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„Wirtschaft entwickelt sich besser als erwartet“

Konjunkturumfrage der IHK „Wirtschaft entwickelt sich besser als erwartet“

Eine hohe Binnen-Nachfrage und gute Exportzahlen sorgen für eine 
positive Stimmung bei den heimischen Unternehmen, wie die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) belegt.

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Niedrige Zinsen, wenig Inflation: Das regt die Kauflaune der Verbraucher an und führt zu einer starken Inlandsnachfrage.

Quelle: Daniel Reinhardt / dpa

Marburg. „Das Wirtschaftsjahr 2015 entwickelt sich aktuell im Kammerbezirk noch besser als erwartet“, sagt IHK-Geschäftsführer Thomas Rudolff. Die Unternehmen in Marburg und Nordhessen vermeldeten bei der aktuellen Lagebeurteilung hervorragende Zahlen. Und auch für die kommenden Monate seien die Aussichten recht gut – doch es lauerten auch Gefahren.

„Aktuell geht es kaum besser. Die Benzinpreise sind moderat, die Löhne steigen angemessen. Das stärkt die Binnen-Nachfrage. Der Euro-Dollar-Wechselkurs stärkt wiederum den Export, und dieser ist wichtig für die heimische Industrie“, so Rudolff.

Alle konsumtiven Bereiche vermeldeten laut der Umfrage gute Zahlen. Zurückzuführen sei dies auf eine starke Binnennachfrage. Das Gleiche gelte für den industriellen Sektor: Die gut aufgestellte mittelständische Industrie vermelde ebenfalls gute bis sehr gute Zahlen. Hier ist weiterhin der Export Wachstumstreiber.

Sprecher sieht gefährliche Gemengelage

„Wir bleiben aber bei unserer vorsichtigen Wachstumsprognose von gut einem Prozent für das Gesamtjahr, da durchaus einige Störfaktoren im dritten und vierten Quartal zu erwarten sind“, gibt sich Thomas Rudolff etwas zurückhaltend.
Das fange mit den USA an, deren Wachstum aktuell unter den Prognosen liege, und gehe über sinkende Wachstumsraten in China und die Ukraine-Krise weiter.

Dieses prognostizierte „Schwächeln der Weltwirtschaft“ sieht Rudolff als eine Eintrübung am Horizont. „Gerade Nordhessen und Marburg haben einen überdurchschnittlichen Industriebesatz ,made in Nordhessen‘ und Marburg ist auf den Weltmärkten zu Hause. Wenn dann noch hausgemachte Störfeuer aus der Politik hinzukommen, dann gibt das eine gefährliche Gemengelage“, betont der IHK-Sprecher.

Mit „Störfeuer“ bezieht er sich auf den Mindestlohn, den Rudolff als „bürokratisches Monster“ bezeichnet. Es gehe aber nicht um die Höhe des Mindestlohns, „sondern einfach um die Handhabung. Die Gastronomie kann davon ein Lied singen. Ich gehe davon aus, dass die Auswirkungen bei einer rückläufigen Konjunktur schnell sichtbar werden und gerade im ländlichen Raum der eine oder andere Gasthof auf der Strecke bleiben wird“, verdeutlicht Rudolff. Insgesamt sei das Vertrauen „in die wirtschaftspolitische Kompetenz der Politik stark zurückgegangen“.

Kleine Kreditinstitute leiden unter Zinsflaute

Erschreckend sei indes die Situation bei den Kreditinstituten. „Wie will man in diesem Niedrigzinsumfeld eine vernünftige und nachhaltige Geschäftspolitik betreiben? Hier wird es sicher zu weiteren Konzentrationen kommen“, ist sich Rudolff sicher.

Ausgerechnet die kleinen Kreditinstitute, die weder Zinsmanipulationen, riskante Terminkontrakte und undurchsichtige Hedge-Fonds-Aktivitäten vorgenommen hätten, „scheinen nun mit ihrer Ertragsschwäche die Fehler der ,Großen‘ bezahlen zu müssen. Bleibt das niedrige Zinsumfeld erhalten – wovon aktuell auszugehen ist – dann wird es zu deutlichen Anpassungsreaktionen im Kreditsektor kommen“. Dabei bezeichnet Rudolff vor allem die heimischen Kreditinstitute als wichtig, sie seien „die Transmissionsriemen für die Wirtschaft“.

Die IHK Kassel-Marburg hat rund 74.000 Mitgliedsunternehmen. 457 davon haben für den Frühsommer-Konjunkturbericht der IHK Auskunft gegeben.

von Andreas Schmidt

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