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„Wir wollen unter die Top-Fünf kommen“

Schoeller-Geschäftsführer nennt nächste Ziele „Wir wollen unter die Top-Fünf kommen“

Mit dem Zukauf von weiteren Firmen soll Schoeller Electronics langfristig zum Kern einer europäischen Leiterplattenhersteller-Gruppe werden.

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Bei Schoeller Electronics überprüft Frederik Kirchhoff die geätzte Außenlage einer Platine.

Quelle: Andreas Schmidt

Wetter. Noch ist der Verkauf von Schoeller Electronics in Wetter nicht gänzlich vollzogen, wie Geschäftsführer Michael Keuthen im Gespräch mit der OP erläutert. Die Verträge seien unterzeichnet – „das Kartellamt muss aber noch zustimmen“, sagt Keuthen. Diese Zustimmung erwarte man in den kommenden drei Wochen, am 1. August soll dann die neue „Schoeller Electronics Systems GmbH“ an den Start gehen.

„Wir folgen unserem Plan, den wir im Rahmen unseres Insolvenzplans erstellt haben“, sagt Keuthen. Mit diesem Insolvenzplan einher ging jedoch auch ein Personalabbau: „18 Mitarbeiter wurden zum 31. Mai in eine gegründete Transfergesellschaft freigesetzt – sozialverträglich und in enger, einvernehmlicher Absprache mit dem Betriebsrat“, sagt Keuthen. Zehn bis zwölf Monate – je nach Alter – bleiben die Mitarbeiter in der Gesellschaft bei 80 Prozent ihrer Bezüge.

Die noch verbleibenden 205 Mitarbeiter inklusive Auszubildenden und Aushilfen seien „die Mindestzahl an Mitarbeitern, die wir brauchen, um unsere Prozesse aufrecht zu erhalten“, verdeutlicht Keuthen. Das sei auch mit der Grund gewesen, dass der US-Investor AIAC von der Gläubigerversammlung den Zuschlag bekommen hatte. Denn es gab noch zwei weitere potenzielle Interessenten: Zum einen Keuthen selbst, der mit zwei Geldgebern das Unternehmen übernehmen wollte – und einen italienischen Investor.

Schoeller bewegt sich 
in der Hochtechnologie

„Unsere Aufgabe war, dafür zu sorgen, dass die Gläubiger bestmöglich entschädigt werden“, verdeutlicht Keuthen. „Wenn zwei externe Investoren deutlich mehr Geld auf den Tisch legen, dann erübrigt sich die Frage nach dem eigenen Plan“, sagt er. „Dann kann man nur noch dafür sorgen, dass der Plan mit dem richtigen Investor fortgesetzt wird – das ist gelungen.“ So habe etwa der italienische Investor 30 weitere Arbeitsplätze abgebaut – „dann sei hier keine gesicherte Fertigung mehr möglich gewesen“, sagt Michael Keuthen.

Für ihn ist klar: „Schoeller soll der Nucleus sein, um eine größere Leiterplattengruppe zunächst in Deutschland und dann in Europa aufzubauen.“ Dazu sei bereits eine Holding mit dem Titel „European Electronics Systems“ gegründet worden, unter der die Aktivitäten in der Leiterplattenindustrie gebündelt werden. „Dazu suchen wir noch Unternehmen mit besonderen Alleinstellungsmerkmalen – Schoeller war für diesen ersten Schritt extrem wichtig, weil wir im 
Bereich der Hochtechnologie unterwegs sind.“

Zwei weitere Unternehmen stünden bereits „kurzfristig in der Pipeline“, mit deren Kauf würde die Gruppe zum fünftgrößten Leiterplattenhersteller Deutschlands werden – „das ist unser erklärtes Ziel“, verdeutlicht Keuthen.

„Angedacht ist es, dem Kunden den kompletten Service aus einer Hand zu bieten: Von der Beratung und Entwicklung über die Prototypen-Herstellung bis hin zur Serienfertigung“, erläutert der Geschäftsführer. Wetter sehe man als fokussierten Standort für das Seriengeschäft, das Prototypen-Geschäft, in dem wesentlich kürzere Laufzeiten von unter 20 Tagen erwartet würden, käme dann an einem anderen Standort zum Tragen. ( Kleines Bild: Mittels einer beleuchteten Lupe wird in der Endkontrolle eine Platine untersucht. Foto: Schmidt)

Der neue Eigentümer bietet auch ein Stück Sicherheit. So seien mit dem Insolvenzplan sowohl Finanz- als auch Investitionspläne aufgestellt worden – in den kommenden 30 Monaten würden 3,7 Millionen Euro in den Standort Wetter investiert.

„Das sind alles schon Investitionen, die mit einem neu aufgebauten Produktionsmanagement-Systems einhergehen“, erläutert Keuthen. Ziel sei es, schlankere Konzepte zu realisieren, indem etwa Produktionssteuerung und -planung neu aufgesetzt werden – „um so letztendlich durch gezielte 
Investitionen eine Produktivitätssteigerung zu erreichen“.

So seien bereits in den vergangenen beiden Quartalen Maschinen im Wert von rund 900.000 Euro angeschafft worden, „zudem wurden schon Umbauten gestartet, die darauf abzielen, weitere Investitionen vorzubereiten“.

Auch dies habe den Investor AIAC überzeugt. „Der Investor glaubt an das Gesamtkonzept und hat langfristige Ziele – sonst hätte er wohl kaum in ein insolventes Unternehmen eine nicht unerhebliche Summe investiert“, sagt der Geschäftsführer. Über die Summe bewahrt er 
allerdings – wie vereinbart – Stillschweigen.

von Andreas Schmidt

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