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„Werden kämpfen, kämpfen, kämpfen“

Warnstreik bei YKK „Werden kämpfen, kämpfen, kämpfen“

Die Beschäftigten des Reißverschlussherstellers YKK in Wenkbach traten am Dienstag erneut in den Ausstand, um ihren 
Arbeitgeber zur Rückkehr in den Tarifvertrag zu 
bewegen.

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Am Dienstag bestreikten die Beschäftigten des Reißverschlussherstellers YKK in Wenkbach ihren Betrieb, um die Rückkehr in die Tarifbindung zu erzwingen.

Quelle: Andreas Schmidt

Wenkbach. Pünktlich zu Beginn der Frühschicht um 6 Uhr versammelten sich rund 40 Beschäftigte vor den Werkstoren im dichten Nebel, statt in den Hallen ihrer Arbeit nachzugehen.

Betriebsratsvorsitzender Reiner Ruse fasst zusammen, was in den vergangenen Wochen seit dem Protestmarsch von Niederweimar über die Bundesstraße zum Werk und zurück ( die OP berichtete) passiert ist: „Es hat zwar Gespräche, aber noch keine ernsthaften Verhandlungen gegeben.“

Vielmehr habe der Betriebsrat einigen geplanten Neueinstellungen durch den Arbeitgeber nicht zugestimmt. Denn die potenziellen neuen Kollegen hätten einen finanziellen Nachteil in Höhe von etwa 24 Prozent gegenüber der Stammbelegschaft gehabt – diese Form der Zwei­klassenbeschäftigung sei „mit uns nicht machbar“.

Belegschaft braucht 
„Geduld und langen Atem“

Ruse rechnet vor: „Die Neuen sollten 38,5 Stunden pro Woche arbeiten – das sind 10 Prozent mehr Arbeitszeit. Dann sollte es keine Leistungsbewertung geben – das sind weitere zehn Prozent Verlust. Und hinzu kommt eine niedrigere Gehaltsstufe, alles zusammen ist immens.“

Der Termin kurz nach dem Ende der Werksferien sei bewusst so gelegt worden, wie Ferdinand Hareter von der IG Metall erläutert: „Es gibt 180 Beschäftigte, 80 haben derzeit Urlaub. 40 Kollegen sind alleine in der Frühschicht im Streik – das reicht also, um die Produktion stillzulegen“, sagt er.

Ruse fügt hinzu: „Dadurch, dass wir eine Woche geschlossen hatten, wollen die Kunden jetzt neue Waren haben.“ Daher habe man sich zu dem punktuellen Streik entschlossen, um ein Zeichen zu setzen. Der Arbeitgeber habe für die kommende Zeit Gespräche angeboten, um auch Betriebsvereinbarungen abzuschließen, „aber unser Ziel ist weiterhin die Tarifbindung“, verdeutlicht der Betriebsratsvorsitzende.

Auch für Matthias Körner, den Geschäftsführer des DGB-Bezirks Mittelhessen, ist klar: „Es ist eine gute Sache, dass heute so viele draußen waren.“ Allerdings gibt er zu bedenken, dass es „nie den einen Tag gibt, an dem man plötzlich einen Erfolg erzielt“, vielmehr gebe es immer eine langsame Verschiebung von Kräfteverhältnissen. „Und dazu ist heute ein weiterer Beitrag geleistet worden“, so Körner.

Der Streit bei YKK sei eine langwierige Auseinandersetzung, „die Vergangenheit hat gezeigt, dass Konflikte um die Tarifbindung sich durchaus über Jahre hinziehen können“. Vor diesem Hintergrund müsse die Belegschaft von YKK weiterhin geduldig sein und einen langen Atem haben – „und vielleicht gehen beim nächsten Mal noch mehr Leute mit auf die Straße.“

Und Betriebsratsvorsitzender Reiner Ruse bekräftigt: „Bis zu einer Rückkehr in die Tarifbindung gilt für uns: Wir werden kämpfen, kämpfen, kämpfen.“ Zum 1. Dezember war das Unternehmen aus der Tarifgemeinschaft der IG Metall ausgetreten – ist seither ein Mitglied ohne Tarifbindung.

von Andreas Schmidt

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