Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
„Wer A sagt, muss auch 2.0 sagen“

Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge „Wer A sagt, muss auch 2.0 sagen“

Vor eineinhalb Jahren ging das „Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge“ an den Start und war hessenweit einzigartig. Nun wird das Projekt noch breiter aufgestellt – mit mehr Platz und mehr Personal.

Voriger Artikel
Azubis geben Erfahrungen auf Augenhöhe weiter
Nächster Artikel
Mathias Trojan seit 
25 Jahren bei Ahrens

Am Donnerstag stellten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Arbeitsagentur sowie das erweiterte Team das neue Konzept des Arbeitsmarktbüros für Flüchtlinge vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Vor rund zwei Wochen haben die Akteure von Arbeitsagentur und Landkreis ihre sieben Büros im ersten Obergeschoss der Arbeitsagentur bezogen. Das Ziel ist klar: Man wolle den Asylbewerbern ein schnelles Ankommen in der Arbeits- und Lebenswelt ermöglichen. „Das ist jetzt das Arbeitsmarktbüro 2.0“, sagte Gerhard Wenz, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Marburg.

Das Büro könne nach eineinhalb Jahren auf viele Erfolge zurückblicken, es habe sich als Anlaufstelle für Informationen rund um Arbeitsgenehmigung, Arbeitssuche und -vermittlung, Förderung der Arbeitsaufnahme, Einstieg in die Ausbildungs-vorbereitung sowie Qualifizierung und Anerkennung von Abschlüssen etabliert.

Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow sagte, dass mittlerweile nicht nur die Stadt Marburg integriert worden sei, sondern mit der Wirtschaftsförderung sowie IHK und Kreishandwerkerschaft auch die treibenden Kräfte der heimischen Wirtschaft mit vernetzt würden. „Wo man früher von Pontius zu Pilatus laufen musste, läuft man heute nur noch hierher“, sagte er am Donnerstag bei der Vorstellung des neuen Konzepts.

Büro soll auch Anlaufstelle für Unternehmer sein

Denn genau darum geht es weiterhin: Das Arbeitsmarktbüro soll zentral die Angebote rund um Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung bündeln – unabhängig vom jeweiligen rechtlichen Status der Migranten und den damit einhergehenden unterschiedlichen Zuständigkeiten bei Arbeitsagentur und Kreisjobcenter.

Hinzu kommen nun aber auch Akteure der Stabsstelle Ausländer, Migration und Flüchtlinge sowie Bildungsträger. Fachberatung, die auf die Einrichtung von Sprach- und Praxistraining, Qualifizierung und gesellschaftliche Integration ausgerichtet sei, könne jetzt noch besser von einem vergrößerten Netzwerk von fachkundigen Beratern umgesetzt werden.

Zachow verdeutlicht: „Es soll nicht mehr der Fall eintreten, dass beispielsweise eine Flüchtlingsfamilie aus Münchhausen, in der der Mann schon anerkannt ist, die Frau aber noch nicht und der Sohn eine Qualifizierung im Handwerk absolviert, bei Fragen an einem Tag fünf Orte ansteuern müssen.“

Das Büro soll auch „eine Anlaufstelle für Unternehmer sein, die Flüchtlinge und anerkannte Asylbewerber in Arbeit bringen wollen – ebenso, wie für Ehrenamtliche“, so Zachow. „Wer A sagt, muss auch 2.0 sagen und das Arbeitsmarktbüro weiterentwickeln.“ Die Stabstelle Asyl ist nun permanent im Arbeitsmarktbüro vertreten, ebenso wie ein neu gegründetes Beratungs- und Qualifizierungsteam, das aus drei Sozialberatern besteht.

Kammern sehen Flüchtlinge weiterhin als große Chance

Hinzu kommt die Bildungskoordinatorin ebenso, wie Mitarbeiter von Kreisjobcenter und Arbeitsagentur – mit Ansprechpartnern für Migranten, wie auch für die Arbeitgeber. Stadträtin Kerstin Weinbach verdeutlichte, dass auch Mitarbeiter der Stadt Marburg aus dem Team „Asyl“ künftig im Arbeitsmarktbüro vertreten sein würden. Zudem werde man in der Mauerstraße – also in unmittelbarer Nähe zur Arbeitsagentur – die Aktivitäten rund um Flüchtlinge bündeln, nachdem das Portal in Gisselberg aufgelöst sei.

Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg, sagte: „Die Flüchtlinge sind durchaus eine neue Zielgruppe für die duale Ausbildung. Aber für die Betriebe wird es sicherlich nicht einfach werden. Denn die Menschen sind zwar hoch motiviert – aber die Sprachfähigkeit lässt doch noch viel zu wünschen übrig.“ Das Arbeitsmarktbüro biete die Chance, die Prozesse zu vereinfachen. Auch die IHK Lahn-Dill engagiert sich mit der „Willkommens-Lotsin“ Janine Hermann für das Projekt.

Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher betonte, dass das Handwerk das Büro „außerordentlich begrüßt. Die Flüchtlinge sind für uns ein Thema und wir erhoffen uns viel von ihnen. Allerdings kommt in den Betrieben bisher noch sehr wenig an – das Handwerk steht nach wie vor bereit, wir sind ein guter Integrationspartner“, so Limbacher. Wenz zeigte sich zuversichtlich, dass sich dies im kommendem Jahr ändere: Rund 60 Einstiegsqualifizierungen (EQ) würden demnächst auslaufen, „ich bin zuversichtlich, dass dann viele

Ausbildungsverträge unterschrieben werden“. Edelmann verdeutlichte, dass im Kammerbezirk die Zahl der EQ binnen Jahresfrist bei Syrern von 46 auf 76 gestiegen seien, die Zahl der Ausbildungen von 
1 auf 24.

Zachow verdeutlichte, dass eine Studie in der Schweiz zeige, dass in den ersten zwei Jahren nach Ankunft 20 Prozent in den Arbeitsmarkt integriert seien. „Wir hoffen, dass wir auch in dieser Größenordnung liegen werden.“

von Andreas Schmidt

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr