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Wirtschaftsjunioren neu aufgestellt

Junge Unternehmer Wirtschaftsjunioren neu aufgestellt

Nach dem großen Untreuefall des ehemaligen Kassenwarts wollen die Wirtschaftsjunioren nun mit einem neuen Vorstand und geänderter Satzung den Verein stärken. Die OP hat die Vorstandsmitglieder getroffen.

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Die Marburger Wirtschaftsjunioren haben einen neuen Vorstand: Innokentij Vikhorev (von links), Oliver Marquardt, Floriane Pfeiffer-Ditschler und Jan Wepler. Daneben Kerstin von Heemskerck von der IHK.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Es ist eine nette Runde, die sich an diesem warmen Frühlingstag auf der Terrasse im Bückingsgarten getroffen hat. Man lacht viel. Die Stimmung wirkt freundschaftlich, locker, beinahe gelöst. Es ist wie die Ruhe nach dem Sturm, der durch die Veruntreuung des ehemaligen Kassenwarts durch den Verein getobt ist.

„Es gab viel Unruhe. Der Untreuefall hat viel durcheinandergewirbelt“, sagt der neu gewählte Vorstandsvorsitzende Oliver Marquardt von Marquardt+Companie rückblickend auf das letzte Jahr. „Wir haben uns ganz bewusst dieser Problematik angenommen und Maßnahmen ergriffen, um das Vertrauen auch innerhalb des Vereines wiederherzustellen“, sagt der 33-jährige Kommunikationsdesigner.

Die Marburger Wirtschaftsjunioren, denen derzeit rund 50 Unternehmer und Führungspersonen aus Stadt und Landkreis Marburg-Biedenkopf angehören, sind seit Ende 2014 ein eingetragener Verein mit neuer Satzung. Zwei Drittel der Mitglieder seien bereits sukzessive beigetreten. Tendenz steigend. „Die Mitgliederzahlen nehmen praktisch täglich zu, weil die Mitglieder des nicht eingetragenen Vereins dem nun eingetragenen Verein beitreten“, erklärt Kerstin von Heemskerck, Industriereferentin bei der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg.

Vier-Augen-Prinzip hat sich bewährt

Ein recht aufwendiges, aber notwendiges Prozedere, wie Marquardt betont: „Die vorherige Vereinsform ließ einfach zu viele Risiken zu.“ Im Verein gebe es nun wesentlich bessere Kontrollmechanismen. So haben sich zum Beispiel die Regeln der Kassenprüfung geändert. Diese soll nicht mehr nur von einer Person, sondern von zwei Personen durchgeführt werden, die zudem alle zwei Jahre neu gewählt werden.

Bereits zwei Kassen wurden unter diesem „Vier-Augen-Prinzip“ geführt. Das Ergebnis: „Es hat sich auf den Cent bewährt“, so Floriane Pfeiffer-Ditschler, die als einziges Mitglied aus dem alten Vorstand verblieben ist. Die Geschäftsführerin der Marburger Haus- und Grundstücksverwaltung und derzeitige Kassenprüferin hält dieses Vorgehen nicht nur deshalb für geeignet, um zu überprüfen, ob die Kasse stimmt, sondern auch, um „zu verhindern, dass sich ein blindes Vertrauen einschleicht“. Dieses wäre den Wirtschaftsjunioren bereits zum Verhängnis geworden.

Neben der Vergangenheitsbewältigung ist es dem Vorstand aber auch wichtig, gezielt nach vorne zu blicken und die Attraktivität des Vereins zu stärken. Die Marschrichtung skizzieren sie dabei vor allem mit einem verstärkten Fokus auf die Mitglieder und intensivierte Netzwerkveranstaltungen. Vorträge mit Fachreferenten, aber auch gemeinsame Ausflüge sind geplant. „Eine Mischung aus Information und Netzwerken“, fasst Marquardt zusammen. Auch die Kontakte zur regionalen Politik und Wirtschaftsförderung sollen weiter verbessert werden.

Reger Austausch soll Fehler verhindern

„Es geht nicht mehr nur darum, etablierten Betrieben stabile Rahmenbedingungen zu schaffen. Genauso wichtig ist es, dass wir in Marburg eine dynamische Gründerszene ermöglichen“ ergänzt Innokentij Vikhorev. Marburg berge seiner Meinung nach viel Potenzial. „An der Universität gibt es viele kluge und kreative Köpfe“, beobachtet er. „Viele gehen allerdings auch und nehmen ihr Wissen mit“, bedauert Pfeiffer-Ditschler.

Um die Gründerszene zu stärken, möchte der Verein zum einen Wissen vermitteln. „Es gibt am Anfang so viel, was man falsch machen kann“, weiß Innokentij Vikhorev, der sich selbst mit 24 Jahren selbstständig gemacht hat und heute Geschäftsführer des Cappeler Unfallgutachterunternehmens KFZ Expert ist. „Es gibt aber auch so viel, was man richtig machen kann, wenn man einen Tipp bekommt von jemandem, der das schon durchlebt hat.“ Er habe selbst erfahren, dass Austausch hilft und ist gern bereit, sein Wissen weiterzugeben.

„Gründer sind bei uns übrigens herzlich willkommen”, so Marquardt. Wer die Altersgrenze von 40 Jahren überschreitet, hat die Möglichkeit, als Fördermitglied dem Verein weiter anzugehören. Zahlreiche Mitglieder nutzen bereits diese Möglichkeit und bereichern somit das Netzwerk der Wirtschaftsjunioren Marburg.

Der Vorstand appelliert zum anderen aber auch einstimmig an die Kommunalpolitiker sich mehr für die jungen Marburger Gründer einzusetzen. „Es geht nicht um die Frage, was machen die Startups für uns, sondern was können wir für Start-ups tun?“, sagt Jan Wepler, Inhaber eines familiengeführten Traditionsunternehmens. „Es fließt ja zurück.“

von Ruth Korte

 
Vorstand
Nach vier Jahren übergab der ehemalige Vereinsvorsitzende Christopher Althaus bei der Jahreshauptversammlung der Wirtschaftsjunioren sein Amt an Oliver Marquardt. Unterstützt wird er von Innokentij Vikhorev von KFZ Expert, Jan Wepler von Wepler Werkzeuge und Floriane Pfeiffer-Ditschler von der Marburger Haus- und Grundstücksverwaltung, die als einziges Mitglied aus dem alten Vorstand verbleibt.
 
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