, die nach den drei Tagen in Arbeitsgruppen erstellt wurden, direkt etwas anfangen.“ Das habe sich schon bei der ersten Runde in 2009 herauskristallisiert, worauf man die Expertenrunde beibehalten habe.

Gesundheitsfrage in der Schule spielen große Rolle

Für den Termin in Marburg waren aber nicht nur die „Critical Friends“, sondern auch die staatlichen Schulämter Hessens eingeladen. „Fokus war, dass man einen sogenannten ,Think Tank‘ etabliert hat, in dem diskutiert wurde, wie wir bei ganz bestimmten Aspekten der Gesundheitsförderung in Schulen aufgestellt sind“, verdeutlicht Drude.Wie muss ein Qualitätssystem der Schule aufgestellt sein, damit es gesundheitsfördernd wirkt? – Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich eine Gruppe.

Eine weitere Arbeitsgruppe, die laut Drude den stärksten Zuspruch fand, beschäftigte sich mit der Gesundheit von Lehrkräften und Schulleitung. „Jeder weiß, welche Punkte die Lehrergesundheit im System Schule beeinflussen: Das Arbeitsklima, Transparenz – also die klassischen Themen, die auch in Betrieben gelten“, verdeutlicht Drude. Zwar sei dies theoretisch bekannt, „die Punkte werden aber nicht an allen Schulen so gelebt, dass es im Alltag sofort erkennbar wird, dass sich die Schulorganisation darum kümmert“, weiß der Schulamtsdirektor.

Zwei Schulen im Landkreis seien erst mit dem „Gesamtzertifikat Gesundheitsfördernder Schulen“ ausgezeichnet worden: Die Käthe-Kollwitz-Schule und die Kaufmännischen Schulen. „Die Käthe-Kollwitz-Schule ist für uns ein Paradebeispiel, wie man Schulentwicklung unter dem Primat der Gesundheitsförderung sinnvoll betreiben kann“, sagt Drude.

Die These sei: Wenn die Schulleitung gesund sei und darauf achte, dass die Lehrkräfte gesund seien, dann finde ein Unterricht statt, der auch die Schülergesundheit im Auge behalte. Eine dritte Arbeitsgruppe der „Critical Friends“ untersuchte, wie sich die gesundheitsfördernden Aspekte auf andere Themen in Schulen auswirken – etwa auf die Ganztagsschule.

Zielführend: Austausch in Arbeitsgruppen

Die Teilnehmer der drei Gruppen besuchten dabei auch zahlreiche Schulen im Landkreis, um sich mit deren Schulleitern auszutauschen. Am zweiten Tag schalteten sich zudem Doktoren und Professoren verschiedener Universitäten per Videokonferenz zu – „dadurch gab es einen direkten Austausch mit den Arbeitsgruppen, der äußerst zielführend war“, resümiert Drude.

Ein Ergebnis der Tagung: Es müsse in Hessen viel konsequenter der vorhandene Referenzrahmen für Schulentwicklung umgesetzt werden. „Dort sind schon viele gesundheitsfördernde Aspekte vorgegeben, diese müssen konsequent gelebt werden“, fasst Drude zusammen. Nur so sei eine gewisse Transparenz gegeben – „und dort muss auch der Aspekt der Gesundheitsförderung verankert werden“. Nicht nur in der Theorie, sondern im Alltag.

Auch die Ausbildung von Lehrkräften sowie die Qualifizierung der Schulleitung müsse stärker die Bedeutung der Gesundheitsförderung berücksichtigen. „Wenn einem Schulleiter die Gesundheitsförderung nicht bewusst ist, kann er keine gute Schulentwicklungsarbeit leisten“, so die Überzeugung.

Müssen Schulleiter also zum perfekt organisierten Manager werden? „Beim Schulleiter geht es zumindest nicht mehr darum, dass er selbst guten Unterricht macht“, sagt Drude. „Vielmehr muss er dafür sorgen, dass die anderen guten Unterricht machen können.“ Das Schulamt biete aus diesem Grund Fortbildungen an, zudem gebe es die Forderung, dieses Thema auch in die Fortbildungen der Führungsakademie aufzunehmen.

Auf dem Stundenplan: Gastronomie zum Erlebnis machen

Aber Drude sagt auch: „Die Erkenntnis muss von unten, von den Lehrern kommen. Wir wollen als Schulamt die Schulen nicht ,beglücken‘, denn die Schulen werden von oben schon genug beglückt.“ Und ein drittes Ergebnis der Tagung: Die Schulen müssen sich vernetzen.

Eingebettet war das Treffen der „Critical Friends“ in ein Rahmenprogramm, das zum großen Teil von den angehenden Betriebswirten der Käthe-Kollwitz-Schule organisiert worden war. Dafür wurde ihnen ein Budget vorgegeben und sie mussten innerhalb von sechs Wochen im Projektunterricht Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle des erlebnisgastronomischen Programms übernehmen.

Ob Stadtführung mit kulinarischem Programm unter dem Motto „Hessen“ in stilechten Kostümen im Lomonossow-Keller, ein Abend unter dem Motto „Märchen der Brüder Grimm“ mit Märchenmenü und Weihnachtsmarkt oder die gesundheitsförderliche Schulverpflegung beim „Veggieday“ an der Schule – die Gäste waren begeistert.

Drude resümierte: „Grandios, das ist das passende Wort, um die Arbeit der Studierenden zu beschreiben. Das Gesamtpaket hat gestimmt: von den Kostümen über die Lokationen bis hin zum Essen. Die gute Stimmung an den Abenden sowie die Begeisterung der Studierenden haben sich sehr positiv auf die Arbeitsergebnisse ausgewirkt.“

von Andreas Schmidt

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