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„Wirtschaftlicher Erfolg ist kein Selbstläufer“

Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel „Wirtschaftlicher Erfolg ist kein Selbstläufer“

Das heimische Handwerk ist gut ins neue Jahr 
gestartet und blickt positiv in die Zukunft – so das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel.

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Handwerkskammer-Präsident Heinrich Gringel (von links) und Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher stellten in den Räumen der Firma Elektro Peil gemeinsam mit Jörg Peil den aktuellen Geschäftsklimaindex vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Der Winter ist recht mild ausgefallen, die Wirtschaft boomt weiter – das kommt auch dem heimischen Handwerk zugute. „Die Wirtschaftsforscher rechnen für dieses Jahr um eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 1,6 Prozent“, 
betonte Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, am Dienstag bei der Vorstellung der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Kammer.

„Das Wachstum wird vor allem durch die Binnenkonjunktur und dort durch den privaten Konsum 
getragen“, sagte Gringel – „viele Verbraucher können sich mehr leisten, das ist ein Tragpfeiler für das Konsumklima und daher auch für unser Handwerk ganz wichtig“, betonte der Präsident.

Betriebe erwarten positive Entwicklung

Zwar sei die aktuelle Dynamik der Binnenkonjunktur sehr erfreulich, aber es bestehe „kein Grund zur Selbstgefälligkeit“, mahnte Gringel: „Wirtschaftlicher Erfolg ist kein Selbstläufer.“ Dennoch werde sich die lange Aufschwungphase seit 2010 auch in diesem Jahr fortsetzen, ist er sich sicher. „Mehr als acht von zehn Befragten gaben an, dass ihre Geschäftslage von Januar bis März gut oder zufriedenstellen war – und insbesondere der Anteil der Gut-Meldungen bewegt sich mit 31,4 Prozent auf einem sehr hohen Niveau.“

Dementsprechend positiv schätzten die Betriebe auch ihre Entwicklung in den kommenden Monaten ein: So erwarten 87,3 Prozent der 800 befragten Betriebe gute oder befriedigende Geschäfte – im Vorjahr lag der Wert noch bei 82,5 Prozent.

„Das ist schon Wahnsinn – wir nähern uns der 90-Prozent-Marke, so gute Zahlen gab es zuletzt kurz nach der Grenzöffnung“, resümierte der Kammerpräsident. In der Folge legte auch der Geschäftsklimaindex kräftig zu: Er stieg binnen Jahresfrist von 113 auf 118,4 Punkte – und ist somit der beste Frühjahrswert seit 1992.

Doch Gringel verdeutlichte 
auch, dass nicht alle Branchen gleichermaßen vom Aufschwung profitieren: Träger der Konjunktur seien in erster Linie die Ausbaubetriebe oder die industriellen Zulieferer sowie die Gesundheitshandwerke.

Gringel plädiert für öffentliche Investitionen

Unzufriedener waren indes die Befragten im Bauhauptgewerbe, was laut Gringel jedoch vor allem dem Winter geschuldet war. Ebenfalls eher negativ präsentieren sich die Kfz-Betriebe und auch das Nahrungsmittelhandwerk, „dort konnten die Betriebe den positiven Trend der vergangenen Monate nicht mitnehmen“. Deutlich gedämpft bleibt die Stimmung demnach auch im privaten Dienstleistungsgewerbe, wie etwa den Friseuren – dort waren die meisten negativen Stimmen zu hören.

Gerade für das Bauhauptgewerbe plädierte Gringel für mehr öffentliche Investitionen – „manche Straßen sind in einem solch desolaten Zustand, da darf man kein Gebissträger sein“. Die Auftragslage und Zahl der Beschäftigten war im ersten Quartal leicht rückläufig – dies sei aber ebenfalls saisonal bedingt.

Im Durchschnitt hätten die befragten Betriebe zwischen Januar und März über ein Auftragsvolumen von 6,6 Wochen verfügt. Über alle befragten Branchen hinweg berichteten 19 Prozent der Betriebsinhaber von gestiegenen und 50 Prozent von gleichgebliebenen Auftragseingängen. Die durchschnittliche Betriebsauslastung lag in diesem Zeitraum bei 75,6 Prozent – in Vergleich zu 72,7 Prozent im Vorjahr.

Die Umsätze der Betriebe waren im Vergleich zum Vorquartal rückläufig – aber besser, als im Frühjahrsquartal 2015: 33,9 Prozent der Handwerker beklagten Umsatzeinbußen, 11,9 Prozent hatten indes einen besseren Umsatz, 52,4 Prozent der Befragten gaben an, dass die Umsätze auf dem Vorquartalsniveau geblieben seien.

Fachkräfte sind auf dem Markt nur schwer zu finden

Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher bestätigte diese Tendenzen für die Handwerker im Landkreis. Er wertete es als positiv, dass Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) trotz aktueller Haushaltssperre angekündigt habe, „dass das Schulsanierungsprogramm umgesetzt wird, wenn es irgendwie möglich ist. Dies ist ja auch als Konjunkturprogramm für das heimische Handwerk gedacht“, sagte Limbacher. Auch wolle die Stadt ihre Vergabepraxis weiter auf das Handwerk ausrichten.

Sorgen bereite den Handwerkern weiterhin der Fachkräftemangel. „Wir nähern uns der Vollbeschäftigung – eine Fachkraft zu bekommen ist schon fast wie ein Sechser im Lotto“, sagte er. Ähnlich sehe die Lage 
bei den Auszubildenden aus – es mangele an „ausbildungsfähigen“ jungen Leuten.

In puncto Flüchtlinge sei Limbacher immer noch sehr euphorisch, „aber die Schnelligkeit werden wir nicht erreichen können: Die älteren Flüchtlinge 
 setzen nicht auf Ausbildung, sondern wollen einfach Geld verdienen. Und die Jungen, auf die wir bauen müssen, müssen zunächst so weit gebracht werden, dass sie dem Berufsschulunterricht folgen können.“

von Andreas Schmidt

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