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Wer wann zu wem wechselt

Novartis Wer wann zu wem wechselt

Der Pharmakonzern Novartis bereitet sich auf die Übernahme vor: In zirka einem halben Jahr wird das britische Unternehmen GlaxoSmithKline (GSK) das Impfstoffgeschäft übernehmen - zumindest größtenteils.

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Der „Mars“-Campus auf dem Görzhäuser Hof in Michelbach: Bald wird das Novartis-Logo verschwinden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Verhandlungen sind abgeschlossen: Für die nächsten zwei Jahre erhalten Novartis-Mitarbeiter eine Arbeitsplatzgarantie. Fest steht auch, wer ab Januar zu welcher Firma wechseln wird.

Das Pharmaunternehmen Novartis Vaccines mit 1300 Beschäftigten in Marburg befindet sich inmitten einer komplexen Umstrukturierung. Die schwerwiegendste Veränderung, die den Großteil der Belegschaft betrifft, ist die Übernahme durch den britischen Konzern GlaxoSmithKline (GSK). Geplant ist dieser Übergang im ersten Halbjahr 2015.

Jetzt will Novartis zunächst das Grippeimpfstoff-Geschäft, das aus kartellrechtlichen Gründen nicht an GSK geht, ausgliedern. Die neu gegründeten Novartis Influenza Vaccines Marburg GmbH soll ab dem 1. Februar mit 100 Beschäftigten als Tochterfirma von Novartis Pharma AG starten. In den vergangenen Wochen sind Mitarbeiter gezielt angesprochen worden, ob sie freiwillig zu NIVM wechseln wollen. „Die dafür in Frage kommenden Mitarbeiter hatten unter anderem Wahlmöglichkeiten zwischen der NIVM und der zukünftigen GSK“, erklärt ein Novartis-Sprecher auf Anfrage der OP. Die erste Welle des Personaltransfers fand kurz vor Weihnachten statt, und die zweite sei für den 1. Januar 2015 vorbereitet.

Völlig offen ist auch, was nach diesen zwei Jahren passiert. Rechtsanwalt Alexei Padva, der den Betriebsrat von Novartis Vaccines im Zuge der jetzt abgeschlossenen Sozialplan-Verhandkungen vertritt, erklärte dass es für einen Teil der NIVM-Mitarbeiter eine Übernahmegarantie durch GSK gibt.

Sozialplan wird erstellt

Der Veränderungsprozess ist kompliziert, mehrere Unternehmen in verschiedenen Ländern - Deutschland, Schweiz, Großbritannien, USA und Australien - spielen jeweils eine Rolle. In dieser Gemengelage galt es, einen Sozialplan zu erstellen.

Jede Seite, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, versuchen dabei möglichst ihre Interessen so gut es geht durchzubringen. Der Sozialplan für Novartis ist nach Angaben des Vertreters des Betriebsrats, Rechtsanwalt Alexei Padva, nun in trockenen Tüchern.

Die Sachlage: GSK wird für 7,1 Milliarden Dollar die Impfstoffsparte des Konzerns Novartis übernehmen, aber ohne das Grippe-Geschäft. CSL Behring hat wiederum die Übernahme des Grippeimpfstoffs zugesagt, aber nicht die Marburger Produktion. Am Standort Marburg hat CSL nur die Entwicklung des Grippeimpfstoff-Wirkverstärkers MF 59 gekauft. Von diesem Deal wären nur zirka zehn Personen betroffen, die von No­vartis zu CSL wechseln. Novartis wird seinen Grippeimpfstoff vom neu gegründeten Marburger Tochterunternehmen No­vartis Influenza Vaccines Marburg (NIVM GmbH) produzieren lassen.

Abfindung auch für die, die nach zwei Jahren kündigen

Jetzt steht fest, welche Mitarbeiter in diese Firma wechseln - und zu welchen Bedingungen. Betriebsrat und Geschäftsführung haben ausgehandelt, dass NIVM-Mitarbeiter für zwei Jahre einen garantierten Arbeitsplatz bekommen - bis zum Ablauf von zwei Jahren darf NIVM ihren Mitarbeitern nicht betriebsbedingt kündigen. „Danach, und das ist das Besondere, gibt es für eine bestimmte Gruppe von Mitarbeitern eine Übernahmegarantie durch GSK“, so Padva.

