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„Wir bekommen kaum noch qualifizierte Azubis“

Marburger Elektro-Innung „Wir bekommen kaum noch qualifizierte Azubis“

Die Mitgliedsbetriebe der Innung für elektro- und informationstechnische Handwerke klagen über zu wenig Auszubildende und suchen nach Chancen, den Fachkräftemangel auszugleichen.

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Der stellvertretende Obermeister Walter Henkel (von links), Obermeister Reiner Kahle, die Jubilare Stefan Gläser und Lothar Fritsch sowie Meinhard Moog, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, bei der Urkundenübergabe.

Quelle: Ina Tannert

Cölbe. Die gute Nachricht überbrachte Obermeister Reiner Kahle gleich zu Beginn der Jahreshauptversammlung: „Die wirtschaftliche Lage ist gut“, hatte die Handwerkskammer Kassel kurz zuvor mitgeteilt.

Es hapert jedoch beim Nachwuchs. Der um sich greifende Fachkräftemangel sei immer deutlicher zu spüren, „wir bekommen kaum noch qualifizierte Azubis – das ist ein zunehmendes Problem“, warnte der Innungschef.

Er riet den versammelten Unternehmern gezwungenermaßen den Blick vermehrt auf Abiturienten, Studienabbrecher oder Studienzweifler zu richten. Weiteres Potenzial bieten indes junge Flüchtlinge. „Bisher gibt es nur positive Erfahrungen“, teilte Kahle auch aus eigener Erfahrung mit. Viele Flüchtlinge, die als Lehrlinge oder Praktikanten bei den Betrieben arbeiteten, seien „absolut integrations- und arbeitswillig“.

Probleme bereite anfangs vor allem die Sprachbarriere. Bei der Förderung sprachlicher Qualifikation stehe die Regierung in der Pflicht, dies könne die Wirtschaft nicht alleine tragen. „Wir können nicht alles gerade bügeln, was da von Berlin aus verzapft wird – wir brauchen dabei Hilfe“, betonte Kahle.

Die Leistungen des vorhandenen Nachwuchses ließen generell zu wünschen übrig. Wissenslücken fallen bereits im ersten Lehrjahr auf – aber auch die vergangene Gesellenprüfung im Winter konnte der stellvertretende Prüfungsausschussvorsitzende Walter Henkel nur als „extrem schlecht“ werten: Von 19 Lehrlingen bestanden nur 9 die Gesellenprüfung.

Lärmbelastung sollte bei Arbeit minimiert werden

Insgesamt sind bei den 75 Innungsbetrieben derzeit 105 Auszubildende beschäftigt. Hinzu kommen vier Informationselektroniker. Allesamt männliche Berufsvertreter – keine einzige Frau konnte bislang für eine Ausbildung in dem traditionellen Männerberuf gewonnen werden. Auch hier bestehe „großes Entwicklungspotenzial“, riet Meinhard Moog, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, das Thema Frauen im Elektrohandwerk aufzugreifen.

Des Weiteren informierten sich die Unternehmer über das Thema Lärm und dessen Gefahrenpotenzial am Arbeitsplatz. Ein wichtiger Aspekt bei der Arbeit mit lautem Gerät und einem steten Geräuschpegel, sei der Schutz vor allzu hoher Lärmbelastung, sagte Referent Michael Gruß von der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse.

Anhaltender Krach könne zu Konzentrationsschwierigkeiten, langfristig zu einer massiven Gefährdung des Gehörs bis zu schweren Gesundheitsproblemen führen. Als Faustregel gelte: Je höher die Lärmbelastung, desto geringer sollte die Zeitspanne sein, während der am Stück gearbeitet wird.

Einen normalen Lärmpegel von 80 Dezibel (dB) im Straßenverkehr halte das Gehör für acht Stunden aus, ohne Schaden zu nehmen. Bei 100 dB (Unterputzdosen bohren) sollte statistisch betrachtet nicht länger als 4,8 Minuten am Stück gearbeitet werden. „Lärmschwerhörigkeit kann nicht geheilt werden“, warnte der Referent.

Wie ein Test der Berufsgenossenschaft zeige, liege der Mittelwert der Lärmbelastung für Elektroinstallateure auf Baustellen bei 93 dB. Arbeitgeber sollten tunlichst darauf achten, dass sie Mittel zum Gehörschutz anbieten und dass die Kollegen diese auch nutzen – „Sie wollen doch, dass ihre Mitarbeiter gesund nach Hause gehen und ohne Berufskrankheit wiederkommen“.

von Ina Tannert

 
Ehrungen
Für das 25-jährige Meisterjubiläum wurden die Elektroinstallateurmeister Stefan Gläser und Lothar Fritsch von der Handwerkskammer Kassel geehrt.
 
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