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„Wie Tetris spielen für Erwachsene“

OP-Ausbildungsserie „Wie Tetris spielen für Erwachsene“

Transporter, Organisator, Inneneinrichter, Alleskönner - Arbeiten im Umzugsservice bedeutet mehr als nur Möbel schleppen.

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Zwischen Sackkarre, Rollbrett und Tragegurt – die Inhaber der HPS Transporte GmbH, Cerstin (links) und Helmut Sommer sowie Petra Platt vom Arbeitgeberservice.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Möbel einpacken, liefern, schleppen, den ganzen Tag - treppauf, treppab stemmen die „Möbelpacker“ die schweren, unhandlichen Stücke und verladen sie auf den LKW.

Diesen monotonen Eindruck haben die meisten Menschen vom jungen Berufsfeld Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Doch hinter dem Bild steckt mehr als man auf den ersten Blick sieht. Die Branchenvertreter des erst acht Jahre alten Berufes tragen in der Regel die Verantwortung für die gesamte Auftragsabwicklung, sind für Planung, Organisation, Transport, Material und korrekte Installation verantwortlich.

Fachkräfte für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice arbeiten in Unternehmen des Küchen- und Möbelhandels, in Möbelspeditionen oder Transportunternehmen. Sie liefern Artikel und Gegenstände aus, verpacken Umzugsgüter und Waren oder arbeiten im Lager. Sie bauen Küchen und Möbel ab und am Bestimmungsort wieder auf. Daneben installieren sie elektrische Geräte und schließen diese an Wasserleitungen und Lüftungsanlagen an. In der Werkstatt oder bei Kunden vor Ort bearbeiten sie gegebenenfalls die Möbelstücke mit Maschinen.

Auch im Büro sind sie tätig, prüfen Rechnungen, Lieferunterlagen und beraten Kunden. Jeder Betrieb hat strenge Sicherheits- und Qualitätsstandards, die neben Körperkraft auch Kopfarbeit erfordern.

„Wir sind Transporter, Inneneinrichter, Handwerker und Logistiker in einem“, weiß etwa Helmut Sommer, Inhaber der HPS Transporte GmbH in der Alten Kasseler Straße. Gemeinsam mit Ehefrau Cerstin betreibt er seit rund 20 Jahren das Umzugs- und Klaviertransport- Unternehmen, wickelt sämtliche kleinen und großen, internationalen Transportgeschäfte ab: Vom kleinen Einzelstück bis hin zu kompletten Firmenumzügen oder spektakulären Transportgeschäften. Wie etwa einen großen Flügel durch das abgedeckte Dach in eine Wohnung zu bekommen, erzählt das Unternehmerpaar.

Häufig übernimmt der Betrieb nicht nur den eigentlichen Transport der Gegenstände, sondern gleich den gesamten Umzug, inklusive Kisten packen, Deinstallationen und der gesamten Inneneinrichtung mit Dekoration im neuen Haus.

Jeder Auftrag beginnt mit einer sorgfältigen Vorplanung: Das Umzugsvolumen muss im Vorfeld berechnet, eine behördliche Halteverbotsgenehmigung samt Beschilderung rechtzeitig am Umzugsort eingerichtet werden. Erfahrene Teamleiter regeln den „Umzugsverkehr“ zwischen Gebäuden und Transportfahrzeugen. „Erfahrung ist wichtig in der Branche, jeder Kunde und jeder Umzug ist anders“, weiß der Chef.

Drei Auszubildende arbeiten in dem Familienbetrieb, darunter Sohn Martin Sommer, der gerade das zweite Ausbildungsjahr erreicht hat. Als Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice sind unter anderem mathematische Fähigkeiten zur Berechnung von Möbelmaßen und Materialbedarf von Vorteil, weiß der Junior. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Für Installationen und den Aufbau von Küchen und Möbeln sind technische und handwerkliche Kenntnisse nötig.

Die Fachkräfte müssen zudem in der Lage sein, selbstständig und im Team zu arbeiten. Bei Tätigkeiten auf engem Raum, mit begrenztem Lagerplatz und beim Beladen des Transporters sind Koordinations- und Organisationsfähigkeiten sowie räumliches Vorstellungsvermögen gefragt.

„Das ist wie Tetris für Erwachsene“, weiß Sommer. Sehr wichtig ist Sorgfalt im Umgang mit wertvollen Transportgegenständen, beim Anschließen von Geräten, der Montage von schweren Einbauteilen und Überprüfung der Armaturen. Für das Kerngeschäft ist eine gute körperliche Konstitution nötig, Fachkräfte für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice leisten teilweise harte, anstrengende Arbeit. Da sind feste Ruhepausen und freie Tage als Ausgleich wichtig, erklären die Inhaber.

Die erforderliche Ausdauer für diesen Beruf bringt nicht jeder Bewerber mit. „Die Abbrecherquote ist leider hoch in dieser Branche“, weiß die Chefin. Viele junge Leute scheuten die harte, körperliche Tätigkeit und die unregelmäßige Arbeitszeit. Dazu zählen nicht nur Arbeiten in der Nacht, sondern auch Fernfahrten, bis hin zu Auslandstouren. „Aber das ist auch das Tolle daran, man kommt viel herum und erlebt immer etwas Neues“, erzählt Helmut Sommer.

Monotonie komme in diesem Beruf nicht auf. Jeden Tag treffe man neue Leute, die Aufträge und Einsatzorte wechselten ständig. In der Branche gibt es noch viele freie Stellen und nur wenige Bewerber. Die Auftragslage ist gut und wächst stetig weiter.

„Der Beruf leidet jedoch unter einem schlechten Image“, weiß Petra Platt vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur.

Dabei biete eine Ausbildung nicht nur große Abwechslung im Berufsalltag, sondern auch gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. „Die Fachkräfte werden geradezu vom Markt aufgesogen“, so die Arbeitsvermittlerin.

Auch HPS Transporte hat noch Platz für einen weiteren Auszubildenden im Team. Bewerber, die noch generell einen Ausbildungsplatz für 2014 suchen, können sich beim Arbeitgeberservice informieren. Kontakt unter 06421/605212.

von Ina Tannert

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