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Wodka-Schmuggler handelt „Deal“ aus

Aus dem Gericht Wodka-Schmuggler handelt „Deal“ aus

Weil er sich an Steuerhinterziehung beteiligte, musste sich ein ehemaliger Neustädter vor dem Strafgericht verantworten. Er hatte den Schmuggel von 7700 Wodka­flaschen organisiert.

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Ein ehemaliger Neustädter hatte sich am Schmuggel von Wodka beteiligt – allerdings hatte er lediglich den Kontakt zum Lieferanten gehalten und wurde daher glimpflich bestraft.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Anstelle den gesamten Lieferumfang beim Zoll 
anzugeben, verrechneten die Schmuggler nur einen Bruchteil davon – so entstand ein Steuerschaden von rund 38.000 Euro. Seine Beteiligung gab der Angeklagte voll umfassend zu, er wurde wegen Steuerhehlerei zu einer Geldstrafe verurteilt.

Im Juli 2011 plante der Mann den Transport von insgesamt 9600 Wodkaflaschen zu einem Abnehmer in Herne. Auf der Rechnung tauchten dabei nur 1900 Flaschen auf, der Großteil der Lieferung wurde steuerlich nicht erfasst. Von seiner ehemaligen Wohnung in Neustadt aus besprach der 46-Jährige zuvor die Schmuggelfahrt mit seinen Komplizen, koordinierte von dort aus die Lieferung der Ladung. Damit umgingen die Schmuggler die Branntweinsteuer, prellten den Staat um rund 38.000 Euro.

Die beiden gesondert verfolgten Mittäter sind bereits verurteilt, der Prozess gegen den Dritten im Bunde vor dem Marburger Strafgericht gestaltete 
sich kurz: Bereits zu Beginn der Verhandlung befürwortete Verteidiger Matthias Cramer eine gerichtliche Verständigung, um die voraussichtlich komplizierte Verhandlung abzukürzen. Angesichts der wohl ausgiebigen Verhandlungen der Komplizen könne man sich auch in Marburg „auf eine schwere Beweisaufnahme einstellen“, so der Anwalt.

Angeklagter überlegte, 
in Geschäft einzusteigen

Darüber hinaus laufe derzeit ein weiteres Verfahren gegen den Angeklagten in Paderborn, das als gesamtstrafenfähig gilt. Gegen diesen Strafbefehl legte die Verteidigung Einspruch ein, den man jedoch zurücknehme, um das Marburger Urteil zu akzeptieren, so der Anwalt.

Ein weiterer Pluspunkt für den Angeklagten war der lange zurückliegende Tatzeitraum – daher stimmte auch Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer einer Verständigung zu. Der Deal: gegen ein volles Geständnis des Beschuldigten werde das Strafmaß eine Geldstrafe von maximal 120 Tagessätzen nicht übersteigen.

Der Angeklagte räumte den Vorwurf schließlich ein, „das stimmt so“, erklärte der Familienvater. Er war mit seinen beiden späteren Komplizen und Produzenten des scheinbar billigen Alkohols bereits gut bekannt, der Arbeitslose überlegte, selber ins Wodka-Geschäft einzusteigen. Aus gesundheitlichen Gründen könne er seit einiger Zeit nicht mehr arbeiten, die Ehefrau ernährt die vierköpfige Familie.

Eine finanzielle Belohnung für seine Beteiligung an dem Deal habe er nicht erhalten, wohl aber die Aussicht, sich künftig am Geschäft beteiligen zu können. Dass es sich bei der organisierten Lieferung um Steuerhinterziehung handeln könnte, rund 7700 Flaschen nicht steuerlich erfasst wurden, war ihm bewusst.

Urteil pendelt sich zwischen Anträgen ein

„Ihm war klar, dass da etwas nicht ganz richtig läuft“, erklärte der Verteidiger. Im Gegensatz zu seinen bereits einschlägig vorbestraften Komplizen habe der Angeklagte bei der Tat lediglich eine untergeordnete Rolle gespielt, hielt den telefonischen Kontakt zu dem Lieferanten, war selber jedoch nicht vor Ort. Der stand zur 
Tatzeit ebenfalls wegen eines früheren Gewaltdelikts unter Bewährung. Die Strafe wurde ihm mittlerweile erlassen.

Das Geständnis beurteilte der Staatsanwalt als „schlüssig und glaubhaft“. Der Mann habe gewusst, dass etwas im Argen lag und damit vorsätzlich gehandelt, betonte Willanzheimer, der sich für eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro aussprach. Um 50 Tage unterbot die Verteidigung die geforderte Strafhöhe: Bei dem Beschuldigten hätten die strafmildernden Gesichtspunkte „die Oberhand behalten“, der Angeklagte „das Ganze nur vermittelt“, erklärte der Rechtsanwalt.

Strafrichter Thomas Rohner 
entschied schließlich, dass 100 Tagessätze à 15 Euro ausreichend für den arbeitslosen Mann und die wackelige finanzielle Situation seiner Familie seien. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wird das gesamte Strafmaß noch um die Strafhöhe aus dem Paderborner Prozess ergänzt werden.

von Ina Tannert

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