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„Wir müssen Kirchhain besser vermarkten“

Jahreshauptversammlung des Verkehrsvereins „Wir müssen Kirchhain besser vermarkten“

Die Diskussion über den Strukturwandel und die Zukunft der Kirchhainer Geschäfte mit dem Bürgermeister in spe standen im Fokus der Jahreshauptversammlung beim ­Verkehrsverein Kirchhain.

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Events wie der Ostermarkt sollen auch künftig Frequenz nach Kirchhain bringen.

Quelle: Michael Rinde

Kirchhain. Neue Anreize für Kunden, Onlinepräsenz und gemeinsam an einem Strang ziehen – für die Zukunft hat sich der Gewerbeverein viel vorgenommen. Im Fokus steht die Entwicklung der Innenstadt. Die habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, mehr und mehr Geschäfte verschwänden, die Innenstadt wandele sich langsam zur Wohnstadt.

Das Gros des täglichen Bedarfs deckten eine Handvoll Großmärkte ab, die die Kunden günstig versorgten, fasste Vereinsmitglied Heinrich Maus zusammen. Die Kunden wollten zwar gemütlich shoppen, es ziehe auch Menschen in das Zentrum – das biete für einen nahen Einkauf jedoch zu wenige Möglichkeiten. Attraktivität sei das Zauberwort.

Stadt will auch ihren Beitrag leisten

Es gebe keinen „Frequenzbringer“ mehr, der die Kunden anziehe, stimmte auch Hannelore Wachtel zu. „Aber es gibt noch Ressourcen, noch 60 intakte Geschäfte – und die müssen erhalten bleiben“, betonte die Vorsitzende.

Der Diskussion schloss sich der künftige Bürgermeister Olaf Hausmann an, der sein Amt im August antreten wird. Er verwies auf ein verändertes Konsumverhalten, die größte Konkurrenz stelle der bequeme Internethandel dar. Darauf müssten die Händler reagieren, dem Trend entgegenwirken und neue Anreize schaffen – etwa durch die Etablierung neuer Plattformen wie einer Servicestation für Waren und Händler. Diese Last liege nicht alleine auf den Vereinsmitgliedern, auch die Stadt wolle ihren Beitrag leisten und mit beratschlagen, wie „die Marke Kirchhain“ als traditionelle Marktstadt künftig wirken soll.

Mehrere Anwesende berichteten von ihrer Sorge, dass weitere Geschäfte aus der Innenstadt verdrängt werden, diese sich „zur Fressgasse“ entwickeln könnte. Sie sprachen sich für eine positivere Gestaltung des Zentrums und eine Stärkung des vorhandenen Gewerbes aus. „Wir müssen Kirchhain besser vermarkten“, betonte auch Hausmann.

Plädoyer für angeglichene Öffnungszeiten der Läden

Eine Möglichkeit wäre die Spezialisierung des Angebots, das Image von Kirchhain als „Stadt der Fach- und Markengeschäfte“ auszubauen, riet er. Daneben gelte es, die Onlinepräsenz zu erweitern, mehr Internethandel anzubieten und regelmäßige Events zu nutzen.

Neben potenziellen Neugründungen von Geschäften, die die bereits vorhandenen Läden ergänzen könnten, schauten die Anwesenden auch kritisch in die eigenen Reihen: Ein seit Jahren wiederkehrendes Streitthema sind die unterschiedlichen Öffnungszeiten. Diese schreckten die Kunden ab „der Einzelhandel selber muss näher zusammenrücken und einen einheitlichen Auftritt schaffen“, betonte Steffi Kleinheins.

Auch in der Konzentration auf Märkte und Feste sah sie wenig Potenzial. Die regelmäßigen Events hätten sich kaum verändert, das Kaufverhalten der Kunden dagegen sehr. „Die Leute sind gesättigt und kaufen nicht mehr.“ Beim wirtschaftlichen Erfolg der städtischen Events, wie dem Oster- und dem Martinsmarkt oder dem Moonlight Shopping, scheiden sich die Geister. Mancher Unternehmer profitiert von dem Besucheransturm, andere nicht.

Strukturwandel fordert angemessene Reaktion

Generell sprach sich der Großteil jedoch für einen Erhalt der Veranstaltungen aus: „Kirchhain ist und bleibt eine Marktstadt.“ Schwerpunktmäßig möchte der Verein in Zukunft das vorhandene gewerbliche Potenzial ausbauen, die Onlinevermarktung erweitern und den Blick auch auf den touristischen Bereich richten, fasste Wachtel zusammen.

Angemessen und mit nachhaltigem Erfolg auf den weiter wachsenden Strukturwandel zu reagieren, sei eine Herausforderung und große Aufgabe, die es zu bewältigen gilt – nicht als Gewerbeverein, sondern „als Kirchhainer“, betonte Hausmann.

Die Wirtschaftsförderung sei für ihn als neuen Bürgermeister ein zentrales Thema, Hausmann plant bereits einen Wirtschaftsförderer als zentralen Ansprechpartner einzustellen sowie einen „permanenten Austausch“ mit den Vereinsmitgliedern zu pflegen. Wichtig sei ihm, etwas zu verändern, und das möglichst bald. Zur Not auch nach dem Prinzip „trial and error“ (Versuch und Irrtum), so das künftige Stadtoberhaupt.

von Ina Tannert

 
Gemeinsam mit dem künftigen Bürgermeister Olaf Hausmann (links) diskutierte der Verkehrsverein über die Zukunft Kirchhains als Einkaufsstadt. Foto: Ina Tannert
 
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