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„Wir wollen Abbrüche vermeiden“

Initiative „Vera“ „Wir wollen Abbrüche vermeiden“

Eine gelungene Aus­bildung ist der Grundstein für den beruflichen Werdegang. Gibt es Probleme, begleitet die Initiative „Vera“ Jugendliche und will so Ausbildungs­abbrüche verhindern.

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Helmut Henkel, ehemaliger Kreishandwerksmeister, ist Regionalbeauftragter für das Projekt „Vera“.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. In Deutschland bricht jeder fünfte Jugendliche seine Ausbildung vorzeitig ab, oft schon im ersten Lehrjahr. Aus diesem Grund hat der „Senior Exerten Service“ (SES), eine Ehrenamtsorganisation für für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand, gemeinsam mit den Spitzenverbänden der deutschen Industrie, des Handwerks und der freien Berufe die Initiative „Vera“ aufgelegt.

„Vera“ steht für „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ und unterstützt jährlich rund 3000 Berufsstarter deutschlandweit bei Problemen – nach eigenen Angaben seien mehr als 80 Prozent der Begleitungen erfolgreich. Auf Wunsch stellt der SES Jugendlichen, die mit dem Gedanken spielen, ihre Ausbildung abzubrechen, berufs- und lebenserfahrene Senior-Experten zur Seite.

Einer dieser Experten ist Helmut Henkel: Dem ehemaligen Kreishandwerksmeister und Firmen-Inhaber liegt die Ausbildung der jungen Leute am Herzen, „denn sie sind unsere Zukunft“, sagt er. Aus diesem Grund engagiert er sich in dem Projekt und ist auch Regionalkoordinator für „Vera“.

Förderung sozialer und sprachlicher Kompetenzen

„Wir wollen Abbrüche vermeiden“, sagt Henkel und beschreibt, warum „Vera“ so erfolgreich ist: „Die Ausbildungsbegleiter haben viel Erfahrung im beruflichen Umfeld und kennen die Sorgen und Nöte der jungen Menschen, denn häufig hatten sie selbst mit Ausbildung zu tun.“ Daher würden sie ihre Schützlinge sehr individuell betreuen. Denn das mache „Vera“ aus: Jedem Jugendlichen wird ein Experte zur Seite gestellt – durch diese Eins-zu-eins-Betreuung entsteht eine vertrauliche Zusammenarbeit.

Am häufigsten nachgefragt seien Hilfe bei Fachtheorie und Prüfungen. Wichtig seien auch die Förderung sozialer und sprachlicher Kompetenzen sowie Hilfe gegen Mobbing, bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, finanziellen oder privaten Problemen. Dabei verdeutlicht Henkel: „Wir sind in erster Linie für die Jugendlichen da – nicht für die Eltern oder den Ausbildungsbetrieb.“ Zwar würden diese einbezogen, wenn es der Jugendliche wünsche – aber eben nur dann.

Gemeinsam mit dem Jugendlichen legt der Experte die Ziele der Begleitung fest. Diese werden dann systematisch angegangen, die Treffen finden meist einmal pro Woche statt. „Vor Prüfungen kann es auch häufiger sein, denn dann ist der Bedarf groß“, weiß Henkel.

Auch Flüchtlinge können nun von „Vera“ profitieren

Die Experten beantworten fachliche Fragen, begleiten Übungen für die Berufspraxis, unterstützen die Vorbereitung auf Prüfungen, kümmern sich um den Ausgleich sprachlicher Defizite, fördern die soziale Kompetenz und Lernmotivation und stärken das Vertrauensverhältnis zwischen Auszubildendem und Ausbilder. Die Experten helfen auch dann weiter, wenn das Ausbildungsverhältnis doch vorzeitig beendet werden sollte. Im Tandem geht die Suche nach einem geeigneten neuen Ausbildungsplatz weiter.

Mittlerweile richtet sich das Angebot auch an Flüchtlinge und Migranten. Voraussetzung ist, dass sie mit ihrer Lehre begonnen haben oder an einer beruflichen Einstiegsqualifizierung teilnehmen.
In der Region Kassel-Marburg, für die Helmut Henkel als Regionalkoordinator zuständig ist, hat „Vera“ seit dem Jahr 2009 insgesamt 137 Anfragen erhalten – 95 junge Menschen haben die Unterstützung durch Ausbildungsbegleiter in Anspruch genommen.

Im Raum Marburg wurden etwa 30 Anfragen gestellt und mehr als 20 Auszubildende begleitet. „Bei uns sind gut 50 Senior-Experten registriert“, erläutert Henkel. Davon hätten sich 24 Fachleute beim SES gemeldet, weil sie gezielt Auszubildende unterstützen möchten. „Doch es könnten durchaus noch mehr Experten sein, die mit ihrem Fachwissen jungen Leuten helfen“, appelliert Henkel an seine Ex-Kollegen. „Interessenten können sich gerne an mich wenden.“

von Andreas Schmidt

 
Projekt „Vera“

Eine Begleitung durch „Vera“ ist kostenlos, da die Initiative durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Initiative „Bildungsketten“ gefördert wird. Sie läuft zunächst über zwölf Monate, kann aber bis zum Abschluss der Lehre verlängert werden.

Die Ziele der Ausbildungsbegleitung legen die Experten und Jugendlichen im Einzelfall und zusammen fest. Jugendliche und auch Experten können sich bei Regionalkoordinator Helmut Henkel unter Telefon 06424 / 3592 melden.

 
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