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Wer Trends verpasst, wird abgehängt

„Zukunftsforum digitale Wirtschaft“ Wer Trends verpasst, wird abgehängt

Wie bleibt man als Unternehmen wettbewerbsfähig und was hat die 
Digitalisierung damit zu tun? Diesem Thema 
widmete sich das 
 Zukunftsforum der 
Wirtschaftsjunioren.

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Der Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren, Oliver Marquardt (von rechts), Dr. Markus Pfuhl, Dr. Thomas Clauß, Andreas Fiedler und Dr. Christoph Pohl führten durch das Zukunftsforum.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Ansätze, wie neue Geschäftsmodelle und ein 
effizientes Innovationsmanagement beim „Wettbewerb von morgen“ helfen können, gaben mehrere Experten am Donnerstag im Rathaus vor rund 60 Zuhörern.

Über das Potenzial 
der sogenannten „Geschäftsmodellinnovation“ sprach Dr. Thomas Clauß von der Uni Marburg. Eine Innovation im Unternehmen betrachtet er „als etwas Ganzheitliches“, das alle Unternehmensbereiche umfasse, nicht ausschließlich ein Produkt, eine Technologie oder die Forschungsabteilung. Die Umstellung auf ein innovatives Geschäftsmodell bedeute dabei nicht eine radikale Veränderung des Unternehmens, sondern beziehe sich eher auf einen umfassenden Umdenkprozess, viel Kommunikation, Ideenentwicklung oder die Überwindung von Unsicherheit.

Auf einem Erfolg ausruhen dürfe man sich dabei auf keinen Fall, niemals starr in alten Strukturen verharren. „Erfolgreiche Geschäftsmodelle sind nicht zeitlos“, verdeutlichte Clauß. So hätten sich früher erfolgreiche Modelle wie Videotheken oder ehemals führende Firmen wie Quelle und Kodak nicht am Markt behauptet. Ohne Weiterentwicklung innovativer Ideen 
könne kein noch so starkes 
Spitzenunternehmen auf Dauer überleben, es werde schlussendlich von neuen technischen Trends oder der fortschreitenden Digitalisierung zerstört.

Dienstleistungen 
bieten große Chancen

Vor allem Letztere sieht der Referent als die Zukunft des wirtschaftlichen Erfolgs. Wachstum versprechen demnach große 
Internetfirmen mit innovativen Geschäftsmodellen, die auf die verschiedensten Bereiche des Alltags abzielen, dabei „überall ihre Finger drin haben“. So, wie Amazon, das längst der Logistikbranche entwachsen sei, sich in viele kleine Marktbereiche ausweite und „an vielen kleinen Stellen überall ein wenig verdient“. Diese Entwicklung zeige, dass der Kunde „eigentlich kein Interesse an einem physischen Produkt“, sondern an 
 einem Service habe.

Am Beispiel einer Bohrmaschine verdeutlichte er: Dem Kunden gehe es eigentlich gar nicht um die Maschine, sondern darum, ein Loch zu bohren – er sei also eher an der Dienstleistung interessiert. Diese „service-dominante Logik“ zu erbringen, sei die digitalisierte Zukunft der Wirtschaft. Wie in Unternehmen innovative Konzepte überhaupt entstehen und sich umsetzen lassen erläuterte Dr. Markus Pfuhl, Director Corporate Development der Viessmann-Werke.

Dass erfolgreiche neue Ideen auch von außen kommen können stellte er anhand von Beispielen erfolgreicher Firmen weltweit dar – etwa am Nachrichtendienst Whatsapp. Der sei „Abfallprodukt“ eines Start-Ups gewesen, habe sich jedoch am Markt rasant durchgesetzt und die SMS verdrängt.

Firma Winter setzt auf Teambildung

Doch wie wird man zum innovativen Unternehmen? Laut Pfuhl mit sechs Voraussetzungen: An erste Stelle setzt er die Kreativität, die weniger im tristen, reizarmen Büro stattfinde, als viel mehr in einem ansprechenden Umfeld mithilfe innovativer Methoden. Dem folgen Empathie und „psychologische Sicherheit“, also das vorhandene Selbstbewusstsein, auch mit Ablehnung zurechtzukommen.

Ein Entwicklerteam, mit dem Ziel, neue Innovationen im Unternehmen zu etablieren, sollte zudem „bunt sein“, sich aus verschiedenen Typen zusammensetzen, dabei eine 
klare Herangehensweise einhalten. Dem abschließenden Prozess eines innovativen Projekts folge schließlich die Bewertung, die Prüfung der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit, samt einer 
möglichst frühen Befragung und Kontaktaufnahme mit 
potenziellen Kunden, so der 
Unternehmensentwickler.

Während einer Podiumsdiskussion widmeten sich die beiden Referenten gemeinsam mit Andreas Fiedler, Personalleiter 
der Eisengießerei Fritz Winter, 
und Dr. Christoph Pohl, Geschäftsführer der eta|opt GmbH, erneut der Digitalisierung. Durch digitale Prozesse ließe sich nicht nur die junge Generation erreichen, sondern auch eine „transparente und revolutionäre Kommunikation“, fasste Pfuhl zusammen. Welches digitale Modell dabei den größten Erfolg verspreche, komme jedoch auf das Unternehmen an.

Dass der digitale Schwerpunkt nicht überall an vorderster Stelle stehe, verdeutlichte Fiedler: So setze man bei Winter etwa bei der Teambildung eher auf innovative Methoden. Generell sei Innovation in allen Bereichen ein wichtiges Thema, auch in traditionellen Unternehmen. „Die Welt dreht sich – man darf nicht stehenbleiben“, betonte er.

von Ina Tannert

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