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Wetter spielt Händlern in die Karten

Sommerschlussverkauf Wetter spielt Händlern in die Karten

Bei der Rekordhitze war Sommerkleidung der Renner im Schlussverkauf. Doch Schwitzen und Shoppen passte nicht in allen Landesteilen zusammen. Zum Teil bremste die Hitze das Geschäft.

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Die Hitzewelle lässt auch die Preise schmelzen: Verkäuferin  Caroline Block vom Kaufhaus Teka präsentiert reduzierte Ware. Gefragt war im Schlussverkauf vor allem leichte Sommerbekleidung.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Hitze und Sonnenschein haben Deutschlands Einzelhändlern einen erfolgreichen Sommerschlussverkauf (SSV) beschert. „Der Einzelhandel ist sehr zufrieden“, sagte ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland der Deutschen Presse-Agentur. Die Sonderangebote der vergangenen zwei Wochen bei Sommerbekleidung und anderen Saisonwaren seien ein voller Erfolg gewesen. „Es lief besser als im letzten Jahr“, erzählte der Sprecher.

Eine große Rolle habe dabei das Wetter gespielt. Bei sommerlichen Temperaturen hätten viele Kunden zu entsprechender Kleidung gegriffen. Nicht alle Händler freuten sich allerdings über das Wetter. „Das ist ein zweischneidiges Schwert“, sagte Günter Päts vom Handelsverband Berlin-Brandenburg. Bei der Hitze verkaufe sich Sommerbekleidung zwar gut, viele Menschen fuhren allerdings lieber an einen See als zum Einkaufen in die Innenstadt. „Wir wünschten uns auch mal einen Regentag“, erzählte Päts. „Die Gewinner dieser Witterung sind klimatisierte Einkaufszentren.“

Heimische Händler sind mit dem SSV zufrieden

Die Rekordhitze hat dem SSV in Hessen einen leichten Dämpfer versetzt. „Die Temperaturen der letzten Tage haben stark auf die Frequenz in den Städten gedrückt“, sagte der Sprecher des Einzelhandelsverbands Hessen Süd, Joachim Stoll. „Insgesamt wird das ein Mini-Plus-Schlussverkauf.“ Zahlen könne er aber noch nicht nennen. „Ich höre ganz unterschiedliche Stimmen über den Verlauf des SSV.“ Die Verkäufe an den angenehm hochsommerlichen Tagen seien dagegen gut gelaufen, sagte Stoll. „Sommerkleidung ging die ganze Zeit noch, weil es extrem warm war.“

Allerdings führe die lange Hitzeperiode auch zu einer Art Lustlosigkeit: „Viele Kunden haben keine Lust mehr auf Sommerkleidung und schauen schon vorsichtig nach der neuen Ware.“ Der Sommerschlussverkauf sei für viele Verbraucher noch immer die psychologische Marke des Wechsels vom Sommer auf den Herbst. Viele Modegeschäfte hätten bereits seit sechs Wochen Herbstkollektionen im Angebot.

In Hessens größter Stadt Frankfurt habe zudem die Sperrung des S-Bahn-Tunnels auf das Geschäft gedrückt. „Von den Spaßtouristen aus dem Umland sind schon ein paar Tausend nicht gekommen“, sagte Stoll. Die Verkaufsschlager dieses Jahr: Shorts, Badezeug, Sandalen und Sommerkleider. Die heimischen Händler sind indes mit dem Verlauf des SSV zufrieden, wie eine Umfrage der OP ergab.

Nachfrage geht querbeet

Gerhard Petri, Einkäufer der Damenoberbekleidung im Hause Begro, sagt: „Das Wetter hat uns zum Schlussverkauf richtig in die Karten gespielt, wir konnten unsere Lager gut räumen.“ Gesucht wurde laut Petri „Markenware zum stark reduzierten Preis“. Besonders gut lief demnach alles Sommerliche: „Bermudas und Capri-Hosen, T-Shirts und Tops waren stark nachgefragt“, so Petri. Und auch, wer sich für die letzten Ferienwochen und einen eventuell bevorstehenden Urlaub noch eindecken möchte, kommt noch zum Zug: „Wir haben weiterhin noch stark reduzierte Sommer-Schnäppchen“, so Petri.

Auch von der Herbst-Winter-Ware können sich die Kunden bereits ein Bild machen, „die Nachfrage danach ist derzeit zwar schon in einem geringen Ausmaß vorhanden, fällt aber noch recht sporadisch aus – dafür ist es einfach zu heiß“, sagt der Mode-Fachmann. Für Bernd Brinkmann, Geschäftsführer des Kaufhauses Teka, hat das Wetter den Händlern in die Karten gespielt: „Der Bedarf ist einfach vorhanden, daher haben sich die Kunden noch einmal gut eingedeckt“, sagt er.

Normalerweise laufe der Schlussverkauf dann an, wenn die Witterung schlechter werde – „aber jetzt hat die Hitze die Kauflaune richtig stimuliert“, so Brinkmann. So habe man in Massen Kleider verkaufen können, „gefragt waren quer durch alle Textilien bis hin zu den Schuhen vor allem leichte Kleidungsstücke“, so Brinkmann.

Auch Herbstware verkauft sich schon gut

Doch auch die vorhandene Ware für die kältere Jahreszeit sei bereits vorhanden. „In dem Moment, wenn die Ware präsentiert wird, decken sich die Kunden schon ein. Denn wenn die Ware bei hohen Temperaturen gefällt, besteht bei kälterer Witterung ja die Gefahr, dass das Stück dann nicht mehr da ist“, erläutert Brinkmann. „Es gibt immer Kunden, die sich schon ganz früh für die kommende Saison eindecken – das hat nichts mit dem Bedarf zu tun.“

Wer sich jetzt noch eindecken möchte, könne sich „auf weitere Rabatte“ freuen – „allerdings ist die Auswahl eingeschränkter: Die Basics sind noch vorhanden, aber unsere Lager lichten sich langsam“, sagt Bernd Brinkmann.
Für Peter Ahrens, Inhaber des Kaufhauses Ahrens, ist der Schlussverkauf aufgrund der liberalen Gesetzgebung (siehe Kasten unten) nicht mehr so wichtig. „Als alles noch stark reglementiert war, waren die zwei Wochen eine heiße Zeit“, sagt er. Heute sei der SSV „nicht mehr so ein markantes Datum“. Dennoch sei er mit dem Juli als Saisonabschlussmonat zufrieden, „er ist sehr positiv verlaufen“.

Der Sommer insgesamt sei „positiv zufriedenstellend“ gewesen. Doch Ahrens blickt auch schon voraus: „Natürlich ist jetzt noch Sommer angesagt und weniger Herbst. Aber wenn ich sehe, was wir inzwischen an Herbstware verkaufen – dann ist das ganz erstaunlich. Die modische Kundin orientiert sich jetzt schon“, so Ahrens.

von Andreas Schmidt und unserer Agentur

 
Hintergrund
Bis 2004 durfte der Handel nur zweimal im Jahr die Lager räumen und Ware mit Rabatten anbieten: im Januar/Februar und im Juli/August. Dann wurde die entsprechende Gesetzesregelung abgeschafft. Seitdem sind Rabattaktionen das ganze Jahr über erlaubt. Der diesjährige Sommerschlussverkauf begann am 27. Juli, traditionell dauert er zwei Wochen. „Einige Händler werden aber sicherlich den SSV auch noch verlängern, wenn sie noch genug Sommerware auf Lager haben“, sagte ein Sprecher des Bundesverbands.
 
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