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„Wir müssen investitionsfreundlich sein“

Mittelstandskolleg der Volksbank Mittelhessen „Wir müssen investitionsfreundlich sein“

Rund 200 Unternehmer kamen zum Mittelstandskolleg der Volksbank und zogen Bilanz über die aktuelle und künftige Lage in Europa und Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand.

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Michael Grömling beleuchtete die wirtschaftliche Entwicklung in Europa.

Quelle: Ina Tannert

Gießen. Impulse und Ideen gaben ein Expertenvortrag und eine Podiumsdiskussion unter dem Titel des Abends „Europa – Lust oder Last für den deutschen Mittelstand?“ Gastreferent Professor Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln stellte seine Prognosen zur Entwicklung dar.

Als „Rückenwind für die Wirtschaft“ bezeichnete er den nach wie vor steigenden Außenhandel und die günstigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Neben einer billigen Währung und dem schwankenden Dollar als „Doping des deutschen Wirtschaftssystems“ sorge vor allem günstiges Öl für einen kräftigen, konsumfördernden Schub. „Die deutsche Wirtschaft wächst trotz aller Widrigkeiten“, fasste er zusammen.

Als „Gegenwind“ hob Grömling den „Abkopplungsprozess der Schwellen- und Entwicklungsländer“ und dessen nachhaltigen Einfluss auf entsprechende Inlandsinvestitionen hervor. Der globale Investitionsboom werde von diesen aufstrebenden Märkten nahezu angeführt. Daraus resultierende strukturelle Hürden sowie ein schwaches Wachstum in Europa, eine fehlende Flexibilität der Weltmärkte und politische Unsicherheiten auf internationaler Ebene wirkten sich auf das Vertrauen der Unternehmen aus.

Dies beschränke langfristig den bereits schwächelnden Investitionswillen und damit die Firmenkapazitäten. „Was heute nicht investiert wird, hemmt morgen die Produktion – wir müssen investitionsfreundlich sein“, so Grömlings Fazit.

Gute Gründe für die Produktion in der Region

Bei einer Podiumsdiskussion zogen die Unternehmer schließlich Bilanz über das Gehörte, richteten den Blick dabei auf die mittelhessische Wirtschaft. Der Talkrunde schlossen sich Volksbankvorstand Rolf Witezek, Dr. Andreas Ritzenhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Marburger Firma Seidel, sowie Sabine Bender-Suhr, geschäftsführende Gesellschafterin der Firma Bender aus Grünberg, an. Die Moderation übernahm Journalistin Claudia Schick.

Zum Thema Produktionsstandort bezog Ritzenhoff einen klaren Standpunkt: Anstatt ins billige Ausland abzuwandern habe Seidel stets auf eine regionale Produktion in Mittelhessen gesetzt – auch aus dem Grund, dass sich die Firma für Designprodukte wie die Branche selbst stets im Wandel befinde und auf kontinuierliche Entwicklung angewiesen sei. „Entwicklung, Produktion und Forschung sollten daher beieinander bleiben“, so Ritzenhoff.

Auch beim Umweltschutz komme diese Entscheidung zum Tragen: Um den Ressourcenverbrauch einzudämmen müssten Unternehmen auf nachhaltige Transportwege achten. „Der Schiffsverkehr ist der zweitgrößte Klimakiller der Welt“, betonte Ritzenhoff. Die Wirtschaft müsse ihre globale Verantwortung wahr- und ernstnehmen, „damit wir 2030 keinen neuen Planeten brauchen“.

Auch die Volksbank registriere einen spürbaren Investitionsschub in diesem Bereich. „Die Menschen wollen regionale Produkte haben“, die Unternehmen versuchten hier wiederum verstärkt zu punkten, merkte Witezek an.

Unternehmer sehen Flüchtlinge als Chance

Einig war sich die Runde beim Thema Wirtschaftssanktionen gegen Russland und kritisierte die Einschränkungen für den Handel. Manche Kunden verlören bis zu einem Drittel ihrer Umsätze, berichtete Witezek.
Auch Seidel bekomme den schwachen Absatz in Russland als zweitgrößten Absatzpartner nach China indirekt zu spüren. „Wir versuchen dies auszugleichen – auch wenn die Wachstumskurve dadurch etwas flacher ausfallen wird“, so Ritzenhoff.

Auch das aktuelle Thema Flüchtlinge durfte bei der Debatte nicht fehlen. Nach ökonomischen Aspekten spreche viel dafür, das Potenzial von gut ausgebildeten, dauerhaft im Land verbleibenden Einwanderern als Ausgleich des steigenden Fachkräftemangels zu nutzen. Es gebe sichtlich „mehr Vorteile als Nachteile“, betonte Bender-Suhr.

Generell erhoffen sich die Unternehmer von Europa eine fortwährende Stabilität und weiteres Wachstum. „Ich sehe eine ganze Reihe an positiven Dingen in Europa“, sagte Ritzenhoff und sprach sich für eine stärkere „Gesamtdefinition aller Staaten“ aus.

von Ina Tannert

Professor Michael Grömling (von links), Sabine Bender-Suhr, Moderatorin Claudia Schick, 
Dr. Andreas Ritzenhoff und Volksbankvorstand Rolf Witezek diskutierten über Investitionshürden und -chancen für den deutschen Mittelstand. Foto: Ina Tannert
 
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