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„Wir können keine Bewerber backen“

Arbeitsmarktgespräch „Wir können keine Bewerber backen“

Was tun gegen den drohenden Fachkräftemangel? Um die Nöte der Arbeitgeber drehte sich am Dienstag das Arbeitsmarktgespräch im Marburger „Vita Fitness“.

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In Kleingruppen diskutierten die heimischen Unternehmer mit Experten des Arbeitgeberservices.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Eigentlich hat Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit, gute Nachrichten im Gepäck: Dem Landkreis geht es gut, was die Arbeitslosenquote angeht.

„Wir sind gut aufgestellt“, stellte dann auch Landrätin Kirsten Fründt (SPD) fest. Gerade die ländlich strukturierten Landkreise stünden jedoch vor einem Problem: „Es geht darum, die Fachkräfte zu bekommen, die man braucht - und auch die Auszubildenden, die man braucht“, sagte sie.

Aus diesem Grund spiele die Standortsicherung der beruflichen Schulen eine Rolle, in diesem Punkt befinde man sich mit den entsprechenden Stellen im Gespräch.

Ein Vorteil der Region seien zudem die Universität und auch der Ableger der Technischen Hochschule Mittelhessen in Biedenkopf. Doch Fründt weiß: „Die Notwendigkeiten und Bedarfe sind da - bei den Arbeitsmarktgesprächen können Netzwerke gebildet werden. Und ich bin eine große Freundin von Netzwerken.“

Arbeitslose mit „multiplen Problemlagen“

Doch nicht nur Netzwerke seien das Ziel der Arbeitsmarktgespräche, wie Volker Breustedt verdeutlichte: „Wir wollen näher ran an Ihre Bedürfnisse als Arbeitgeber, damit wir anschließend versuchen können, das Bestmögliche für Sie herauszuholen.“ Vom Prinzip her gebe es im Landkreis „eine Spitzen-Ausgangslage“, es gebe derzeit mehr als 86.000 versicherungspflichtige Arbeitsplätze. Und dass es der Region gut gehe, läge vor allem daran, „dass der Arbeitsmarkt gut sortiert ist“. Wenn es also einer Branche bundesweit schlecht gehe, schlage das „hier nie so stark durch“.

Die Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent sei hessenweit hervorragend, doch es gebe auch Wermutstropfen: So hätten zahlreiche Arbeitslose „multiple Problemlagen - etwa mit Krankheit, Schwierigkeiten in der Mobilität und mehr“, so Breustedt.

Sorge bereitet der Arbeitsagentur nach wie vor die Tatsache, dass jeder dritte Arbeitslose älter als 50 Jahre ist. „Vor diesen schrecken leider viel zu viele Arbeitgeber noch zurück“, sagte Breustedt. Dennoch bemühe man sich weiterhin, diese Menschen zu vermitteln.

Dazu müsse man die Sorgen und Nöte der Arbeitgeber kennen. Und dabei wurde schnell klar: Die Zahl der Bewerber sinkt. Daher würden etwa Banken längst nicht mehr nur Abiturienten, sondern vermehrt Realschüler einstellen.

Mehrere Teilnehmer aus den Pflegeberufen - ob ambulanter Pflegedienst oder Seniorenheim - berichteten, dass sie schon versucht hätten, ihren Bedarf mit ausländischen Pflegekräften zu decken. Doch das war nicht von Erfolg gekrönt: Mal scheiterte es durch mangelnde Deutschkenntnisse an der wichtigen Dokumentation, mal an der Akzeptanz der zu pflegenden Personen oder der Heimbewohner.

Kommunen in Konkurrenz mit der freien Wirtschaft

Vertreter der kommunalen Arbeitgeber erläuterten, dass sie Probleme hätten, ihre Stellen adäquat zu besetzen, weil sie mit der freien Wirtschaft konkurrieren müssten. So erläuterte Dieter Finger von der Stadt Marburg, dass bei Erziehern „der Markt leergefegt“ sei. Und auch, wenn man etwa eine Stelle mit einem Ingenieur zu besetzen hätte, könne man nur nach Tarif zahlen - Wirtschaftsunternehmen könnten aber mehr zahlen.

Volker Breustedt resümierte: „Wir können keine Bewerber backen.“ Doch die Agentur versuche, die Arbeitgeber auch in Zukunft bestmöglich zu unterstützen. Klar sei jedoch, dass zukünftig die Attraktivität des Arbeitsplatzes eine große Rolle bei der Fachkräftegewinnung spielen werde - und nicht alleine der Verdienst. „Wo ich mich wohl fühle, da bleibe ich - auch, wenn ich bei der Nachbarfirma vielleicht 50 Euro mehr verdienen könnte“, ist sich Breustedt sicher.

von Andreas Schmidt

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