Noch ungewöhnlicher sei die ebenfalls jetzt vereinbarte Regelung, dass auch Mitarbeiter, die nach den zwei Jahren von sich aus kündigen, innerhalb einer Übergangsfrist, eine Abfindung erhalten. „Damit sollen den Mitarbeitern möglichst viele Optionen offenstehen, ohne dass man langfristig gebunden ist“, erklärt Padva.

Die Abfindungsregelungen seien überdurchschnittlich hoch und tragen dazu bei, dass - wenn andere vereinbarte Optionen nicht greifen - vor allem besonders empfindlich betroffene Mitarbeiter einen spürbaren finanziellen Ausgleich erhalten, fügt der Jurist hinzu.

Andrea Resch, Personalleiterin am Standort, erklärt auf Anfrage der OP: „Die Geschäftsführung ist zuversichtlich, dass die Ergebnisse der Verhandlungen, gute Lösungen für alle Mitarbeiter aus dem Bereich Zellkulturgrippeimpfstoff und MF59-Produktion darstellen. Wir freuen uns auch darüber, so schnell zu einer Einigung im Interesse der betroffenen Kollegen sowie des Standorts gekommen zu sein.“

Sollte die neu gegründete Gesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten, gibt es nach Informationen der OP Rückendeckung von der Novartis AG in Basel.

Anders ausgedrückt: Die NIVM-Beschäftigten verlieren nach den Vereinbarungen ihre Ansprüche nicht, sollte sich innerhalb der nächsten zwei Jahre etwas gravierend verändern.

Für die Novartis-Beschäftigten, die im Laufe des nächsten Sommers von GSK übernommen werden - das sind die meisten - ist kein Interessensausgleich beziehungsweise Sozialplan erforderlich, da es sich hier nicht um eine Betriebsänderung handelt, sondern nur der Eigentümer des Unternehmens wechselt, erklärt Padva.

IT-Abteilung wird ausgelagert

Bei den Pharmaherstellern arbeiten aber nicht nur Naturwissenschaftler und Laborarbeiter, sondern auch viele gut ausgebildete IT-Mitarbeiter. GSK wollte die Marburger Computerspezialisten nicht übernehmen, erklärt Padva. Das ist nicht weiter verwunderlich, da schließlich beide Unternehmen im Wettbewerb stehen und GSK sicherlich eine eigene IT-Infrastruktur aufbauen will.

Der Betriebsrat und die Arbeitgeberseite haben jetzt einen eigenen Interessensausgleich und Sozialplan für die IT-Mitarbeiter erstellt: Ihre Abteilung wird in die zukünftige Gesellschaft Novartis Business Services (NBS) - des Baseler Konzerns - ausgegliedert, wie das Unternehmen der OP bestätigte.

Die rund 20 Marburger IT-Angestellten werden als „NBS“ in den nächsten zwei Jahren aber weiterhin in Marburg für Novartis, NIVM oder GSK eingesetzt. Sie werden also Dienstleister für die in Marburg ansässigen Unternehmen. Und: „Auch diese Mitarbeiter erhalten für zwei Jahre eine Arbeitsplatzgarantie am Standort Marburg.“

Was mit den Mitarbeitern in zwei Jahren passiert, weiß derzeit keiner. Dass GSK diese dann übernimmt, gilt als völlig offen. Sie könnten an einen anderen Standort von Novartis Pharma wechseln oder nach Nürnberg gehen - im Prinzip müssen diese Fachkräfte damit rechnen, umziehen zu müssen. Der Sozialplan sieht vor, dass auch für sie möglichst viele Optionen offen sind bis hin zu einem freiwilligen Ausscheiden gegen Zahlung einer Abfindung. Sollte ein Wechsel zu GSK für die IT-Mitarbeiter mit einem Neuanfang einhergehen, also ohne Anrechnung der Dienstjahre bei Novartis, sei auch hier ein spürbarer finanzieller Ausgleich vorgesehen.

von Anna Ntemiris

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